Luhmühlen: Michael Jung übernimmt CCI4*-Führung

Jung Michael fischerChipmunk FRH

Michael Jung und Chipmunk (© Annette Dölger / TGL)

Das verspricht ein spannendes Wochenende zu werden in Luhmühlen! Michael Jung hat nach der Dressur des CCI4*-S nun eine Nasenlänge Vorsprung vor Sandra Auffarth.

Flirrende Hitze bis 35 Grad lag während der beiden Dressurtage über der Westergellerser Heide. Ein echter Tokio-Test also auch in diesem Punkt. „Besser geht’s doch gar nicht“, fand Bundestrainer Hans Melzer. Die Olympiaaspiranten der Longlist starteten in der Vier-Sterne-Prüfung, zugleich nationale Meisterschaft, mit Ausnahme von Christoph Wahler mit Carjatan und Michael Jung mit seinem Zweitpferd Wild Wave. Vorne behaupteten sich diejenigen, die auch der Bundestrainer vermutlich oben auf der vorläufig noch alphabetisch sortierten Liste hat.

Mit einer eindrucksvollen, sehr harmonischen Runde nahm Michael Jung auf Chipmunk der bis dahin führenden Sandra Auffarth mit 21,4 Minuspunkten die Führung ab. Der von Julia Krajewski ausgebildete und international vorgestellte 13-jährige Contendro-Heraldik xx-Sohn (Hannover) und der zweifache Einzeloympiasieger sind in den vergangenen zwei Jahren zu einem Powerpaar zusammengewachsen. „Es dauert immer ein bisschen, bis sich ein Pferd umgestellt hat“, sagte Jung. „Jetzt kennt er die Menschen, die mit ihm umgehen und alles andere auch.“ Sicher an den Hilfen, immer in schöner Selbsthaltung, ohne erkennbare Schwächen zog der Braune seine Vierecksbahnen, auf den Punkt genau vorstellt.

Nur 0,6 Minuspunkte dahinter rangierte die Mannschaftsolympiasiegerin und Weltmeisterin von 2014, Sandra Auffahrt auf Let’s Dance v. Lancer II-Contender. „Besser geht’s nicht“, lobte Melzer die ausdrucksvolle Vorstellung. Auffahrt hatte ihr Pferd auf Kandare gezäumt, mit seiner Kadenz und dem schwungvollen Bewegungsablauf könnte man sich den Holsteiner auch in einer schweren Dressur vorstellen, das sah schon ein bisschen aus als bei Sandras WM-Pferd Opgun Louvo.

Auf Platz behauptete drei sich Julia Krajewski mit der elfjährigen französischen Stute Amande de B’Neville. „Sie ging heute so gut, wie sie gehen konnte“, sagte Krajewski nach ihrem Ritt. Die sensible Stute zeigte sich gelassen und als sie die Schritt-Tour hinter sich hatte, war sich die Reiterin sicher, dass auch der Rest gelingen würde. Trotz der nicht gerade glanzvollen Statistik bei Championaten (Ausscheiden Rio 2016, Medikationsfall in Strzegom 2017, Verweigern in Tryon 2019) will der Bundestrainer ihr erneut eine Chance geben. „Das motiviert doch jetzt gerade, es besser zu machen“, sagt er. Für Krajewski spricht der Sieg beim Viersterne CCI in Saumur im Frühjahr, als sie die gesamte französische Elite hinter sich ließ.

Hinter den beiden Routiniers Tim Price (NZL) auf Vitali und Tim Lips (NED) auf Herby, setzte sich Sandra Auffarth mit ihrem zweiten Pferd, dem zwölfjährigen Franzosen Viamant de Matz v. Diamant de Semilly mit 27,1 Minuspunkten auf Platz sechs. Seine Dressur hat sich deutlich verbessert, immer noch fehlt manchmal die letzte Losgelassenheit, aber die Wahl wird nicht so einfach sein und die Konkurrenten werden Sandra Auffarth um zwei olympiafähige Pferde beneiden. Mit ihrem dritten Pferd Phantom of the Opera v. Quo Vados- Peking Opera xx (Holstein) wurde sie mit 31,4 Punkten auch noch 18.

Ein quasi anderes Pferd zeigte die Schwedin Louise Romeike auf dem früher von ihrem Mann gerittenen Holsteiner Cato v. Contendro-Heraldik xx (Holst.) Nie zuvor sah man den Schwarzbraunen so zufrieden, mit sicherer Anlehnung, da stimmte einfach die Chemie (27,7, Platz sieben.)

Auch Longlist-Reiter Andreas Dibowski zeigte sein Pferd deutlich verbessert zu früheren Auftritten. Die zwölfjährige Contendro I-Espri-Tocher Corrida ging konzentriert und ganz sicher, gute Voraussetzung für den morgigen Geländetag und eine Tokio-Nominierung. (29,8, Platz neun). Sophie Leube mit Jadore Moi (30,6, Platzt 16) und Anna Siemers mit Avondale (30,7, Platz 17) wahrten sich ihre Außenseiterchancen für das Tokio-Aufgebot.

Im Gelände wartet morgen ein echter Olympiatest auf Reiter und Pferde. „Es ist deutlich schwerer als im vergangenen Jahr“ sagt Hans Melzer, „mit zwei reellen Wasserstellen.“ Er erwartet, dass die Reiter auch schnell reiten und versuchen im Zeitlimit zu bleiben. „Mit einer sicheren langsamen Runde ist es hier nicht getan“. sagte er in Richtung seiner Olympiakandidaten.