BuCha: Fürst William klarer Sieger bei den dreijährigen Hengsten

Anna-Sophie Fiebelkorn und Fürst William beim Bundeschampionat 2015.

Anna-Sophie Fiebelkorn und Fürst William beim Bundeschampionat 2015. (© Kiki Beelitz)

Das Reitpferdeviereck beim Bundeschampionat in Warendorf ist ja immer wieder gut für Stimmung. Auspfeifen der Richterurteile steht auf der Tagesordnung. Aber dass laut gelacht und dann aus Protest die Szene verlassen wurde, das ist neu. Gewonnen hat am Ende aber doch der Richtige.

Den Zorn des Publikums zogen die drei Richter Peter Mannheims, Dr. Carsten Munk und Johann Speth vor allem mit der Bewertung des Hannoveraners Der Schufro auf sich, ein Sohn des Der Designer aus einer Mutter v. Schufro. Vorgestellt von Eva Möller, präsentierte der edel aufgemachte Schwarzbraune sich ansprechend, aber insgesamt eher begrenzt. Darunter hatte vor allem der in der Abteilung hinter ihm eingereihte Prämienhengst der Süddeutschen Körung 2015 zu leiden, Dominy v. Diamond Hit-Pour Plaisir (Z.: Else Hermine Schnell, B.: Dressurpferde Leistungszentrum Lodbergen). Wenn der Dunkelfuchs unter Lukas Fischer einen weit ausgreifenden Schritt machte, musste Der Schufro ungefähr vier machen. Dementsprechend forderte Lukas Fischer die vor ihm reitende Eva Möller immer wieder auf, ihm ein bisschen Platz zu lassen. So zog sich das bis zur Vorstellung an der Hand durch.

Dann war die Abteilung fertig und es kam zur Notenverkündung. Stadionsprecher Klaus Blässing (selbst Richter, aber in Warendorf nicht im Amt) begann wie üblich mit dem ersten Pferd der Abteilung, dem Hannoveraner Bon Coeur v. Benetton Dream-Sandro Hit (Z.: Birgit Tietjen, B.: Martina Wahlers) unter Lena Berwe. Der nicht zu große Rappe v. Benetton Dream-Sandro Hit glänzte mit einem kadenzierten Bewegungsablauf im Trab, war insgesamt hoch elastisch und mit einem beweglichen energisch abfußenden Hinterbein gesegnet. Hier gab es nachvollziehbare Noten von 9,0 für Trab, Galopp, Ausbildungsstand und Typ und Harmonie. 8,5 gab es für den Schritt. Machte in Summe eine 8,9 und am Ende Platz zwei. Applaus, alle glücklich.

Ein absolut sympathisches Pferd, dessen Benotung heute dennoch für reichlich Frust und Diskussionsstoff sorgte: Der Schufro. Foto: Beelitz

Ein absolut sympathisches Pferd, dessen Benotung heute dennoch für reichlich Frust und Diskussionsstoff sorgte: Der Schufro. Foto: Beelitz

Danach kamen die Noten für Der Schufro – ein Zuchtprodukt des Gestüts Lewitz von Paul Schockemöhle, das inzwischen im Besitz des Hofes Kasselmann steht. Schon beim Hannoveraner Championat in Verden hatte es Unverständnis gegeben, als Der Designer vor Bon Coeur rangierte. Das haben die Richter heute dann doch andersherum gedreht. Aber hoch in die Notenkiste gegriffen haben sie trotzdem für den Schockemöhle-/Kasselmann-Hengst: 8,5 gab es für den taktmäßigen, lockeren aber eben begrenzten Trab. Da ertönten schon die ersten Pfiffe. Aber als es dann hieß, „Galopp: 9,5!“, da war es vorbei mit Pfeifen, da lachte die gesamte Tribüne an der langen Seite geschlossen laut auf. Klaus Blässing fühlte sich wohl bemüßigt, etwas klarzustellen: „Ich lese das hier nur vor!“ Das Pfeifkonzert ging weiter als die weiteren Noten bekannt gegeben wurden: 7,5 für den Schritt, 8,5 für die altersgemäße Ausbildung, 9,0 für Typ und Körperbau, 8,6 insgesamt. In der Endabrechnung bedeutete das Rang drei, zusammen mit dem sehr reellen (Trab und Galopp je 8,5, Schritt 8,0) Rheinländer Lord Nunes v. Lord Loxley-Jazz (Z.: H. Steeghs Linders), den Jana Freund für den Ferienhof Stücker vorstellte, und der sich besonders rittig präsentierte (9,0). Dieselbe Note gab es auch für das Kriterium Typ und Körperbau. Hier gab es zustimmenden Applaus, anders als bei seinem Mitplatzierten. „Unverschämtheit!“ war ein Wort, welches man häufiger hörte – und zwar auch noch als die Prüfung längst vorbei war. Eine ganze Reihe Zuschauer war offensichtlich so erbost, dass sie nach der Notenverkündung für Der Schufro aufgestanden sind und die Szene verlassen haben.

Und mit ihrer Meinung standen sie nicht alleine da. Oder wie soll man den Ausspruch Klaus Blässings deuten: „Ich wollte jetzt eigentlich das Lied ,Wunder gibt es immer wieder‘ anstimmen“, ehe er zur Notenverkündung des letztendlichen Siegers kam, des einzigen Oldenburgers im Feld, des Fürst Wilhelm-Lord Sinclair-Sohn Fürst William HC unter Anna-Sophie Fiebelkorn? Mit dieser Aussage hatte er für Hochspannung gesorgt. Was wollte Blässing damit sagen? Würden die Richter diesen bedeutenden Braunen mit den ganz großen, elastischen und leichtfüßigen Bewegungen etwa hinter Der Schufro setzen? Oder wollte er andeuten, dass nun das Wunder geschehen ist, und die Richter eine nachvollziehbare Entscheidung getroffen haben? Er meinte wohl letzteres, denn Fürst William erhielt verdient je eine 9,5 für Trab, Galopp und altersgemäße Ausbildung sowie die 8,5 für den nicht ganz so überragenden aber immer noch richtig guten Schritt und eine 9,0 für seinen bedeutenden Typ und Auftritt. Machte alles in allem eine 9,2. Fürst William ist erst seit diesem Sommer im Beritt von Anna-Sophie Fiebelkorn. Der Hengst war nach seiner Körung in Redefin nach Dänemark in den Stall von Andreas Helgstrand gelangt. Jetzt steht er im Besitz der HC Stables, die ihn Anna Fiebelkorn anvertraut haben.

Auf dem fünften Rang landete ein weiteres Pferd des Gestüts Lewitz: Founder v. Foundation-Sarkozy mit Heiko Klausing im Sattel. Dieser Hannoveraner überzeugte tatsächlich durch elastisches Traben mit viel Aktion, großer Geschmeidigkeit und sehr schöner Bergaufgaloppade (9,0 für Trab und Galopp). Im Schritt ist er allerdings begrenzt (7,5). Zusammen mit je einer 8,5 in den Bereichen Ausbildung und Exterieur kam er auf eine nachvollziehbare 8,5 insgesamt.

Fast der Zwilling von Founder könnte der Westfale Fürst von Soest sein, ein Fürstenball-Ad Hoc-Sohn (Z.: Prof. Dr. Albrecht Schneider), den Emily-Charlotte Seibel vorstellte, der der Hengst gemeinsam mit dem Züchter gehört. Seine Bewertungen lauteten 8,5 in allen Teilbereichen, außer für Typ und Gebäude. Da gab es die 8,0, machte 8,4 in Summe.

Gleich drei Pferde erhielten eine 8,3: Zum einen der bereits erwähnte Dominy, der eine 8,0 für seinen schwungvollen Trab bekam, dem man wünschen würde, dass er mehr von hinten unter den Körper arbeitet (was freilich schwer war, wenn er von vorne immer wieder gebremst wurde). 8,5 gab es für Galopp, Schritt, Typ und Exterieur sowie eine 8,0 für die altersgemäße Ausbildung.

Dann war da noch der Sir Donnerhall-Wolkentanz-Sohn Nymphenburgs Spotlight (Z.: Carsten Müller) unter Tessa Frank für das Gestüt Nymphenburg. Er erhielt in allen Teilbereichen bis auf den Schritt eine 8,5. Im Schritt gab es eine 7,5.

Und schließlich gibt es noch ein Wiedersehen mit Anna-Sophie Fiebelkorn und ihrem zweiten Pferd, dem Trakehner Vapiano v. Kentucky-Easy Game aus der Zucht des Gestüts Radegast und inzwischen im Besitz von Norbert Timm vom Gestüt Hohenschmark. Als erstes Pferd der Prüfung verließ er die Bahn mit den Noten 8,5 für Trab, Ausbildung und Typ/Exterieur sowie 8,0 in den übrigen Bereichen.

Von den umjubelten und teuren Körsiegern der großen Zuchtverbände war in Warendorf nichts zu sehen. Sie werden wissen, warum.

 

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