Gendefekt WFFS – Paul Schockemöhle: 10.000 Euro bei totem Fohlen, Don Schufro, OL-Siegerhengst und Chico’s Boy positiv

Paul-Schockemoehle-Porträt

Paul Schockemöhle 2017 (© ww.toffi-images.de)

Kein Tag ohne neue WFFS-Meldungen. „Nur keine Panik“, sagt Paul Schockemöhle und bietet jedem Züchter, der ein totes Fohlen hat, das nachweislich WFFS-positiv ist, 10.000 Euro an. Zu den positiven Hengstpromis zählen nun u.a. auch Don Schufro. Chico’s Boy und die beiden höchstprämierten Hengste der Oldenburger Körung 2018.

Paul Schockemöhle prescht in der WFFS-Diskussion mit einem finanziellen Angebot nach vorne: In den Deckbedingungen seiner Hengststation findet sich erstmals die Rubrik WFFS. Darin garantiert Schockemöhle allen Züchtern, die ein totes Fohlen bekommen, das nachweislich an den Folgen von WFFS verendet ist, eine Zahlung von 10.0000 Euro. Dies sei allerdings nicht als Schadensersatz zu verstehen. Vielmehr sei es eine Reaktion auf den „völlig überzogenen“ Eindruck, wonach WFFS eine Seuche sei. Der sei durch die starke Präsenz des Themas in den Medien entstanden. Das Portal Horses.nl hatte als erstes darüber berichtet. So sei auf dem Gestüt Lewitz, auf dem Schockemöhle seit mehr als 25 Jahren seine Pferdezucht in großem Stil betreibt, noch nie ein WFFS-Fall bei einem neugeborenen Fohlen aufgetreten.


„Wir möchten aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass kein Grund zur Panik besteht!!
In der Lewitz wurden im Laufe der Zuchtarbeit von Paul Schockemöhle wohl weit über 10.000 Fohlen geboren. Die Fohlen unserer Kunden dabei nicht mitgerechnet. Und kein einziges dieser Fohlen hatte WFFS. Die Wahrscheinlichkeit ist also gering. Und zwar sogar so  verschwindend gering, dass Paul Schockemöhle auch demjenigen Züchter, der ein, in einer Tierärztlichen Hochschule wissenschaftlich nachweisbar an WFFS gestorbenes Fohlen zu beklagen hat, eine Ausgleichszahlung in Höhe über 10.000 Euro zahlt.“

Aus den Deckbedingungen der Hengststation Paul Schockemöhle 2019


Auch Don Schufro WFFS-positiv

Derweil werden immer mehr Testergebnisse veröffentlicht. Auch das Gestüt Blue Hors, das bereits drei positive Hengste im vergangenen Jahr benannt hatte, ist noch einmal tätig geworden. Obwohl Don Schufro v. Donnerhall, lange Zeit die Nummer eins der Dressurzucht in der Rangliste der Vereinigung der Warmblutzuchtverbände World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH), nicht mehr im aktiven Deckeinsatz steht, wurde der 26-Jährige getestet. „Das Ergebnis ist so ausgefallen, wie wir es erwartet haben“, schreibt Manager Esben Møller auf der Webseite des dänischen Gestüts, „positiv“. St.GEORG widmet in seiner Februar-Ausgabe (Erscheinungsdatum: 23. Januar 2019) dem Gestüt und seinem „Jockey“ Daniel Bachmann Andersen ein langes Porträt.

Don Schufro ist auch der Vater von Weihegold, der aktuellen Nummer eins der Weltrangliste. Ein Enkel der Stute von Isabell Werth, Dodo Weihgand v. Diamond Hit, Reservesiegerhengst der vergangenen Oldenburger Körung ist WFFS positiv. Dasselbe gilt für den amtierenden Oldenburger Siegerhengst Global Player v. Grand Galaxy Win, der im gemeinsamen Besitz von Andreas Helgstrand und Paul Schockemöhle steht. Auch er wurde positiv auf den Gendefekt getestet.

Vier Sprehe-Hengste tragen WFFS in sich, Testkosten werden übernommen

Zu den großen Stationen, die in den vergangenen Tagen die Testergebnisse ihrer Hengste veröffentlicht haben, zählt auch das Gestüt Sprehe. Im Dressurbereich sind auf dieser Station die Hengste Santo Domingo v. San Amour, im Springsektor der Holsteiner Chico’s Boy v. Carpaccio, Amazon v. A la Carte NRW und der Niederländer Dicapo v. Diamant de Semilly betroffen. Das Gestüt aus Südoldenburg hat reagiert und auf Facebook das Angebot an die Züchter veröffentlicht, sich an den Kosten für den WFFS-Test zu beteiligen:

„Gerne sind wir bereit bei Nutzung einer der von uns darüber hinaus angebotenen Hengste, der Anlageträger ist, die für den Gentest der Stute nachweislich entstandenen Kosten in Form einer Deckgeldgutschrift zu übernehmen bzw. zu berücksichtigen.“

Zangersheide verzichtet auf Test

Während die seit dem 1. Januar gültige Zuchtverbandsordnung den deutschen Zuchtverbänden die Auflage macht, den WFFS-Status der für die Decksaison registrierten Hengste publik zu machen, verzichtet man beim Studbook Zangersheide aber auf einen obligatorischen Test. Manager Tom Lemmens sagte der niederländischen Webseite Horses.nl, man beobachte die Situation, sehe aber derzeit keinen Handlungsbedarf. Der französische Zuchtverband Selle Français hat sich bislang noch nicht öffentlich zu dem Thema geäußert.

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  1. Stein

    Ist das nicht super ? Geld regiert die Welt, ein Gendefekt mehr, den man belässt weil es sonst ans eigene Portemonnaie geht.Wofür haben wir eigentlich noch Körungen und andere Auswahlverfahren wenn nicht selektiert wird. Kein Wunder dass viele Pferdehalter sich von deutschen Pferden abwenden wenn mit gesundheitlichen Defiziten wie Knochenproblemen, Lungenschwächen, Allergieanfälligkeit Verhaltenauffälligkeit Schimmelmelanom etcweiter gezüchtet wird.
    Die deutsche Zucht hat ihren Zenitüberschritten und die Quittung wird unweigerlich kommen

  2. HHHoller

    Da Problem ist nicht das positive tote Fohlen, denn dazu benötige ich als Züchter auch eine positive Stute (die ich nicht mit einem positiven Hengst paaren darf, also auch mein Verschulden. So wird auch Paul dann argumentieren. Das ist aber ein guter PR Gag von Paul). Das Problem taucht auf wenn ich als Züchter eine negative Stute mit einem positiven Hengst paare. 50% der Nachkommen sind dann positiv. Ein Hengstfohlen kann dann noch zum Wallach werden, ein Stutfohlen ? Ich habe dann später eine positive Stute (nächste Generation im Stall) und Paul freut sich einen Ast über das erhaltene Deckgeld !!!!


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