Marbach: Der Berufsreiterchampion 2022 heißt Michael Jung

_C4X6019 Kopie

Michael Jung und Highlighter (© v. Korff)

Nach dem Geländetag beim CCI4* in Marbach stand fest, wer sich Platz eins und die Schärpe des Berufsreiterchampions gesichert hat. Michael Jung hat einmal mehr bei seinem Heimspiel brilliert.

Er kam, sah und siegte. Michael Jung hat beim CCI4*-S in Marbach mit Highlighter seine Führung aus Dressur und Springen auch am letzten Tag nicht abgegeben. Die beiden bekamen zwar 0,8 Zeitstrafpunkte im Gelände, in dem die Bestzeit von 6.30 Minuten wieder kaum zu knacken war, doch das gab der Puffer locker her, den Michael Jung zum Zweitplatzierten Andrew Hoy mit Vassily de Lassos hatte. Er setzte sich mit 26,5 Minuspunkten vor den australischen Altmeister, der auf 29,1 Minuspunkte kam. Hoy war der einzige Starter, der in der Zeit über die Ziellinie galoppierte, bei 6.26 Minuten stoppte die Uhr. So konnte er sein Dressurergebnis nach Hause bringen.

Für mich Michael Jung bedeutete das: Sieg im CCI4* und der erste Platz im Berufsreiterchampionat Vielseitigkeit – der mittlerweile achte (!) Titel in seiner Sammlung, dreimal wurde er Dritter, dreimal Zweiter. In nur drei Jahren stand er nicht auf dem Podium. 2005 gewann er zum ersten Mal, damals mit Miss Meller. Es folgten Titelsiege mit Sam (dreimal in Folge), Halunke, Lennox und Chipmunk. Und nun mit Highlighter. „Ich war selbst beeindruckt, dass Highlighter auch am Ende der Strecke noch so gut galoppierte“, erzählte Michael Jung. „Auch wenn wir zehn Sekunden mehr gebraucht hätten, wäre das für mich okay gewesen. Ich wollte nicht um jeden Preis gewinnen. Ich bin extra ohne Uhr geritten, weil ich wissen wollte, wie meine Pferde das hier gehen und bin nur so schnell geritten, wie sie es zugelassen haben.“

Auf Platz drei im CCI4* und Zweite im Berufsreiterchampionat wurde Pferdewirtschaftsmeisterin Sandra Auffarth mit dem neunjährigen, polnisch gezogenen Rosveel. In Summe hatten die beiden 31,9 Minuspunkte. Den Parcours hatten sie fehlerfrei absolviert, im Gelände gab es 5,2 Zeitstrafpunkte. „Rosveel war letztes Jahr schon hier in Marbach am Start, das war seine erste Vier Sterne-Prüfung und er war noch sehr jung. Da haben wir es noch locker angehen lassen“, so die Reiterin im Anschluss. „Dieses Jahr sollte er dann etwas mehr galoppieren, was er toll gemeistert hat.“

Hinter Auffarth folgte Pferdewirtschaftsmeister Dirk Schrade mit seinem EM-Pferd Casino auf Platz vier im CCI4* und Platz drei im Berufsreiterchampionat. Im Gelände kassierten die beiden sechs Zeitstrafpunkte und am Ende kamen sie auf 32,6 Minuspunkte insgesamt. Der zwölfjährige Holsteiner Schimmel, den Dirk Schrade vor knapp zwei Jahren von Peter Thomsen übernommen hat, hat dieses Wochenende konstant gute Leistungen gezeigt, Pferd und Reiter – ein harmonisches Team. „Es dauert einfach eine Zeit, bis man in der Vielseitigkeit zusammenwächst“, sagte Dirk Schrade. „Jetzt kennen wir uns, und Casino ist richtig gut geworden.“ Zeigt der Wegweiser in Richtung WM in Pratoni? „Natürlich mache ich mir Hoffnungen auf Pratoni und werde alles dransetzen, dass sie nicht an mir vorbeikommen.“ Nächste Station für das Paar soll Luhmühlen Mitte Juni sein.

Junge Garde

Platz fünf im CCI4* belegte Lara de Liedekerke-Meier auf Ducati d’Arville (34,3) vor dem Inder Fouaad Mirza mit Seigneur Medicott (34,9) und Felix Vogg (SUI) auf Cartania (35,5). Auf den Rängen acht bis elf behauptete sich eine Garde junger Talente: Jérôme Robine mit Black Ice (37,1), Anna Lena Schaaf mit Fairytale (37,9), Alina Dibowski auf Barbados (38,1) sowie Pia Münker auf Jard (38,1).

Insgesamt gingen 59 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die 3800 Meter lange Geländestrecke mit 34 Sprüngen. Drei stürzten (darunter auch Anna Siemer mit Mic-Mac), zwei schieden aus. Es gab nur wenige Verweigerungen. Die Sprünge waren mit viel Aufwand, Ideen und Engagement gestaltet, auf dem letzten Drittel der Strecke hatte Kursdesigner Rüdger Schwarz eine zu den Vorjahren etwas veränderte Linie ausgegeben. Andrew Hoy: „Ich bewundere den Rüdiger Schwarz sehr für diesen clever gestalteten Kurs. Viele meinten in den letzten Tagen, dass die Strecke zu einfach sei – aber das Gelände verleiht dem Cross Country in Marbach immer eine zusätzliche Schwierigkeit, die nie unterschätzt werden darf. Am Ende behielt Rüdiger Schwarz Recht – der Cross Country entschied über das Endergebnis.“

Alle Ergebnisse finden Sie hier.