WM Fahren: Vandalen demolieren Chardons Kutsche

Ijsbrand Chardon

(© Julia Rau)

Aufgeschnittene Polster, die Kutsche ölverschmiert- so fand der niederländische Vierspännerfavorit sein Gefährt am Morgen der Marathonfahrt vor. Er gewann trotzdem.

Helle Aufregung gab es im Lager der Vierspännerfahrer vor der Marathonfahrt. Als der Niederländer Ijsbrand Chardon vormittags seine Kutsche hervorholte, um für die Geländefahrt anzuspannen, traf ihn fast der Schlag: Polster waren aufgeschlitzt, das Öl aus dem Bremssystem über der Kutsche verschmiert. Irgendwann zwischen Freitag abend 19.00 Uhr Samstag Mittag hatte sich jemand an dem Gefährt zu schaffen gemacht und den Schaden angerichtet. Sofort wurde die Polizei eingeschaltet, die jedoch bis zum späten Nachmittag des Samstags noch keine plausible Erklärung für den Vorgang hatte, geschweige denn Hinweise auf einen oder mehrer Täter.

Für Chardon war es zunächst wichtiger, die Kutsche für die Geländefahrt zu reparieren, die Zeit wurde knapp. Eine fremde Kutsche kam für ihn nicht in Frage, Jeder Fahrer möchte seine eigene Ausrüstung, die auf sein Gespann abgestimmt ist, benutzen, sagt der amtierende Weltmeister. So wurden die Polster eiligst mit Klebestreifen notdürftig geklebt, ein Kutschenbauer reparierte das Bremssystem. Dennoch bin ich mit einem mulmigen Gefühl in das erste Hindernis gefahren, erzählt Chardon. Als ich merkte, dass alles funktioniert, war meine Befangenheit verschwunden.

Einen Sabotageakt eines Mitkonkurrenten schließt Chardon aus, eher glaubt er an Vandalismus oder einen Dummejungenstreich. Er glaubt sogar, dass jeder seiner Fahrerkollegen ihm eine Kutsche zur Verfügung gestellt hätte, wenn es denn hätte sein müssen.

Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, will vor allem Videos auswerten. Einhundert Videokameras sind auf dem Gelände des Kentucky Horse Park installiert. Der Bereich, in dem die Kutschen untergebracht sind, befindet sich  neben dem Parkplatz der LKW, nur 50 Meter von den Pferdeställen entfernt. Verständlich, dass Chardons Ehefrau in allergrößter Sorge um die Pferde war, als ihr Sohn die demolierte Kutsche unter der Plane entdeckt hatte.

Aufgrund der Ermittlungen und Reparaturen lief die Zeit davon, Chardon bat, als Letzter starten zu dürfen, um sein Gespann entsprechend aufwärmen zu können. Dieser Wunsch wurde von allen respektiert, nur die Groundjury stellte sich zunächst quer. Eine eilige Befragung der Organisatoren und aller Equipechefs ergab keinen Widerspruch. Die Groundjury gab erst nach längerem Überlegen ihre Zustimmung, Chardon durfte als letzter Starter ins Gelände, kam, fuhr und siegte.

Christine Meyer zu Hartum