Hannoveraner Vorsitzender Hans-Henning von der Decken zurückgetreten

Wilken Treu_Hannoveraner Verband

Hans-Henning von der Decken (li.), Wilken Treu (Mitte), Geschäftsführer und Zuchtleiter Ulrich Hahne. (© Hannoveraner Verband)

Hans-Henning von der Decken ist nicht länger Vorsitzender des Hannoveraner Verbandes. Hintergrund sind die Aussagen, die der Landwirt aus Stade rund um den Fall des reklamierten Hengstes Dario öffentlich gemacht hatte.

Heute Nachmittag ist Hans-Henning von der Decken aus Stade von seinem Amt als Vorsitzender des Hannoveraner Verbandes zurückgetreten. Das hat der Hannoveraner Verband soeben vermeldet. „In einer Zusammenkunft mit den Mitarbeitern bat er um Verständnis für seine Entscheidung. Zugleich dankte Herr von der Decken dem Hauptamt für die Stabilität, die in den zurückliegenden Jahren gewährleistet wurde. Wichtig ist Herrn von der Decken in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der Strukturkommission zu würdigen, die das Gerüst für die zukünftige Verbandsstruktur erarbeitet hat. Zudem liegt es ihm am Herzen, den Züchtern für die gemeinsamen Momente und die gemeinsame Verbundenheit zu den Hannoveraner und Rheinländer Pferden zu danken“, steht in einer Onlinemeldung des Verbandes.

Damit gehen die Querelen im Vorstand des größten deutschen Pferdezuchtverbandes in die nächste Runde. Der Pferdezüchter aus der Nähe von Stade war vor gut dreieinhalb Jahren Vorsitzender des Hannoveraner Verbandes geworden.

Wann wusste Von der Decken über Darios Shivering?

Offensichtlich wurden Hans-Henning von der Decken seine Aussagen zum „Fall Dario“ zum Verhängnis. Der Pferdezüchter hatte sich widersprüchlich zu dem Dancier-Sohn in der Öffentlichkeit geäußert. Der prämierte Rappe war nach dem Kauf durch eine Norwegerin auf dem Hengstmarkt 2018 reklamiert worden: Da der Hannoveraner Prämienhengst unter dem Shivering-Syndrom litt, konnte er in Dänemark, wo die Käuferin ihn stationieren wollte, nicht als Deckhengst aufgestellt werden. Präsident von der Decken wusste von dem Befund, hatte aber zunächst öffentlich behauptet, nicht über den Gesundheitszustand des Hengstes informiert gewesen zu sein.

Nach einer Presseveröffentlichung hatte von der Decken die Abläufe dann in dieser Woche aus seiner Sicht klargestellt. Demnach sei er am 17. Juli 2020 von Hartmut Wilking der Lüge bezichtigt worden – „allerdings ohne auf Fakten einzugehen“. So schreibt der Niedersachse in einer Stellungnahme an den Gesamtvorstand, die er am 22. Juli verfasst hat. Wilking ist stellvertretender Vorsitzender des Hannoveraner Verbandes und damit Mitglied des geschäftsführenden Vorstands. Wilking war eine der treibenden Kräfte rund um die Aufarbeitung des „Iran-Deals“. Dabei hatte der Verband Geld verloren. Die in der Öffentlichkeit und auf Facebook ausgetragene Diskussion hatte offenbart, wie zerstritten der damalige Vorstand des Hannoveraner Verbandes war. Indiskretionen des Vorstands gehörten, so schien es, zum Alltag.

Nun also der „Fall Dario“. Das diesbezügliche eineinhalbseitige Schreiben von der Deckens hatte der Hannoveraner Verband am 28. Juli auf seiner Homepage online gestellt. Demnach sei der Hengst am 24. Oktober 2018 in Verden zur Hauptkörung angeliefert und nachuntersucht worden. Am 11. September sei die „Störung Shivering“ festgestellt worden. Zur Nachuntersuchung sei er, so schreibt von der Decken, nicht zugegen gewesen. „Erst beim abendlichen Treffen kam ich hinzu und wurde über den Shiveringbefund in Kenntnis gesetzt“, formuliert er weiter. Genau diesen Umstand hatte er aber zunächst öffentlich anders dargestellt. Er habe nichts von dem Shivering gewusst, hatte der Vorsitzende des Hannoveraner Verbandes lange behauptet.

Von der Decken: „nicht korrekte Antwort gegeben“

In dem Schreiben an den Vorstand rudert von der Decken zurück: „An dieser Stelle möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich im vergangenen Jahr eine nicht korrekte Antwort auf die Frage gegeben habe, ob ich über den Befund informiert war. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich aufgrund der belastenden Lage mit Dr. Schade in einer sehr angespannten Position. Sowohl die Gesamtsituation für den Hannoveraner Verband als auch die Medienberichte waren belastend, sodass ich während einer neunstündigen Versammlung nicht richtig zuhörte, als ich nach dem Shivering gefragt wurde. In einer späteren Verarbeitung im Zusammenhang mit unserem Anwalt Herrn Dr. Bulling bestätigte ich, abends am 24.10.18 dabei gewesen zu sein, habe dies später allerdings leider nicht kommuniziert, da im gerichtlichen Verfahren keine entscheidende Aussage getroffen wurde.“

Dario wurde mittlerweile versteigert, nachdem er über ein Jahr in der Hengstleistungsprüfungsanstalt Adelheidsdorf gestanden hatte und niemand für die entstehenden Kosten aufgekommen war. Der Shiverer, in Verden noch als Junghengst 120.000 Euro wert, war für 9.500 Euro in die Schweiz verkauft worden.

Verbindung zum Fall Schade

Der Fall Dario ist längst ein Politikum (die gesamten Hintergründe dazu lesen Sie in der kommenden September-Ausgabe des St.GEORG) geworden. In den anhängigen Rechtsstreitigkeiten zwischen Käuferin, Hannoveraner Verband und dem Aussteller des Hengstes, Ernst Kemper, gibt es ein Schreiben, in dem der damalige Geschäftsführer des Hannoveraner Verbandes, Dr. Werner Schade, einen Faksimile-Stempel mit der Unterschrift des Vorsitzenden Hand Henning von der Decken verwendet haben. Dies war Schade zur Last gelegt worden, als ihm am 13. Mai 2019 außerordentlich fristlos gekündigt wurde.

Damals hatte es geheißen, „aufgrund mehrerer in der jüngeren Vergangenheit festgestellter Pflichtverletzungen“ sei diese Entscheidung leider „unumgänglich“. Schade hatte gegen seine Kündigung geklagt, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

In einer Mitteilung auf seiner Webseite hatte der Hannoveraner Verband in dieser Woche seine Sicht der Dinge auch diesbezüglich klargestellt. Demnach hätten von der Deckens Aussagen zu Darios Shivering und die Kündigung Dr. Schades nichts miteinander zu tun:

Im Arbeitsprozess mit Herrn Dr. Schade geht es um die Nutzung einer Faksimile-Unterschrift des Vorsitzenden auf Anweisung von Herrn Dr. Schade. Dies steht nicht mit der Stellungnahme des Vorsitzenden zum Fall Dario im Zusammenhang. Hierfür ist es nicht relevant, wann der Vorsitzende über den Shivering-Befund informiert war, denn der Zeitpunkt der Nutzung der Faksimile-Unterschrift war natürlich erst nach o.g. Reklamation.“

Mit seinem Rücktritt kommt Hans-Henning von der Decken möglicherweise einem für ihn negativem Votum im August zuvor. Dann steht die Wahl des Vorstandes des Hannoveraner Verbandes an.

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  1. Helmold Baron von Plessen

    finde es ausserordentlich bedauerlich, dass ein so hoch angesehenes Mitglied der Familie von der Decken, die sich um die Geschicke des hannoverschen Verbandes ueber Generationen verdient gemacht hat, diese in Zukunft nicht mehr betimmen wird.

  2. Maraike

    Ach Herr von Plessen, v.d.Decken war seinem Amt doch schon lange nicht mehr gewachsen, sein Rücktritt längst überfällig. Was sollen solche Ergebenheitsadressen ?


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