Pony-EM Strzegom: Unschlagbare Briten in der Vielseitigkeit, glücklose Deutsche

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Sophia Rössel und Camillo beendeten die Pony-Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter als bestes deutsches Paar auf Rang sechs. (© Wegener/Equitaris www.equitaris.de)

Zwei deutsche Vielseitigkeitsreiterinnen bei den Pony-Europameisterschaften in Strzegom hatten noch eine Medaille in Reichweite. Doch das Abschlussspringen hatte es wahrlich in sich und würfelte das Endergebnis noch einmal gehörig durcheinander.

Von 31 Paaren, die zum Abschlussspringen der Vielseitigkeits-EM in Strzegom angetreten waren, kamen nur drei ohne Fehler ins Ziel. Die Briten waren bis zum Schluss sowohl in der Einzel- als auch in der Mannschaftswertung unschlagbar – wenngleich der Einzelsieg auch nicht an die Führende nach dem Gelände ging. Doch im Teamranking blieb alles wie gehabt: Großbritannien (101.8) vor Frankreich (120,1) und Irland (131,6).

Doppeleuropameister bei seiner ersten EM wurde der 15-jährige Finn Healy mit dem neunjährigen Connemara Pony Midnight Dancer, der im vergangenen Jahr noch unter Ellie Healy zum siegreichen britischen Team gehört hatte.

Deutschland belegte Rang sechs der sieben Mannschaften. Finn und Midnight Dancer hatten nach der Dressur noch auf Rang zehn gelegen. Dank einer fehlerfreien Geländerunde arbeiteten sie sich auf Rang sechs vor – direkt hinter den beiden besten deutschen Reiterinnen. Es gelang Finn, diese Lauerposition in eine Goldmedaille zu verwandeln. Zwar hatte er 0,4 Zeitfehler im Parcours, kam also auf 31,7 Minuspunkte in Summe. Doch das genügte locker, um den Rest des Feldes hinter sich zu lassen.

Silber ging ihrem letzten Pony-Jahr an Finns Teamkollegin Ibble Watson im Sattel der neunjährigen Stute Bookhamlodge Pennylane. Hier war es für beide, Reiterin und Pony, die erste Europameisterschaft. Nach der Dressur lagen die beiden mit 30,3 Minuspunkten auf Rang acht. Gestern lieferten sie eine stilistisch wunderbar anzuschauende Geländerunde, hatten aber zwei Zeitfehler. Das passierte ihnen heute im Parcours nicht. Sie kamen mit sauberer Weste ins Ziel und sprangen so aufs zweithöchste Treppchen.

Komplettiert wurde das Führungstrio durch die Italienerin Camilla Luciani auf Camelot Damgaard. Sie hatten sich schon nach dem gestrigen Gelände auf einen Medaillenplatz vorarbeiten können, ein Abwurf im Parcours änderte daran nichts. Camilla ist gerade 16 Jahre alt geworden, ritt also ebenfalls ihre letzte Ponysaison und hat es nun im dritten EM-Anlauf geschafft, eine Medaille mit heimzubringen.

Die Goldträume der Overnight-Leaderin nach dem Gelände, Daisy Bathe auf Detroit, zerplatzten, als zwei Stangen fielen. Mit dem Schicksal war die Britin nicht allein.

Die Ergebnisse der Deutschen

Nach dem Gelände hatten noch zwei deutsche Reiterinnen vor dem späteren Sieger gelegen: Nicoletta Massmann mit Majestro an vierter und Sophia Rössel auf Camelot WE an fünfter Stelle. Die 15-jährige Sophia Rössel, die am Bundesstützpunkt in Warendorf trainiert und in der Umgebung der „Pferdehauptstadt“ auf ein Internat geht, war mit ihrem Camillo WE nach der Dressur als Führende ins Gelände gegangen, kassierte hier einige Zeitstrafpunkte, war ansonsten aber gut unterwegs gewesen. Im Abschlussspringen fielen dann jedoch auch bei ihr zwei Stangen, so dass sie schlussendlich Sechste wurde. Das bedeutete das beste deutsche Ergebnis.

Nicoletta Massmann und Majestro mussten 20 Strafpunkte im Parcours hinnehmen. Damit fielen sie in der Endabrechnung auf Rang 18 zurück. Noch ärger traf es Josepha Fischer und Bell-a-Bon. Gestern waren die beiden noch „Pathfinder“ des deutschen Teams im Gelände gewesen und hatten als solche einen super Job gemacht, den sie ohne Hindernis-, lediglich mit einigen Zeitfehlern beendete. Aber im Parcours wollte es so gar nicht laufen. Das Ergebnis: 36 Strafpunkte, Platz 25.

Für die beiden weiteren Teamreiterinnen, Charlotte Schulze Zurmussen auf Pascal und Jette Lakeberg auf Nadeshi war das Turnier schon nach dem gestrigen Gelände beendet. Die Mannschaft belegte am Ende Platz sechs der sieben Mannschaften. Eine Enttäuschung?

Nein, ganz normal, erklärte Bundestrainer Fritz Lutter gegenüber der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Und etwas, aus dem man seine Lehren ziehen wird: „Wir haben mit unseren Pony-Vielseitigkeitsreitern in der Vergangenheit schon viele tolle Erfolge gefeiert, dazwischen gab es aber immer wieder mal Zeiten, in denen es nicht so lief. Das gehört einfach dazu. Wir wussten, dass es in diesem Jahr nicht ganz einfach werden würde, da im Vorfeld bereits zwei der erfahrenen Paare und vor Ort auch noch Maya Marie Fernandez und Kick ausgefallen sind. Aber alle Reiterinnen haben hier ihr Bestes gegeben und richtig gekämpft.“

ES fiele aber doch auf, dass allen „die Routine auf dem geforderten EM-Niveau“ noch fehle – im Gelände aber vor allem auch im Springen.“ Daraus hat Lutter nun folgenden Schluss gezogen: „Für uns heißt das, dass sich diejenigen, die Championatsambitionen haben, sich frühzeitiger solchen Anforderungen stellen müssen, sei es auf deutschen Turnieren, sei es durch Auslandsstarts. Sonst haben wir gegen die Dominanz der Briten, Iren und Franzosen, bei denen das regelmäßig gefordert wird, einfach keine Chance.“

Alle Ergebnisse der Vielseitigkeit finden Sie hier.

 

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