WM junge Vielseitigkeitspferde Lion d’Angers: guter Start für deutsche Teilnehmer

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Weltmeisterschaft junger Vielseitigkeitspferde 2021 in le Lion d'Angers (© mondialdulion.com)

Guter Start für die Teilnehmer aus Deutschland bei der Weltmeister junge Vielseitigkeitspferde im französischen le Lion d’Angers. In beiden Alterklassen liegen deutsche Pferde in Führung. Julia Krajewski spricht von einem imposanten Kurs für die Sechsjährigen.

Alljährlich im Herbst treffen sich die jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion-d’Angers. „Mondial du Lion“, die Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde hat schon manch einen späteren Medaillenträger erlebt. Zu dem liebevoll gestalteten Kurs in Le Lion-d’Angers im Nordwesten Frankreichs zwischen Nantes und Tours gehört es auch, dass das Herbstwetter mitunter die jungen Vielseitigkeitspferde vor einige klimabedingte Anforderungen stellt. Auch in diesem Jahr hat es geregnet, die Prognose zum Wochenende stimmt aber was den Regen anbelangt hoffnungsfroh.

Besonders gut sieht es aus deutscher Sicht bei den Sechsjährigen aus. Bereits nach dem ersten Dressurtag und 22 von 45 teilnehmenden Paaren hatte Anna Lena Schaaf mit der OS-Stute Lagona v. Lavagon in Führung gelegen (25,8). Julia Krajewski und der Hannoveraner Chintonic v. Contendro waren Dritte (27,9). Das änderte sich nur wenig. Lediglich der Franzose Nicolas Touzaint setzte sich am zweiten Tag noch vor Krajewski.

Overnight Leader Anna Lena Schaaf

So geht Anna Lena Schaaf am Samstag als Führende ins Gelände. Der Franzose Thomas Carlile liegt mit Fair Lady des Broucks v. Upsilon an zweiter Stelle (26,5). Vater Upsilon v. Canturo-Fusain du Defey AA war mit Carlile selbst einmal Zweiter bei der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde. Dritter ist das französische Doppel Nicolas Touzaint mit Fibonacci de Lessac v. Carinjo (26,8).


Mit besonderem genetischen Hintergrund

Julia Krajewski hat zwei in mehrerer Hinsicht interessante junge Vielseitigkeitspferde mitgebracht: Chintonic ist der jüngere Bruder von Chipmunk, dem Olympiapferd von Michael Jung, das Julia in den Spitzensport gebracht hat. Der Hannoveraner v. Contendro-Heraldik xx, dessen Mutter Hannoveraner Stute des Jahres 2019 war, ist als Finalist des Bundeschampionats nach Frankreich gereist.

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Der Zangersheider Schimmel Great Twist d’Ive Z hat den Klon des Vollblüters Gem Twist, Gemini Cl xx zum Vater. Gem Twist hat unter dem US-Amerikaner Greg Best zwei olympische Silbermedaillen gewonnen bei den Spielen in Seoul 1988. 1997 wurde der Wallach, der unter drei Reitern internationale Top-Springen gewonnen hat, im Madison Square Garden in New York aus dem Sport verabschiedet. 2006 starb er im Alter von 27 Jahren. 2008 kam sein Klon Gemini zur Welt.


Julia Krajewskis besagtes zweites Pferd Great Twist d’Ive Z hatte deutliche Probleme mit der Atmosphäre im Dressurviereck. Mehrfach hielt er an der kurzen Seite bei A an, stieg oder sprang zur Seite. Meisterlich bewahrte Julia Krajewski trotz der offensichtlichen Spannung die Ruhe. Sie klopfte den Schimmel, schaffte es, dass er sogar im Galopp einmal abschnaubte. Mehr als 35,8 Minuspunkte (Platz 30) waren aber nicht drin.

Julia Krajewski: „technisch anspruchsvolle Abfragen“

Die Olympiasiegerin ist die Geländestrecke bereits mehrfach abgegangen. Nach dem ersten Dressurtag schilderte sie gegenüber St.GEORG ihre Eindrücke von der Strecke: „Es ist ein richtiger Championatskurs, nur halt in der Höhe passend für Sechsjährige. Einige anspruchsvolle Kombinationen, auch schon zu Beginn: Direkt das erste Wasser mit einem schmalen Element und  dann Sprung 10 a, b, c mit zwei Häusern und einer Ecke, dann leicht bergab und das letzte Wasser auch wirklich anspruchsvoll im Aussprung über eine schräge Ecke leicht bergan und nochmal nach acht Minuten eine offene Hecke – also es sind einige technisch anspruchsvolle Abfragen drin, die die jungen Pferde so natürlich wahrscheinlich noch nicht gesehen haben werden, weil man als sechsjähriges Pferd noch nicht so viel von der Welt gesehen hat. Aber ganz klare Distanzen und unheimlich schön gemacht das Gelände, dadurch optisch imposant für die jungen Pferde.“

Das Fazit der Olympiasiegerin vor der Geländestrecke, dem Herzstück der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde: „Das wird interessant, es ist ein bisschen schwer vorherzusagen, ob es jetzt meinen Pferden liegt oder nicht. Bislang haben die nichts verkehrt gemacht, aber bis jetzt haben die so etwas auch einfach noch nicht gesehen. Länge ist 8:44 Minuten, heißt auf der einen Seite, dass man viel Zeit hat zu galoppieren, auf der anderen Seite natürlich konditionell anspruchsvoll.“

HIER FINDEN SIE DIE STRECKENPLÄNE FÜR DIE SECHS- UND DIE SIEBENJÄHRIGEN VIELSEITIGKEITSPFERDE.

Die Zwischenergebnisse der Sechsjährigen finden Sie hier.

Britische Übermacht bei den Siebenjährigen

Ziemlich fest in britischer Hand sind die ersten Plätze im Klassement der siebenjährigen jungen Vielseitigkeitspferde. Zehn Kombinationen aus dem Mutterland des Eventings sind auf den ersten 15 Plätzen rangiert. Nur die Pole Position nimmt ein Australier ein, Kevin McNab. Und der lebt und trainiert auch in Großbritannien. Der Mannschaftssilbermedaillengewinner von Tokio ritt die Holsteiner Stute Cute Girl v. Coventry aus dem altehrwürdigen Holsteiner Stamm 308. Die Casall-Enkelin, ein Schimmel wie ihre Mutter v. Clearway-Levisto, ging eine gehorsame Runde und kam auf 26,9 Minuspunkte.

Damit setzte sich der Schimmelreiter vor Mannschaftsolympiasiegerin Laura Collett mit der Trakehner Halbblutstute Outback v. Duke of Hearts xx-Sixtus (27,2). Waren sich die Richter hier recht einig in der Beurteilung, gab es für den Overnightleader die Platzziffern 1, 5 und 7. Wobei das Feld sehr eng zusammenliegt. Der Brite Hayden Robert Hankey ist mit dem Iren Heads Up v. Quality Dritter (27,4). Selina Milnes (GBR) und der ebenfalls in Irland gezogene Cooley Snapchat v. Kannan sind Fünfte (27,5).

Deutsche Kombinationen auf den Rängen sieben und zehn

Bestes deutsches Paar nach der Dressur sind Josefine Schnaufer-Völkel  und der westfälische Wallach Cinnamon Red v. Cascadello-Cordina. Sie erhielten 28,5 „Miese“ – das ist Platz sieben und gerade einmal 1,6 Punkte weniger als der führende Kevin McNab. EM-Reiterin Anna Siemer ist Zehnte. Die beim Springpferdezuchtverband Oldenburg International (OS) registrierte Lillybelle EA v. Diarado-Lissabon geht mit 29,5 Minuspunkten in den morgigen Cross in Lion d’Angers.

31,3 Punkte haben Felix Etzel und der Trakehner Promising Pete bei ihrer zweiten Teilnahme an der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde im Viereck gesammelt. Das ist Platz 16 der 58 Starter. Die von dem Angloaraber Icare d’Olympe abstammende Hannoveraner Stute Italia (Mutter v. Der Dürer, den Michael Jung früher geritten hat) rangiert unter Liv Elin Gunzenhäuser an Position 37 (34,9). Eine verspannte Schritttour des Rheinländers Just Jacques v. Black Jack bedeuteten ein Dressurergebnis für Caro Hoffrichter von 36,8 (45.)

Die Zwischenergebnisse der Siebenjährigen finden Sie hier.