BuCha – dreijährige Stuten und Wallache: Es lebe die Normalität

Der neue Bundeschampion der dreijährigen Stuten und Wallache, Quizmaster v. Quasar de Charry unter Jessica Lynn Andersson

Nein, ein Lampenaustreter ist der neue Bundeschampion der dreijährigen Stuten und Wallache nicht. Aber dafür ein solides, rittiges Pferd, das sich präsentierte, wie man es eigentlich bei Remonten sehen möchte.

Schon in der Qualifikation hatte Quizmaster v. Quasar de Charry-Velten Third (Z.: Klaus Küver) unter der Schwedin Jessica Lynn Andersson für Mathieu Beckmann von der Hengststation Beckmann in Wettringen die Jury überzeugt. Und zwar ausnahmsweise nicht wie sonst bei späteren Bundeschampions meist üblich, durch seine Bewegungen im Trab, sondern durch Schritt und Galopp. Beides hat der Hannoveraner Quizmaster im Überfluss, und für beides erhielt er auch heute eine glatte 9. Der Trab ist eher ausbaufähig und wurde mit einer 8,5 großzügig bedacht. Aber das ist ja bekanntlich auch die Gangart, die man am ehesten verbessern kann. Und wie Quizmasters Reiterin erklärte: „Ich habe nicht alles herausgeritten. Ich wollte nicht, dass er ein schlechtes Gefühl da drin bekommt.“ Sie hat sich riesig gefreut, denn für die gebürtige Schwedin, die heute auf den Tag genau ein Jahr bei Matthieu Beckmann ist, war dies ihr erster Bundeschampionatstitel. Damit hatte sie nun gar nicht gerechnet: „Ich wollte eine solide Runde drehen für Matthieu und für das Pferd.“ Plötzlich Bundeschampion – das ist doch was! Und wer Interesse hat, einen solchen zu erwerben – Quizmaster ist Teil der Kollektion bei der Verdener Eliteauktion.

Dabei hatte es eigentlich gar nicht danach ausgesehen. Als Zweitplatzierter hinter der Oldenburger Stute Flora de Mariposa war er ins Finale gegangen. Nach den Bewertungen der Fremdreiter waren die beiden exakt gleichauf. Da es aber keine zwei Bundeschampions geben kann, entscheidet der bessere Fremdreitertest. Und den hatte Quizmaster.

Vom ersten Tag an war die dunkelbraune Flora de Mariposa v. Fürstenball-Rubin-Royal aus der Zucht von Carsten Middendorf und im Besitz von Rolf Moormann eine Sympathieträgerin. Sie war schon mit Vorschusslorbeeren nach Warendorf gekommen. Vor ihrem Bundeschampionatsauftritt war Flora de Mariposa in Rastede erst Reservesiegerin auf dem Brillantring der Oldenburger Elitestuten geworden, und hatte dann die dortige Siegerin Fiesta Danza beim Landeschampionat hinter sich gelassen. In Warendorf trafen die beiden OL-Ladys erneut aufeinander. Flora de Mariposa zeigte sich unter Hermann Gerdes wie schon am Freitag elastisch und schwungvoll. Die anstrengenden Tage im Stallzelt bei plötzlich einbrechender Kälte und die vielen Eindrücke, die die Dreijährige in Warendorf gesammelt hat, scheinen ihr nicht viel ausgemacht zu haben. Dementsprechend gab es viel Gutes zu sagen über die schwunghaften Grundgangarten. Dr. Dietrich Plewa übersetzte die Richternote von 9,0 für den Trab: „Dieses Pferd hat ein tolles Vorderbein, aber auch der Motor hinten stimmt.“ Auch der Grundgalopp sei von hoher Qualität, lediglich beim Zulegen sei die Stute etwas eilig geworden, 8,5. Ein glattes „Sehr gut“ gab es wieder für das „klassische Schreiten mit kaum zu überbietender Schulterfreiheit.“ Typ und Gebäude bewertet die Jury mit 8,5 – „da gibt es wenig dran auszusetzen“, so Dr. Dietrich Plewa. Ähnlich schwärmte Plewa auch als er zu dem Punkt Ausbildungsstand kam: „Aufgeweckt und sensibel, dabei aber gleichzeitig gelassen, 9,0.“ Machte unter dem Strich eine Durchschnittsnote von 8,7 bzw. 43,5 Punkte, die Flora de Mariposa in den Fremdreitertest mitbrachte. Hier kamen dann noch mal 19 Zähler hinzu.

Für Stimmung auf dem Viereck sorgte die dritte im Bunde der Finalisten, die Oldenburger Siegerstute Fiesta Danza v. Fürstenball-Weltmeyer, die bei Johannes Westendarp zur Welt kam, immer noch in seinem Besitz steht und von Alexa Westendarp vorgestellt wurde. Die musste schon heute morgen einige Sattelfestigkeit beweisen, denn Fiesta Danza stand ganz schön unter Strom. Ein paar Mal warf sie den Hintern in die Luft und schlug dabei so mit Wucht aus, dass die anderen Reiter respektvollen Abstand einnahmen. Aber das war noch ehe die eigentliche Prüfung begonnen hatte. In selbiger hatte Westendarp die Stute dann eigentlich bis auf einmal gut unter Kontrolle und im Laufe der Zeit kam Fiesta Danza immer besser zur Losgelassenheit. Eine „sehr gute Hinterhandaktivität“ bescheinigten denn auch die Richter der Stute, deren Mutter die Vollschwester zu den gekörten Weltmeyer-Söhnen Wolkentanz I und II ist. In der Tat, die hatte sie! Und auch „an Energie“ ließe sie „nichts zu wünschen übrig“. Nein, auch daran mangelte es heute gewiss nicht. Auch nicht bei ihren Auftritten unter den Fremdreitern, aber dazu später.

Im Trab erhielt im Finale Teil A eine 9,0. Der Galopp, „lebhaft im Bergauf und mit gutem Untersprung“, wurde mit einer 8,5 bedacht. Im Schritt machten sich dann die Spannungen stärker bemerkbar. Der Fleiß war ohne Zweifel da, aber an Gelassenheit fehlte es noch etwas, 8,0. Dieselbe Note gab es auch im Bereich Ausbildung, wobei Plewa betonte, dass man den Aussetzer als die Stute einmal während der Aufgabe einen Freudensprung einlegte, wohl berücksichtigt hatte, „aber wir wollen ja Pferde mit Esprit“! Zusammen mit der 9,0 für den „hochmodernen, großlinigen Typ bei besten Proportionen“ ergab das eine Gesamtnote von 8,4 oder 42 Punkten, die Fiesta Danza mitbrachte in den Fremdreitertest.

Anja Wilimzig war die erste, die sich auf Fiesta Danza versuchte. Schon in der Qualifiktion und am Morgen hatte man von Zeit zu Zeit den Eindruck, dass die Stute vorne nicht voll ausbalanciert geht. Das kam heute auch Nachmittag wieder zum Vorschein. Ob nun deswegen oder aus einem anderen Grund – Fiesta Danza machte den Eindruck, als hätte sie die Nase gehörig voll von der Veranstaltung. Sie bockte wie ein Bronco. Züchter Johannes Westendarp: „Sie hatte die Siegerehrung noch im Kopf, da hatte die Stute sich an der kurzen Seite wegen der Unruhe erschreckt. Das war heute ein Problem. Ich finde, dass Alexa das im Finale super geregelt bekommen hat. Sie ist ja Juniorin und das erste Mal mit einem dreijährigen Reitpferd im Championatsviereck unterwegs“.

Ein paar Mal war man in Sorge, ob Wilimzig die Sprünge der Fürstenball-Tochter würde aussitzen können. Sie konnte. Aber sie sah auch nicht böse aus, als Philipp Hess die Zügel übernahm. Dem muss man an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen. Er erkannte, dass die Stute im Wesentlichen klemmte und versuchte, sie im leichten Sitz, im Galopp nach vorne zu schicken. Das klappte zunächst nur bedingt, die Stute vollführte den ein oder anderen Hüpfer. Aber bei jedem positiven Ansatz lobte Hess die Stute und so löste sie sich allmählich etwas. Am Schluss trabte sie dann schön locker und im Gleichmaß.

Platz vier im Finale teilten sich zwei Pferde mit jeweils einer Endnote von 8,3: der Oldenburger Flying Dancer v. Fürst Romancier-Sir Donnerhall aus Zucht und Besitz von Wilhelm Hoffrogge und mit Hermann Gerdes im Sattel (Trab: 8,5, Galopp: 8,0, Schritt: 8,5, Ausbildung: 8,0, Gebäude: 8,5) und der Hannoveraner Felix v. Foundation-Weltmeyer unter Anne-Kathrin Pohlmeier (Z.: ZG Walker, B.: Christian Heinrich).

Als Sechste noch platziert war die Hannoveraner Surprice-Donautanz-Tochter Superb mit Marlene Heye im Sattel. Sicher, die Stute ist noch voller Ecken und Kanten in ihrer Erscheinung, hat kaum Muskulatur und noch weniger Fleisch auf den Rippen. Mehr als eine 7,0 gab es dafür nicht. Aber sie hat tolle Anlagen, erhielt je eine 9,0 in Galopp und Schritt und eine 8,0 im Trab, wo sie im Vergleich zum Sieger ein bisschen sparsam bedacht worden war.

Mit vier Nachfahren von neun Finalisten, zwei davon über Fürstenball, war Florestan der prominenteste Stammvater in dieser Gruppe.

(Anm. d. Red.: In einer früheren Version hatten wir noch nicht den Grund für das Bocken der Drittplatzierten erfragt.)

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