Vier Reiter – vier Weltregionen

Wer wird Weltmeister? Die Finalisten im Porträt.

Der Kanadier Eric Lamaze (42) auf Hickstead führt nach drei Wertungen mit insgesamt fünf Parcours die Wertung an. Bei Europameisterschaften wäre er jetzt schon Champion. Und falls beim Finale mit Pferdewechsel heute abend zwei oder mehr Reiter mit gleicher Punktzahl vorne liegen, wird nicht mehr gestochen wie in Aachen 2006, sondern Lamaze wäre Weltmeister. Mit dem 14-jährigen KWPN-Hengst Hickstead wurde Lamaze Olympiasieger 2008 und gewann in Aachen in diesem Sommer den Großen Preis. Während des Umlaufs brach er sich einen Fuß, der gerade einigermaßen geheilt ist. Das Laufen im Sand sei aber immer noch mühsamer als das Reiten, gab er zu. Er hat bisher an allen Weltreiterspielen seit 1994 teilgenommen. Zweimal wurde er wegen Drogenproblemen gesperrt, die Sperre wurde jeweils aber wenigen Monaten wieder aufgehoben.

Der Belgier Philippe Le Jeune (50) ist springsportliches Urgestein. Mit sieben Jahren begann er zu reiten, schon mit 15 Jahren, nach den ersten Erfolgen als Junior, beschloss er, Profi zu werden, arbeitete dann in verschiedenen Ställen, unter anderem bei Eric Wauters, Nelson Pessoa und Francois Mathy. Zur Zeit hat er 15 Pferde im Training, und betreibt eine kleine Zucht und Hengststation in Lennik, wo er mit seinen zwei Söhnen und Partnerin Eve Giron lebt. Bevor er das Finale in Kentucky erreichte, errang er bereits mit der Mannschaft Bronze.Der zwölfjährige Fuchshengst Vigo DArsouilles ist ein Sohn von Nabab de Reve, mit dem Lejeune 1992 zum Bronzeteam der Weltreiterspiele in Jerez gehörte.

Der Brasilianer Rodrigo Pessoa (37) wuchs quasi in den Parcours dieser Welt auf, sein Vater Nelson Pessoa war einer der Springsportstars in den 50er- bis in die 80-er Jahre. Rodrigo nahm bereits als 17-Jähriger an den Weltreiterspielen in Stockholm teil, 1998 wurde er Weltmeister, dreimal in Folge gewann er das Weltcupfinale auf dem französischen Hengst Baloubet du Rouet. Sein WM-Pferd von Kentucky, der zehnjährige Hengst Robozo v. Tlalloc la Silla-Ramiro hat er erst im Frühjahr von der US-Amazone Candice King übernommen. Dessen Vater wurde unter dem Namen Dollar de la Pierre unter dem Franzosen Eric Navet Zweiter der WM 2002 in Jerez. Auf die Frage, was sich seit 1998, dem Jahr des ersten Titelgewinns geändert hatte, anwortete Pessoa: Ein paar Kilo mehr, ein Kind, eine Scheidung…Und eine Wiederheirat. Ein neues Pessoakind ist im Anmarsch, Alexa Pessoa hielt in Kentucky ihrem Mann die Daumen.

Der Saudiaraber Abdullah Al Sharbatly (28) ist die große Unbekannte unter den Finalisten. Es ist sein größter persönlicher Erfolg, hier unter die letzten vier zu kommen. Gleichwohl fühlte er sich mit seinen Konkurrenten auf Augenhöhe und sprach seinen Freunden und Brüdern. Ob das Verwandtschaftsgefühl erwidert wurde, war den Mienen nicht zu entnehmen. Abdullah, der früh seinen Vater verlor, entstammt einer saudischen Industriellenfamilie, begann mit sieben Jahren das Reiten und nahm mit 15 Jahren an den Panamerikanischen Spielen teil. Zurzeit verbringt er die Hälfte des Jahres in Saudi-Arabien, die andere in Europa, das will er ändern und künftig als Profi ganz nach Europa ziehen. Er trainiert in Belgien mit dem früheren Springreiter Stany van Paeschen. Sein Pferd, die elfjährige Emilion-Alme Star-Tochter  Saldana di Campalto hat er erst seit zwei Monaten, es wurde bei der EM 2009 in Windsor von dem Italiener Natale Giaudani geritten und soll fünf Millionen Euro gekostet haben. Abdullah al Sharbatly hat das Pferd vor Kentucky erst auf zwei Turnieren, in Madrid und in Gijon geritten.