Auftakt zu den Springpferde-Bundeschampionaten 2020 mit Licht und Schatten

Anmerkung 2020-08-27 220929

Auch auf dem Springplatz startete heute das etwas andere Bundeschampionat 2020 mit den ersten Qualifikationen und damit auch den ersten Siegern namens Cashmere, Damaskus, Charmante, Zineday und Constantin.

Zum ersten Mal wird es in Warendorf einen Bundeschampion der siebenjährigen Springpferde geben, als Nachfolge des Warendorfer Youngster Championats. Die Entscheidung dafür fiel nach dem Championat 2019, neben etlichen anderen Neuerungen sollte dieser Wettbewerb das Bundeschampionat attraktiver machen. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, ist in diesem Jahr noch nicht zu beurteilen. Nur 25 Nennungen waren eingegangen, allerdings gingen die genannten Pferde auch alle an den Start in der ersten Springprüfung der Kl.S, Einige von ihnen unter Spitzenreitern.

Überzeugender Sieger war Constantin unter Christian Kukuk. Ohne Strafpunkte, in 56,63 Sekunden absolvierte der westfälische Fuchswallach von Colestus – Quidam de Revel (Züchter Silke Sulz, Bes. Ludger Beerbaum Stables GmbH) den durchaus anspruchsvollen Parcours und setzte sich damit deutlich ab von dem Zweitplatzierten Catch me unter Felix Haßmann, der nach 62,12 Sekunden ins Ziel kam. Catch me hat die Schimmelfarbe von seinem Vater Cellestial, Muttervater ist Balou du Rouet. Züchter und Besitzer des Deutschen Sportpferdes Catch me ist Reinhard Haßmann. Auch der Drittplatzierte, der Wallach Melaro von Messenger – Calvaro Z wurde von einem Nationenpreisreiter vorgestellt, Patrick Stühlmeyer benötigte mit dem dunkelbraunen OS-Wallach (Züchter und Besitzer Gestüt Lewitz) 63,42 Sekunden für den Parcours.

Bei der Suche nach einer Erklärung für das niedrige Nennungsergebnis kann man nur spekulieren. Möglich, dass nicht alle Reiter realisiert haben, dass die Voraussetzung für einen Start bei den Siebenjährigen nicht mehr die Teilnahme an einer anderen Prüfung des Championats erforderlich ist. Möglich aber auch, dass für manchen Youngster die Vorbereitungszeit durch den Corona bedingten Ausfall vieler Turniere zu kurz war, die erforderliche S-Platzierung nicht erreicht wurde. Ebenso denkbar ist die mangelnde Wettkampferfahrung der jungen Pferde, ein Start für sie schlichtweg zu früh.

Sechsjährige

Es war der Tag der Züchterin Silke Sulz. Nachdem Constantin bei den siebenjährigen Springpferde die Ehrenrunde angeführt hatte, gewann die ebenfalls von ihr gezogene Charmante unter Henrik Griese die erste Prüfung für die Sechsjährigen. Die westfälische Stute von Chaman – Coriander war unter Henrik Griese mit 64,95 Sekunden die Schnellste und siegte in der ersten Abteilung.

Auf Zineday fuhr Christian Kukuk seinen zweiten Tagessieg ein. Mit dem westfälischen Hengst von Zinedine – Polydor gewann der Bereiter aus dem Stall Beerbaum die zweite Abteilung (65,82 Sek.). Franz-Georg Ottmann ist Zinedays Züchter und Besitzer.

Nur einen Wimpernschlag länger brauchte Giandujah von Casall – Contender unter Bart van der Maat, 65,89 Sekunden. Die braune Holsteiner Stute ist gezogen und im Besitz von Daniel Lehmann.

Mit 99 Startern bei 110 Nennungen war die Anzahl der sechsjährigen Springpferde befriedigend. 38 Paare blieben strafpunktfrei in dem von Peter Schumacher gebauten Parcours. Nach der geänderten Ausschreibung gibt es kein Kleines Finale mehr, die Pferde qualifizieren sich also mit der heutigen Leistung sowie mit der am Samstag stattfindenden 2. Qualifikation, die anderthalbfach gezählt wird, für das Finale am Sonntag.

Fünfjährige

Bei den fünfjährigen Springpferden waren 70 Nennungen eingegangen, 62 Starter stellten sich dem Richterurteil in der 1. Qualifikation. Peter Schumacher hatte der mangelnden Wettkampfpraxis der Fünfjährigen Rechnung getragen und einen freundlichen, einladenden Parcours in die Bahn gestellt. Dennoch war nicht zu übersehen, dass sich einige Youngster auch damit noch richtig schwer taten, vor allem, wenn sie von noch nicht so erfahrenen Reitern nicht optimal unterstützt wurden. Einer, der schon zig Mal das Bundeschampionat bestritten und auch gewonnen hat, zeigte mal eben, wie es aussehen soll: Marco Kutscher zelebrierte mit dem Westfalen Cashmere von Cristallo – Contender eine beispielhafte Runde, die von den Richtern mit 9,4 benotet wurde. Der gekörte Hengst ist im Besitz des Gestüts Neuenhof, gezüchtet hat ihn Dr. Axel Schürner.

An welchem Punkt Cashmere denn besser war als Damaskus, der Sieger der zweiten Abteilung (9,3), ist sicher schwer auszumachen, denn auch die Rundes des Rapphengstes von Diacontinus – Alexis Z war eine Vorstellung der Extraklasse. Der Japaner Eiken Sato, Bereiter im Stall Schockemöhle, stellte das Pferd seines Chefs vor, Züchter des Hannoveraners ist Dr. Jörn Bramstedt.

Hendrik Dowe war heute besonders fleißig, in beiden Altersklassen stellte er je vier Pferde vor. Das beste Ergebnis erzielte er mit Coros, dem westfälischen Hengst von Cornet Obolensky – Arpeggio, Züchter Werner Buschsiewecke, Besitzer Ursula und Joachim Rosendahl. Der leichtfüßige Braune erhielt die Wertnote 9,2. En weiteres Mal vergaben die Richter ein „sehr gut“ für Rittigkeit und Springvermögen im Parcours, also die 9,0, für Balous Bonfire unter Philipp Hartmann. Albert Stegemann ist Züchter und Besitzer des braunen Wallachs von Balous Bellini – Potsdam.

Viele Änderungen die für das diesjährige Bundeschampionat der Springpferde angedacht waren, fielen der Corona- Pandemie zum Opfer, einiges konnte dennoch umgesetzt werden. Dazu gehört die Einsaat des Stallbereichs. Damit ist die in den letzten Jahren erhebliche Belästigung durch den Sandstaub Vergangenheit, der nicht nur für die Pferde, sondern auch für alle dort beschäftigten Menschen problematisch war. Corona-bedingt ist die Anordnung der Boxen eine andere, es gibt in diesem Jahr keine Stallgassen in den Zelten. Die Boxen stehen Rücken an Rücken, sind von außen zu begehen. Das ist eine weitere Luftverbesserung für die Pferde, wenn auch manches leicht irritiert ist durch die Tatsache, dass jetzt gleich an drei Seiten ein Kumpel steht. Dafür gibt es einen guten Ausblick in die interessante Umgebung statt auf eine staubige Stallgasse.

Christine Meyer zu Hartum