Vielseitigkeit WEG Tryon: Ingrid Klimke führt nach dem Gelände, Team abgeschlagen

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Typisch Bobby: Ohren gespitzt und immer den nächsten Sprung anvisieren – Motivation pur! (© Pauline von Hardenberg)

Mit einer sicheren schnellen und stilistisch vorbildlichen Runde hat Ingrid Klimke auf dem 14-jährigen Hale Bob die Führung in der Vielseitigkeitsweltmeisterschaft übernommen. Das deutsche Team hingegen ist derzeit nicht auf Medaillenkurs. Wegen des Sturms wird bei den Buschis der Zeitplan verschoben.

Ingrid Klimke blieb mit dem 14-jährigen Oldenburger auf die Hundertstelsekunde genau im Zeitlimit von zehn Minuten und liegt nun mit ihrem Dressurergebnis von 23,30 Minuspunkten an der Spitze. Es folgt die britische Mannschaftsreiterin Rosalind Canter auf Allstar B (24,60) und die Irin Sarah Ennis auf Stellor Rebound (26.30). Nicht optimal lief es für die anderen deutschen Reiter. Andreas Dibowski mit Corrida ist 39., Kai Rüder mit  Colani Sunrise 45., Julia Krajewski mit  Chipmunk 47. Krajewski erwischte es besonders bitter. Sie führte nach der Dressur. An Sprung 14, einer Kombination aus mehreren schmalen grauen Elementen, kam der Contendro-Sohn nicht dicht genug an den Sprung und lief vorbei. Einzelreiterin Sandra Auffarth gab mit dem erst neunjährigen Viamant de Matz nach Hindernis zehn nach zwei Verweigerungen auf.

Bundestrainer Hans Melzer wollte keinem seiner Reiter einen Vorwurf machen. „Von Kai hätte ich natürlich eine etwas schnellere Runde erwartet, aber am Ende des Berges ging nichts mehr.“ Die letzte Phase der Strecke bestand aus einem langegezogenen Berg, der bei vielen Pferden an den Kräften zehrte. „Dibo hat seinen Job gemacht, aber auch da hat der Berg gezogen“, sagte Melzer. Beide Reiter kamen ohne Hindernisfehler durch den 5700 Meter langen Cross, blieben aber 33 (Dibowski) bzw. 43 (Rüder) Sekunden über der Zeit. Julia Krajewskis Vorbeiläufer an einer Ecke kommentierte der Bundestrainer so: „Das war sehr schade“, sagte Melzer. „Das Pferd war fit, alles fing gut an, aber da kam sie einmal nicht durch mit den Hilfen.“

Vor allem freute er sich natürlich über Ingrid Klimkes Leistung. Sie startete als letzte deutsche Reiterin. „Ich hab’ ihr gesagt, jetzt musst Du für Dich reiten“ so Melzer,  „Schadensbegrenzung gibt es nicht mehr, nutz Deine Chance. Das hat sie gemacht. Wir haben gute Springpferde, deswegen wäre es für uns besser, wenn das Springen eher schwer wird.“

Klimke war natürlich überglücklich nach ihrem Ritt. „Bobby war wirklich fit, als es zum Ende der Strecke noch steil nach oben ging, hatte er oben den  zweiten Atem und galoppierte ins Ziel. Meine Teamkameraden haben mir sehr geholfen! Julia hatte an Hindernis 14 vier Galoppsprünge genommen, Andreas hat fünf geritten. Da wusste ich, wie ich reiten würde.“

Wir haben einen tollen Teamgeist.

Jetzt ist ihr Blick auf das Springen gerichtet: „Besonderen Druck spüre ich nicht. Durch den Sturm haben wir jetzt also noch einen Tag mehr, an dem sich die Pferde erholen können. Bobby war so fit, den musste ich im Ziel noch bremsen, um in Ruhe austraben zu können.“

Kritik übte sie hingegen am Ablauf des Geländetages: „Die Organisation für die Pfleger hat nicht funktioniert. Es war klar, dass jeder Groom einen eigenen Shuttle hat. Der Plan war, dass diese Shuttle die Pfleger dann von der Startbox ins Ziel bringen, damit sie dort die Pferde in Empfang nehmen können. Es war aber keiner da, so dass Carmen mit ihrem Rucksack den Berg hochrennen musste.“

 


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Das deutsche Team liegt zur Zeit mit 114,20 Punkten auf Rang sechs, das würde gerade noch für das Minimalziel, die Olympiaqualifikation reichen, ist aber weit von den Medaillenrängen entfernt.

Wir sind schon sehr enttäuscht. Wir haben uns hier wirklich was vorgenommen.

Bundestrainer Hans Melzer

In Führung liegen die Briten (80,80) vor den Iren (89,00) und den Franzosen (91,80).

Am Ende des Tages konnte Kursdesigner Mark Phillips stolz auf seinen Kurs sein. Kein Pferd stürzte, lediglich ein brasilianisches Pferd trat in einen  breiten Graben, konnte aber seitlich wieder herausklettern. Sechs Reiter verließen den Sattel, konnten aber alle auf eigenen Beinen den Platz verlassen. Zehn  Reiter, mehr als gedacht, blieben in der Bestzeit. Am morgigen Sonntag findet die Verfassungsprüfung statt, das Springen ist aus Sorge vor Starkregen und Überschwemmungen auf Montag verlegt.

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  1. Horst Müller

    Die Verweigerung von Julia Krajewski`s Pferd Chipmunk sehen der Equipe Chef Prof. Dr. Adolphsen und der Leitende Bundestrainer Melzer unterschiedlich.
    Im Interview bei reitturniere.de sagt der Equipe Chef, „der Vorbeiläufer war klar ihr Fehler“, wobei hier der Bundestrainer kommentiert „da kam sie einmal nicht durch mit den Hilfen.“

    Mag es gewesen sein wie es will, es bleibt immer wieder festzustellen, dass ein Christopher Bartle in Deutschland fehlt, der zum einen beim Abgehen solche Fehler ausschließen könnte und zum anderen eine exakte Analyse trifft, die vor weiteren Fehlern schützen kann.

    Da kann sich der Rest der Verantwortlichen vornehmen, was sie wollen.
    Gut, dass Ingrid Klimke von Christopher Bartle in den Vorjahren soviel „mitnehmen“ konnte, um ihre Spitzenleistung mit ihrem Hale-Bob in Tryon zu zeigen.

  2. Anja Sieg

    Was ist eigentlich aus Andrew Nicholson geworden? Sollte der den Deutschen nicht im Gelände Hilfestellung leisten?
    Vielleicht könnte die Redaktion da mal in Warendorf hinterfragen…

    • Rainer

      Das ist ein Trauerspiel! Im deutschen Lager hielt man es nicht für erforderlich auf die Dienste eines Andrew Nicholson zu bauen. Er war ja schon in der gesamten Saison nicht mehr „da“- dafür hat er jetzt in Tryon dem italienischen Team und speziell seinem Freund Stefano Brecciaroli unterstützt, der ja auch ein Pferd ritt, dass Andrew in den Sport gebracht hat.

    • Rainer Leymann

      Das ist ein Trauerspiel! Im deutschen Lager hielt man es nicht für erforderlich auf die Dienste eines Andrew Nicholson zu bauen. Er war ja schon in der gesamten Saison nicht mehr „da“- dafür hat er jetzt in Tryon dem italienischen Team und speziell seinem Freund Stefano Brecciaroli unterstützt, der ja auch ein Pferd ritt, dass Andrew in den Sport gebracht hat.


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