Strzegom: Hamiltons würdiger Abschied und Krajewskis Aufholjagd

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Julia Krajewski und Samourai du Thot in Strzegom (© Mariusz Chmieliński)

Einen schöneren Abschied für ihren langjährigen Erfolgspartner als dieses Wochenende in Strzegom hätte Josefa Sommer sich kaum wünschen können. Und auch für Julia Krajewski und Samourai du Thot nahm das Wochenende einen erfreulichen Ausgang.

Für Julia Krajewski war dieses Wochenende in Strzegom eine ziemliche Achterbahnfahrt. Nachdem sie nach der Dressur des CCI4*-L mit ihrem Deutschen Meister 2019, Samourai du Thot, die Führung übernommen hatte und mit Amande de B’Néville auch noch Dritte war, kam gestern im Gelände ein wenig die Ernüchterung. Mit „Sam“ handelte Krajewski sich elf Strafpunkte für das Auslösen einer MIM-Sicherung ein und fiel auf den dritten Platz zurück. Mit Amande de B’Néville hatte sie einen ärgerlichen Vorbeiläufer. Aber heute war ihr das Glück wieder hold.

Als Dritte vor dem abschließenden Springen waren Julia Krajewski und Sam immer noch in guter Position, und wie sich bei den vorangegangenen Ritten zeigte, war es nicht ganz einfach, im Parcours fehlerfrei zu bleiben. Aber genau das gelang Krajwski und ihrem 14-jährigen Selle Français-Wallach – als einem von nur vier Paaren. Zu denen nicht das Duo aus Österreich gehörte, das als Führende nach dem Gelände als letztes zum Abschlussspringen antrat: Lea Siegl mit dem Ostermond xx-Sohn Fighting Line. Mit einem Abwurf fielen sie auf den zweiten Platz zurück und Julia Krajewski zog mit Samourai du Thot an ihnen vorbei und siegte.

Zu den vier fehlerfreien Paaren im Parcours gehörten auch Michael Jung und die erst achtjährige Hannoveraner Stute Go for S v. Grey Top, die Jung erst vor wenigen Monaten von seiner Freundin Faye Füllgraebe übernommen hatte. Für die Schimmelstute war Strzegom der erste Start in einer Vier-Sterne-Langprüfung. Nach Dressur und Gelände lagen die beiden auf einem tollen sechsten Platz. Dank ihrer Null-Runde im Parcours arbeiteten sie sich zu guter Letzt sogar auf Rang drei vor.

Auch die Plätze vier und fünf gingen nach Deutschland. Beeke Jankowski und der Trakehner Tiberius gingen als Achtplatzierte in den Parcours hinein. Nach fehlerfreiem Springen rückten sie auf Rang vier vor. Damit verdrängten sie Emma Brüssau und Dark Desire GS v. Don Frederico vom vierten auf den fünften Rang. Die beiden hatten einen Abwurf sowie 0,8 Zeitfehler im Parcours.

Bundestrainer Hans Melzer kommentierte gegenüber der Deutschen Reiterlichen Vereinigung: „Für Julia hat es sich gelohnt, auf die Deutsche Meisterschaft zu verzichten. Mit der Leistung jetzt hat sie nun Samorai du Thot die formale Qualifikation für eine Championatsteilnahme im kommenden Jahr. Auch für Emma Brüssau war die Entscheidung richtig, sich jetzt schon in Richtung ‚Senioren‘ zu orientieren, nachdem die Europameisterschaften für die Jungen Reiter ausgefallen sind. Sie hat gezeigt, dass der Übergang kein Problem sein dürfte.“

Hamiltons Abschied

Dieses Wochenende in Strzegom war für Josefa Sommer sicherlich kein einfaches. Denn es sollte das letzte Mal sein, dass sie ihren nun 18-jährigen Heraldik xx-Sohn Hamilton mitnimmt. Ihm hat sie alles zu verdanken – erste Championatseinsätze, Ehrenrunden beim CHIO Aachen usw. Doch nun soll Schluss sein mit Turnieren für „Hannes“, den Josefas Vater selbst gezogen hat. Er soll seine Rente bekommen auf Gut Waitzrodt, wo er sein ganzes Leben verbracht hat. Nur noch eine letzte Prüfung sollte er gehen. Und wie man es von ihm gewohnt ist, gab er einmal mehr sein Bestes.

Und das Beste an Hamilton ist zweifelsohne seine Zuverlässigkeit im Gelände. Nach Dressur und Springen im CCI4*-S lagen er und Josefa Sommer noch an 15. Stelle. Doch dank der drittbesten Geländeleistung arbeiteten sie sich auf Rang sechs vor und waren damit in der Endabrechnung bestes deutsches Paar. Mach’s gut, Henry! Du wirst allen fehlen!

Der Sieg in der Prüfung ging an die Britin Phoebe Locke auf Pica d’Or, gefolgt von der Schwedin Katrin Norling auf Fernando-Ukato und Finnlands Elmo Yankari auf Soraya.

Dirk Schrade, der nach Dressur und Springen mit Casino in Führung und mit Catelan auf Rang acht gelegen hatte, zog beide Pferde vor dem Gelände zurück.

Weitere Ergebnisse

Im CCI3*-S gab es ebenfalls einen Wachwechsel an der Spitze nach dem heutigen Gelände. Michael Jung und der Ire Kilcandra Ocean Power waren als Führende auf die Strecke gegangen. Aber für den erst siebenjährigen Fuchs war dies die erste Drei-Sterne-Prüfung, und so ließ Jung es ruhig angehen und kam mit 12 Strafpunkten für Zeitüberschreitung ins Ziel. Damit fielen sie auf Rang fünf zurück.

Sieger wurde der 26-jährige Niederländer Jordy Wilken im Sattel eines alten Bekannten, des Hannoveraners Wilbert Bo, den man bislang unter Pauline Knorr kannte, die ihn auch dieses Jahr noch auf Turnieren vorgestellt hat. Strzegom war das dritte Turnier und die dritte Platzierung für die beiden. Beziehungsweise in diesem Fall sogar ein Sieg.

Robert Pokorny und Quantos Mer hielten auf Rang zwei die tschechische Fahne hoch. Dahinter folgte Rebecca-Juana Gerken mit Curley Boy vor Aline Stahn auf Callas.

Ponyprüfung an Jule Krüger

Als Deutsche Meisterin war Jule Krüger nach Strzegom gereist. Mit einem Sieg in der internationalen Zwei-Sterne-Pony-Prüfung fuhr sie wieder nach Hause. Im Sattel ihres Golden Grove Simon beendete sie den CCIOP2*-L mit 29 Minuspunkten.

In der Mannschaftswertung siegten die Niederländer, gefolgt von Dänemark und Deutschland. Neben Jule Krüger waren Pita Schmid auf Sietlands Catrina (Rang 12), Emilia Vogel mit Tina (Rang 15) und Carlotta Müller im Sattel von SF Magic Mike (ausgeschieden im Gelände) für Deutschland im Einsatz.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.