Hengsttage des Deutschen Sportpferdes – Überflieger mit internationalen Ahnen

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Der Springsieger der Hengsttage des Deutschen Sportpferdes 2019 v. Coupie (© Schreiner)

Hengsttage des Deutschen Sportpferdes 2019 in München. 77 Dreijährige waren angetreten 28 aus dem Spring- und 49 aus dem Dressurlager. Am Ende gab es für 40 Hengste ein positives Körurteil sowie elf Prämien.

Besonders bei den Springpferden waren einige Überflieger dabei – wobei nur drei Prämien verteilt wurden. Als Springexperte stand der dreifache Derby-Sieger André Thieme der Körkommission zur Seite. Darauf angesprochen, ob er denn schon eine Einkaufsliste gemacht hätte für die Auktion, kommentierte er: „Ich bin kein Fan von Käufen nach Freispringen, und schon gar nicht bei Körungen. Aber hier haben wir schon extrem viele sehr gute Pferde gesehen. Ich hatte das Gefühl, dass die Aussteller hier sehr vernünftig waren und ohne Trickserei gearbeitet haben. Das war ein sehr hoher Prozentsatz guter Pferde.“

Dazu zählte zum Beispiel der am Ende zum Siegerhengst ausgerufene DSP-Hengst mit der Katalognummer 14, ein Sohn des Springsiegers der NRW-Körung 2012, Coupie. Dessen Sohn in München kam bei Monika Grötzner in Lehrberg zur Welt und hat eine Konkorde-Ramiro Z-Nimrod-Mutter hat. Die Mutter hat bereits einen anderen gekörten Sohn sowie mehrere S-erfolgreiche Nachkommen vorzuweisen. Ihr Sohn in München ließ schon im Trab erahnen, was sich dann auch am Sprung zeigte: ein hohes Maß an Elastizität, dank der er dann wie ein Gummiball über jede Abmessung flog. Er wurde am Ende für 70.000 Euro zugeschlagen.

Die zweite Prämie ging an die Katalognummer 25, einen Sohn des international erfolgreichen Orlando (v. Heartbreaker-Darco) aus einer selbst bis Klasse M erfolgreichen Staatsprämienstute v. Askari-Colorit-Levisto. Der Pferdehof Schick in Schwittersdorf hat ihn gezogen. Der DSP-Hengst im sportlichen, modernen Typ begeisterte mit seiner Übersicht und Gelassenheit. Er sprang mit großer Lässigkeit und Unaufgeregtheit alles, was ihm in den Weg gestellt wurde. Auf der Auktion brachte er 40.000 Euro.

Geschick, Reflexe und richtig Power zeichneten den dritten Prämienhengst aus, einen Sohn des Snapjet (v. Stalypso-Capan) aus einer Mutter v. Come On-Grand Amour-Favorit. Josefine Riemerschmid aus Reichertsheim war hier Züchterin, Nathalie Gravemeier in Übersee Ausstellerin. Der DSP-Hengst sprang hinten auffallend vorsichtig, und als es einmal nicht 100 Prozent optimal passte vor dem letzten Oxer, hatte er immer auch noch eine Idee, wie er sich helfen konnte. Bei 27.000 Euro fiel für ihn der Hammer.

Weitere auffällige Pferde im Springlot
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Nicht prämiert, aber 100.000 Euro teuer: der Calido-Sohn mit der Nummer 4 bei den Hengsttagen des Deutschen Sportpferdes 2019. (© Schreiner)

Eines der Qualitätspferde, von denen André Thieme gesprochen hat, war sicherlich auch der Schimmel mit der Katalognummer 5, ein Holsteiner Sohn des Calido, der bei Juliane Stöckel in Wallersdorf zur Welt kam und von Josef Weishaupt (Jettingen) ausgestellt wurde. Die Mutter Valesca v. Cristo-Landgraf-Marlon xx war selbst erfolgreich bis zur Klasse M. Sie schickte einen Sohn, der insgesamt noch recht jugendlich wirkte. Aber er wusste mit seinem Körper umzugehen. Schon im Trab an der Hand offenbarte er eine hohe Elastizität, die sich auch an den Stangen zeigte. Federleicht flog er über alle Abmessungen. Dabei wirkte er sehr besonnen, sah hin und reagierte. Tolles Springpferd! Und eines von zwei Springpferden, die ihren neuen Besitzern einen sechsstelligen Betrag wert waren: 100.000 Euro.

Viel Pferd für seine drei Jahre und dazu noch ein echter Temperamentsbolzen war die am Ende 42.000 Euro teure Katalognummer acht v. Cicero Z-Balou du Rouet-Nektar/T.-Kolibri (Z.: Steffen Rosenau, Ballerstedt, A.: Antje Wieneke, Kalbe/Milde). Der Braune hatte ganz offensichtlich das, was ein gutes Springpferd mindestens so auszeichnet wie sein Vermögen: die richtige Einstellung. Er schien es gar nicht abwarten zu können und sprang zunächst noch recht stürmisch in die Freispringgasse. Aber als die Hindernisse höher wurden, schaute er genauer hin und zeigte die Reaktionen, die Springreiter sich wünschen.

Der KWPN-Hengst mit der Katalognummer 15 (A.: Hengststation Wilbers-Stücker) vereinigte in seinem Pedigree einiges, was für Springtalent steht: Diamant de Semilly-Cassini-Acord II-Corrado. Er kommt aus demselben Mutterstamm wie ein Cornet Obolensky und der mit Daniel Deußer erfolgreiche Cassini Bay. Und dementsprechend sprang er auch – seine Sätze ließen einem den Mund offen stehen. Das wirkte mitunter schon fast etwas übertrieben. Aber er sprang von Anfang bis Ende in dem Stil. Eine Prämie erhielt er nicht. Dafür avancierte er zum zweiten 100.0000 Euro-Springpferd.

Mit der Nummer 20, einem Hannoveraner v. Cornet’s Boy-Clinton-Pilot-Polydor (Z.: Heinz Baumanns, Issum), hatte die Hengststation Wilbers-Stücker noch einen weiteren tollen Springer für München gestellt. Hingeguckt und abgehoben, könnte man hier zusammenfassend sagen. Der Preis für den dunklen Schimmel: 73.000 Euro.

Aus demselben Hause stammte auch der ebenfalls gekörte Hengst mit der Nummer 30, einer von drei Söhnen des belgischen Stempelhengstes Vagabond de la Pomme, der ja auch selbst auf Fünf-Sterne-Turnieren super erfolgreich war. Mit diesem Hannoveraner aus der Zucht von Jens Dummeyer hatte Wilbers-Stücker einen richtigen Kraftprotz nach München geschickt, in diesem Fall aus einer selbst bis Klasse S erfolgreichen Mutter v. Landclassic-Grosso Z-Absatz. Auch dieser Hengst wurde seinen Ahnen gerecht über den Stangen, war mit 19.000 Euro aber verhältnismäßig günstig.

Die Springhengste wurden in München wirklich auf Herz und Nieren getestet. Wobei für einzelne Hengste die aktuelle Grenze der Belastbarkeit mehr als nur erreicht zu sein schien. Sie wuchteten sich mit krampfigen Sätzen über den letzten Oxer, obwohl sie zuvor flüssig und mit guter Manier Runde um Runde gedreht hatten.

Die Dressurhengste

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Der Dressursieger 2019 in München v. De Kooning-Destano (© Schreiner)

Der Siegerhengst Dressur war nicht verkäuflich, ein Sohn des De Kooning aus einer Destano-Harvard-Rubinstein-Mutter, gezogen von Konrad Mensch in Erolzheim, ausgestellt von Heinrich Ramsbrock, Menslage. Der Rappe zeigte sich äußerst elastisch und insbesondere an der Longe sehr geschmeidig. Ein weiterer De Kooning-Sohn wurde prämiert, war aber ebenfalls unverkäuflich: der Westfale mit der Katalognummer 51, den Heinrich Ramsbrock selbst aus einer Christ-Royal Blend-Glückspilz-Tochter gezogen hat.

Teuerster aller Hengste wurde mit 300.000 Euro einer von drei Buckingham-Söhnen: die Katalognummer 44, die bei Martin Honigfort in Haselünne-Klosterholte zur Welt kam und von Antonius Schuze-Averdiek ausgestellt wurde. Die Mutter, Staatsprämienstute Sunshine, ist eine Sir Donnerhall-De Niro-Weltmeyer-Tochter. Der großrahmige Dunkelbraune (1,70 Meter Stockmaß) bewegte sich mit großer Erhabenheit und natürlicher Kadenz in Trab und Galopp. Dabei arbeitete sein Hinterbeinkraftvoll unter den Schwerpunkt. Und er hatte etwas, was man in der Breite vermisste bei den Dressurhengsten: einen geregelten, raumgreifenden Schritt.

Der niederländische Championatshengst Apache war auch in München mit einem Sohn vertreten, der prompt prämiert wurde: die Katalognummer 33 aus einer Lord Falo S-Cabaret-Campari M-Mutter, der Halbschwester zum im Süden sehr erfolgreichen Sandbrink v. San Amour. Sabine Reisenauer aus Uhingen war Züchterin und Ausstellerin des Rappen, der mit viel Takt, Abdruck und Elastizität punktete. Außerdem hatte er einen geregelten Schritt mit befriedigendem Raumgriff. Allerdings hätte man dem Hengst vielleicht eine Idee mehr Aufsatz gewünscht und über weite Strecken klemmte er den Schweif ein oder streckte ihn gerade nach hinten weg. Sein Preis: 45.000 Euro.

Der Bundeschampionatssilbermedaillengewinner Bon Coeur hatte ja auch schon auf anderen Körplätzen für Aufsehen mit seinem Debütjahrgang gesorgt. In München hatte er drei Hengste im Lot, die allesamt gekört wurden und einer auch noch prämiert: der mit der Nummer 38 aus einer Rotspon-Lauries Crusado xx-World Cup-Mutter. Die Zuchtgemeinschaft Schmitz-May hat ihn gezogen, Aussteller war Familie Casper vom Gestüt Birkhof. Der Rappe überzeugte insbesondere an der Longe, ging altersgemäß lang ausgebunden und präsentierte sich schon mit schon sehr guter Balance, wobei er Takt und Kadenz mühelos halten konnte.

Auch Millennium war in München vertreten, diesmal sogar schon in zweiter Generation über den einstigen Oldenburger Siegerhengst Morricone, dessen Kandidat im Körlot allerdings kein Go für die Zucht erhielt. Anders die drei Millennium-Söhne. Sie wurden allesamt gekört und einer prämiert: die Nummer 72 aus einer Mutter v. San Amour-Sir Oldenburg-Florestan (Z.: Bernhard Schumm, A.: Gestüt Sprehe GmbH). Beim Freilaufen zeigte der Rappe sich noch recht hektisch und stark unter Spannung. Deutlich besser wurde es an der Longe als er allmählich zum Loslassen kam und dann auch der Schritt an Raumgriff gewann. Die Mechanik und Aktivität des Hinterbeins waren ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Apropos erhaben – so zeigte er sich am letzten Tag, als er zur Versteigerung durch die Halle trabte und am Ende für 100.000 Euro zugeschlagen wurde.

Last but not least ging eine weitere Prämie an den einzigen Sohn des Sir Heinrich im Aufgebot. Michaela Kaldewei aus Ahlen hat diesen Hannoveraner aus einer De Niro-Lauries Crusador xx-Damenstolz-Mutter gezogen. Der Hengst zeigte den vielleicht besten Schritt des gesamten Lots und zeigte sich insbesondere an der Longe überzeugend mit aktiv unter den Schwerpunkt fußendem Hinterbein und losgelassener Selbstverständlichkeit. Wie auch die beiden anderen prämierten Ramsbrock-Hengste war auch er nicht zu kaufen.

Schreiner

Die Münchener 300.000 Euro Preisspitze v. Buckingham. (© Schreiner)

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