Dressurhengst Jazz lebt nicht mehr

Jazz

Jazz v. Cocktail (1991-2020) (© Caremans)

Jazz lebt nicht mehr! Der niederländische Dunkelfuchs wurde knapp 29 Jahre alt. Der KWPN-Hengst, der selbst im internationalen Sport lief, war jahrelang die Nummer eins der Weltrangliste der internationalen Zuchtverbände-Organisation (WBFSH). Der Urenkel des legendären Furioso II zeugte unter anderem Adeline Cornelissens Parzival, Hans Peter Minderhounds Johnson oder Vancouver K von Judy Reynolds (IRL). Auch in Deutschland hat er viele Enkel und Urenkel.

Jazz kam in den Niederlanden bei Huub van Helvoirt am 21. Mai 1991 geboren. Die Mutter Charmante v. Ulster-Heros vereinte viele Holsteiner Gene in ihrer Abstammung. Vater von Jazz war Cocktail, über Purioso ein Enkel des Franzosen Furioso II, von dem er die Dunkelfuchsfarbe geerbt hatte. Als Fohlen wurde der Fuchshengst zunächst noch Jacob genannt. Es heißt, er habe sich schon als Fohlen durch seinen einen äußerst starken Willen ausgezeichnet. So kam Züchter van Helvoirt auf die Idee, den späteren Zuchthengst nach dem ebenfalls durchsetzungsstarken niederländischen Pferdefotografen Jacob Melissen zu nennen.

Als Absetzer erwarb Bob Rijsdijk denHengst, bereitete ihn auf die Körung vor und nannte ihn Jazz. Unter diesem Namen wurde er nach seiner Körung im Frühjahr 1994 beim niederländischen Zuchtverband (KWPN) eingetragen.

Mit Tineke Bartels bis zur WM

Dort ging der Cocktail-Sohn zunächst den klassischen Weg eines Deckhengstes: In seiner Leistungsprüfung 1994 wurde er als „ehrlich, verlässlich“ aber auch „temperamentvoll und an seiner Umwelt interessiert“ beschrieben. Seine Arbeitsbereitschaft wurde besonders positiv erwähnt. Während Schritt und Trab besonders hoch eingeschätzt wurden, wünschten die Richter damals den Galopp kraftvoller.

Viele seiner Nachkommen haben das „Interesse an der Umwelt“ von ihrem Vater übernommen. Einfach waren die wenigsten Nachkommen des Fuchses. Mit wenigen Ausnahmen waren Schritt und Nervenkostüm die Schwachpunkte der Jazz-Kinder. Allerdings hatten sie fast alle den tief angesetzten Hals ihres Erzeugers und sein Talent für Passage-Tritte.

Diese Qualitäten konnte Jazz im Sport zeigen. Schon als junges Pferd kam er zu Tineke Bartels, der Ehefrau des Sportmanagers Joep Bartels. Die gemeinsame Karriere von Tinike Bartels und dem KWPN-Hengst mündete in Platz fünf mit dem niederländischen Dressurteam bei den Weltmeisterschaften in Jerez de la Frontera 2002. Einzeln wurde das Paar 29.

Die Zuchtkarriere des Jazz

2001 wurde Jazz syndikatisiert. Mehrere Anteilseigner besaßen fortan den Hengst. Besonders viele Anteile innerhalb der Gruppe der privaten Investoren erwarben Cees Broere und sein Sohn Anne. Deswegen firmierte der Dunkelfuchs seitdem als „Broere Jazz“. Neue Reiterin wurde Kristen Becker, die mit ihm noch viele Erfolge erringen konnte. 2011 endete die sportliche Laufbahn. Zu diesem Zeitpunkt war der KWPN-Hengst längst eine Zuchtlegende. 2012 kamen in den USA zwei Klone von Jazz zur Welt. (In dem Video in niederländischer Sprache kann man die Klone sehen).

Viele Jazz-Söhne folgten dem Beispiel ihres Vaters und gingen parallel zum Deckeinsatz erfolgreich im Sport. Paradebeispiel ist Johnson aus der Roxane v. Flemmingh-Sultan. Der Braune wurde 2004 zunächst im Herbst in Oldenburg gekört. Anschließend verließ er die Körung in ‘s-Hertogenbosch im Februar 2005 als Siegerhengst des KWPN. Unter Hans Peter Minderhoud stand er mehrfach im niederländischen Championatsteam. So zählte er zur Gold-Equipe bei den Europameisterschaften in Aachen 2015 und wurde Neunter bei den Olympischen Spielen in Rio. Bekannt wurden Johnsons Söhne Bretton Woods und Meggle’s Boston.

Einer der züchterisch einflussreichsten Söhne des Jazz sollte Don Juan de Hus werden. Ihm war nur eine kurze Wirkenszeit beschieden. Aber in dieser zeugte er viele Hengste, unter anderem den Jungpferde-Weltemeister D’Avie. Auch der Hengst Boston, nicht nur farblich seinem Erzeuger Jazz unwahrscheinlich ähnlich, starb früh, hinterließ aber viele auffällige Nachkommen.

Auch interessant

Weihegolds Vater Blue Hors Don Schufro v. Donnerhall ist tot

Im Todesjahr wieder an der Spitze der Weltrangliste

Im internationalen Sport sind aktuell Blue Hors Don Olymbrio und Daniel Bachmann-Andersen (DEN), 14. der Weltrangliste und Vancouver K, 15. mit der Irin Judy Reynolds, die Aushängeschilder. Ihnen verdankt Jazz, dass er nun die Weltrangliste der besten Dressurhengste des WBFSH wieder anführt. Sein Sohn Johnson ist übrigens Zweiter im Ranking.  Auch Bonzanjo unter dem Israeli Eyal Zlatin punktet fleißig für seinen Vater.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.