Only the good die young – mach’s gut Cedy

Jörn-Warners-Blog-2019

Jörn Warner bloggt aus Großbritannien, wo er bei Vielseitigkeitsreiter Chris Burton trainiert. (© Petra Boschen)

Jörn Warner sammelt bei seinem Trainingsaufenthalt bei Christopher Burton viele Erfahrungen, er erlebt Höhen, aber auch Tiefen. Nun wurde er mit dem schlimmsten Tiefschlag konfrontiert, der einem Reiter widerfahren kann.

Normalerweise berichte ich von meinem Trainingsaufenthalt bei Christopher Burton in England und unseren Turniereinsätzen – aber manchmal passiert leider auch Unerwartetes. „Die Besten sterben immer zuerst”, singt Gitarrist Brian May und erinnert damit an den legendären Frontmann seiner Band Queen. Zwanzig Jahre nach Veröffentlichung dieses Titels zum Tode von Freddie Mercury hat der Song nun auch für mich eine emotionale Bedeutung:

Wir mussten leider unsere Nachwuchshoffnung Lord Fauntleroy einschläfern lassen. Er zog sich während seines wohlverdienten Sommerurlaubs einen irreparablen Bruch auf der Weide zu. Nach unserem Event in Saumur kam er kerngesund aus Frankreich mit uns nach England zurück. Der routinemäßige Vet-Check Zuhause nach einer langen Prüfung war unauffällig und er war schon einige Tage auf der Weide. Immer alleine, neben den beiden großen Jungs. Wir haben uns noch darüber gefreut, wie fit die Pferde sind und wie gut sie das alles weggesteckt haben.

Mit seinen gerademal sieben Jahren stand „Cedy“ noch ganz am Anfang seiner Reitpferdekarriere. In unserer ersten gemeinsamen Saison konnte er in England bei zwei Starts einmal den zweiten Platz (Burnham Market) und einen dritten Rang (Chatsworth) mit nach Hause bringen. Wir hätten nicht zufriedener mit seinen Leistungen sein können!

Lord Fauntleroy brachte alles mit, was ich mir von einem Vielseitigkeitspferd wünsche: Qualität, Vermögen, Einstellung. Aber auch eine gehörige Portion Persönlichkeit. Und die werden wir im Stall am meisten vermissen. Wenn er vehement seine Streicheleinheiten einforderte, sich in seiner Box zum Heufressen gemütlich hinlegte oder wenn er mal wieder seinen Futtereimer zum Kopfkissen zusammengefaltet hat und dann einfach mit seinem lässigen Blick um die Ecke schielte, nachdem Motto: „War was?“. Es ist schade um das Talent für den Sport, aber der Verlust dieses tollen Pferdes im Alltag ist nicht in Worte zu fassen. Unsere gemeinsame Zeit war einfach zu kurz! Deshalb möchte ich auch nicht, dass Cedy dort oben ruht! Ich möchte, dass er denen jeden Tag zeigt, was für grandiose Grundgangarten er hat, was für ein Springvermögen und wie einzigartig sein Charakter ist. Damit sie ihn genauso schätzen wie wir und vielleicht eine Idee davon bekommen, wie groß die Lücke ist, die er hier unten hinterlässt.

„Ich vermute wir werden es niemals verstehen, der Sinn deines Todes, ist es so geschehen wie es geplant war?“, heißt es am Ende des Liedes und so geht es uns auch. Die Frage nach dem Warum wird uns niemand beantworten können. Sicher ist nur, dass auf jeden Fall noch einige Tränen fließen, bis wir dieses Ereignis verarbeitet haben.

Cheers, Jörn

 


Pferdewirtschaftsmeister Jörn Warner ist mit seinen Pferden für sechs Monate nach England ausgewandert, um mit Olympiareiter und Burghley-Sieger Christopher Burton zu trainieren. In seinem Blog erzählt er aus seinem neuen Leben, von Turnierstarts im Mutterland der Vielseitigkeit, den besten Tipps eines internationalen Profis und britischen (Stall-) Gepflogenheiten.


 

 

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