VR Classics Neumünster: Werth hat die Nase vorn

Energiegeladen: El Santo unter Isabell Werth

(© v. Hardenberg)

Isabell Wert hat den Grand Prix der Dressurweltcup-Etappe bei den VR Classics mit El Santo souverän für sich entschieden. Auch Helen Langehanenberg überzeugte. Viele Reiter blieben jedoch unter 70 Prozent.

Schon beim Einritt in die Holstenhallen war El Santo Ernie sichtlich energiegeladen, Isabell Werth hatte alle Hände voll zu tun im Sattel des elfjährigen Rheinländer Wallachs v. Ehrentusch. Doch sie freute sich: „Ernie war heute kernig und dementsprechend konnte ich angreifen.“ 77,213 Prozent erhielt das Paar für seine Vorstellung, die besonders in den Verstärkungen und den Traversalen, die zeitweise bei 83 Prozent lagen, überzeugte. Schon bei der Grußaufstellung sammelten Isabell Werth und Ernie die ersten zwei Neuner-Noten. Weitere gab es für die Trab- und Galopptraversalen, den starken Trab und Galopp, die Linkspirouette und bei den Schlussnoten für den Schwung sowie für Sitz und Einwirkung der Reiterin. Im starken Schritt zeigte sich Ernie gelassen und trat weit unter den Schwerpunkt. Für die Piaffen gab es Noten zwischen fünf und sieben, in der Schlusspiaffe blieb Ernie hinten kurz stehen. Die Reiterin war trotzdem zufrieden und lobte den Wallach. „Die Piaffen waren noch nicht zum Hurra schreien, aber verbessert. Die Passage ist kerniger und abfussender geworden, daher denke ich, dass die Piaffen noch besser werden, wenn er noch mehr Kraft bekommt“, erklärte Werth nach ihrem Ritt. Für die Kür morgen kündigte sie Musik von David Bowie an.

Platz zwei mit 75,830 Prozent ging an die Publikumslieblinge:Helen Langehanenberg mit Damon Hill. Das sympathische Paar lieferte eine überzeugende Runde ab. Im starken Trab erweiterte Damon Hill deutlich seinen Rahmen, erhielt durchweg die acht und eine neun dafür. Die Serienwechsel sprang der zwölfjährige Donnerhall-Sohn sauber und gerade. Die Piaffen waren gesetzt (Noten zwischen 7 und 8,5), die Passagen waren dynamisch und ausdrucksstark. Für die erste und vorletzte Passage-Tour bekam das Paar jeweils zwei Neunen. Doch auf der Schlusslinie passierte es dann: Anstatt bei x zu piaffieren, blieb Damon Hill stehen. Ein Raunen ging durch das Publikum. In der letzten Passage widersetzte sich der Hengst. Da kostete Punkte trotzdem brandete begeisterter Applaus auf. „Er hatte wohl die falsche Aufgabe im Kopf gehabt“, so der Kommentator. Schon im vergangenen Jahr hatte das Paar in der gleichen Prüfung auf der Schlusslinie Probleme in der Piaffe, damals drückte der Hengst nach vorne weg. Doch der Patzer schmälerte die Freude über das tolle Ergebnis nur wenig: „Ich bin super begeistert – zu 98 Prozent“, erklärte Helen Langehanenberg. „Ich habe mich auf der letzten Mittellinie zu sicher gefühlt, außerdem war die Passage ein wenig zu groß geraten.“

Platz drei ging an einen Newcomer, der bis dato wohl eher nur Insidern aufgefallen war: Der zehnjährige Württemberger Wallach De Vito v. De Niro unter der Dänin Lone Jörgensen. 71,021 Prozent standen auf der Anzeigetafel. Die Stärken des Paares lagen im starken Trab, den Passagen und in den Serienwechseln. In den Piaffen schwankte De Vito, in den Pirouetten kam er etwas tief und machte sich eng in der Ganasche. Lone Jörgensen sagte nach ihrem Ritt: „Ich bin überglücklich. Wir haben De Vito als Fohlen gekauft und haben ihn erst fünfjährig angefangen zu reiten. Er geht erst seit August, September auf diesem Niveau.“

Dorothee Schneider landete mit der zehnjährigen Hannoveraner Stute Diva Royal, mit der sie 2011 die Grand Prix-Serie für Nachwuchspferde für sich entschieden hatte, auf Platz vier. Die Don Frederico-Tochter absolvierte die Lektionen souverän, kreuzte in den Traversalen deutlich, passagierte und piaffierte gleichmäßig und fußte im starken Schritt deutlich unter den Schwerpunkt. Jedoch misslangen die fliegenden Galoppwechsel, die Stute verhaspelte sich sowohl am Schluss der Einer- als auch der Zweierwechsel. 70,426 Prozent gab es für Diva Royal und ihre fein einwirkende Reiterin.
Uta Gräf belegte mit dem zwölfjährigen Holsteiner Hengst Le Noir Rang fünf (70,170 Prozent) vor der Norwegerin Cahrine Rasmussen, die im Sattel von Fernandez saß. Der zwölfjährige westfälische Florestan-Sohn wurde von der Britin Charlotte Dujardin, die mit Valegro bei der Europameisterschaft in Rotterdam 2011 begeisterte,  ausgebildet und im vergangenen Herbst an Rasmussen verkauft.

Das Starterfeld der Weltcup-Qualifikationsprüfung war durchwachsen. Von 18 Reitern bekamen nur die ersten fünf Bewertungen über 70 Prozent. Morgen gehen die Reiter bei der Weltcup-Kür an den Start. Dann steht der Sieger der achten Weltcup-Etappe fest. Beginn ist um 9.55 Uhr.

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