Holsteiner Verband: Christian Dietz und Dr. Günther Friemel zurückgetreten

(© Holsteiner Verband)

Vor wenigen Tagen schickte der Holsteiner Verband eine Mitteilung, dass die Delegiertenversammlung zwei Vorstandsmitgliedern das Vertrauen ausgesprochen hat, bei denen es Uneinigkeit wegen Provisionszahlungen gegeben hatte. Nun haben jene Vorstandsmitglieder die Konsequenzen aus dem Unmut vieler Züchter gezogen.

Es handelt sich um Dr. Günther Friemel, der neben seiner Tätigkeit im Vorstand auch als Auktionator fungiert, sowie Christian Dietz. Es heißt es habe „Ungereimtheiten“ bei Provisionsanfragen von Christian Dietz gegeben. Diese Provisionsanfragen seien sowohl durch den ersten Verbandsvorsitzenden, Thies Beuck, als auch den zweiten Vorsitzenden, Timm Peters, genehmigt worden. Unter anderem sei es um die Frage gegangen, ob Vorstandsmitglieder für „das Beibringen von Neukunden“ Provisionen erhalten können.

Nachdem alle Beteiligten die Geschehnisse aus ihrer Sicht geschildert hatten, wurde abgestimmt und sowohl Dietz als auch Friemel mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit in ihren Ämtern bestätigt.

Unmut von allen Seiten

Noch am selben Abend zog Dr. Jan Lüneburg, langjähriger Vorsitzender und bis dato noch immer Mitglied des Vorstands, die Konsequenten aus dieser Entscheidung und trat von seinem Amt zurück.

Wie das Züchterforum berichtet, ist er nicht der einzige, der mit dem Ergebnis der Abstimmung ganz und gar nicht einverstanden war. So habe Sören von Rönne seine persönliche Mitgliedschaft gekündigt und die Fortschreibung seiner Stuten ausgesetzt. Er habe „in der aktuellen Situation keine Alternative gesehen“, erklärte er dem Züchterforum. Und da war er nicht der einzige.

Rücktritt von Dietz und Friemel

„Einige Züchter hatten ihre Stuten beim Holsteiner Verband abgemeldet“, heißt es auf der Homepage des Verbandes. Darum hätten sowohl Christian Dietz als auch Dr. Günther Friemel ihren Rücktritt erklärt, um „weiteren Schaden vom Holsteiner Verband abzuwenden“.

Die schriftliche Begründung von Dr. Günther Friemel gegenüber dem Verband lautet folgendermaßen: „Ich stehe zu meiner in dieser Versammlung abgegebenen Erklärung. Die Ereignisse nach der Delegiertenversammlung sind mir unverständlich und erschüttern mich. Ich befürchte weiteren Schaden für den Holsteiner Verband. Dieses möchte ich verhindern und erkläre hiermit meinen Rücktritt als Vorstandsmitglied des Holsteiner Verbandes.“

Von Christian Dietz kam folgendes: „Die Dinge die über mich als Mensch gesagt und geschrieben werden, sind nur sehr schwer zu akzeptieren – gefühlt habe ich alles richtig gemacht: Neue Kunden sind zur Herbstauktion gekommen, die Austeller sind glücklich mit dem Verkauf ihrer Pferde, die Kunden in Südafrika sind glücklich mit den neuen Holsteinern im Stall. Nun geht es offensichtlich um andere Dinge, und es gebietet der Respekt vor den Mitgliedern und dem Verband in seiner Gesamtheit sich zurückzuziehen und dem Vorstand die Möglichkeit zu geben, unbefangen die Geschehnisse aufzuarbeiten.“

Das will der Vorsitzende Thies Beuck nun wohl auch tun: „Wir müssen den Rücktritt von Christian Dietz und Dr. Günther Friemel akzeptieren und nun daran gehen, die vor uns gesteckten Ziele weiterzuverfolgen.“

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  1. Jürgen Böge

    Die aktuellen Vorgänge in der Verbandsführung machen es leider erforderlich, das Selbstverständnis des Holsteiner Verbandes als Organisation aller Züchter in Frage zustellen.Dabei gehen die Fragestellungen weit über die aktuellen Vorgänge hinaus.
    Vorstandsmitglieder, Körbezirksvorsitzende, Mitarbeiter und andere Mandatsträger des Holsteiner Verbandes verfügen auf Grund ihrer Tätigkeit über vielfältige Kontakte und Informationen aus Zucht und Vermarktung.
    Es ist deshalb von besonderer Bedeutung, dass diese Kenntnisse und Kontakte in erster Linie im Interesse aller Mitglieder des Verbandes eingesetzt werden und nicht zum eigenen Vorteil.
    Dies erfordert eine hohe persönliche Integrität, aber gerade wegen dieser Integrität und seiner züchterischen Erfahrungen wird man in diese Ehrenämter gewählt.
    Dies ist zweifellos eine sehr anspruchsvolle Interpretation für eine Verbandsführung, aber ohne diesen Anspruch wird die Holsteiner Zucht nicht das bleiben was sie einmal mit diesem Anspruch geworden ist.
    Dabei ist es in der Tat nicht einfach für gestandene Züchter, ein Ehrenamt im Verband zu übernehmen.
    Einerseits wünscht man sich gute und erfolgreiche Züchter, also absolute Pferdeleute in diesen Positionen, andererseits wollen diese den Anschein vermeiden, ihr Erfolg könnte auf ihren Funktionen im Verband beruhen.
    Umso mehr muss man von Mandatsträgern einen Grad an Sensibilität für einen korrekten Umgang mit den Möglichkeiten ihrer Funktion im Verband erwarten.
    Wer nicht bereit ist, sich jederzeit die Frage zu stellen, ob sein Verhalten mit den Interessen aller Verbandsmitglieder vereinbar ist, sollte lieber auf ein Mandat verzichten.

    Um zu den aktuellen Problemen zurückzukehren, ist die Generierung von zusätzlichen Provisionen für Mandatsträger sicher nicht vertretbar, schon gar nicht im Rahmen von Auktionen.
    Die Zustimmung hierfür durch den Vorstand ist nicht nachvollziehbar.
    Im übrigen ist diese Unsitte bei den Auktionen grundsätzlich nicht akzeptabel, sowohl aus Sicht der Aussteller als auch aus Sicht der Auktionskunden.
    Wenn der Holsteiner Verband keine eigenen Kunden im Rahmen seiner Provision beibringen kann und deshalb die Hilfe von Vermittlern benötigt, müsste er sie eben aus seiner eigenen Provision bezahlen.
    Und für den einen Kunden ist es unbefriedigend, weil letzten Endes er diese zusätzliche Provision bezahlen muss und für den anderen Kunden ohne Vermittler unter Umständen ebenfalls, da sein Konkurrent einen finanziellen Vorsprung hätte, wenn er mit seinem Vermittler zusammenarbeitet.

    Also Schluss mit dieser Unsitte.

    Etwas völlig anderes und keineswegs so einfach zu beheben, ist die Frage, ob unsere Verbandsleitung auf allen Ebenen die erforderliche Sensibilität und Bereitschaft besitzt, das Gesamtwohl des Verbandes und seiner Mitglieder vor die eigenen Interessen zu stellen.
    Daran sind nach den aktuellen Vorkommnissen und Stellungnahmen starke Zweifel erlaubt.
    Erst recht, wenn man hört, wie die Delegierten auf die letzte Versammlung „vorbereitet“ wurden.
    Nicht einmal die Bereitschaft, den Vorgang gänzlich aufzuklären, ist vorhanden.
    Wenn die Vorgänge zur letzten Versammlung nicht aufgeklärt waren, hätte man dort niemals die Vertrauensfrage stellen dürfen.
    Aus den bisherigen Verlautbarungen ist keinerlei Einsicht, Zweifel oder gar Reue bei den Beteiligten erkennbar.
    Stattdessen wird über einen Verhaltenskodex geredet, wo es doch völlig ausreichend wäre, sich einfach nur anständig zu verhalten.
    Aber, wenn man das nicht mehr weiß, braucht man vielleicht doch einen Ehrenkodex.
    Zuallererst wäre es aber schon hilfreich, wenn die Verbandsleitung den Mitgliedern mit Offenheit und Transparenz begegnen würde.
    Der Verband hat eine Webseite und mit „Pferd und Sport“ ein Hausorgan. Dort könnte man alle Mitglieder zeitnah und umfassend informieren, statt verdruckste Kurzmitteilungen mit lauter Andeutungen zu veröffentlichen.
    So entsteht eine Welle von Gerüchten und Spekulationen, die für alle Beteiligten, auch die in diesem Fall Betroffenen, fatal ist.
    Diese Offenheit und Transparenz sollte übrigens für alle Bereiche des Holsteiner Verbandes gelten, auch für seine wirtschaftlichen Vorgänge.
    Und wenn diese Transparenz gegeben ist, können wir uns wieder den wichtigen Problemen unserer Zucht zuwenden, nämlich wie es uns gelingen kann, unser Niveau als weltweit anerkannte Springpferdezucht zu verbessern und seine Vermarktung.

    Jürgen Böge

  2. Jürgen Böge

    Mein obiger Kommentar ist in vielen Netzwerken verteilt worden und ich möchte mich für die vielen Gespräche und Rückmeldungen bedanken, die alle positiv waren, aber auch alle mt der selben Frage endeten:
    Und wie geht’s jetzt weiter?

    Die letzte Mitteilung der Verbandsleitung auf der Webseite erweckt nicht den Eindruck, als ob dort Einsicht für eigene Fehler vorhanden ist. Vielmehr möchte man lediglich ein paar neue Vorstände benennen und dann weitermachen.

    Das darf nicht sein.

    Rücktritte von frustrierten und ehrenwerten Mitgliedern helfen in dieser Situation nicht weiter, im Gegenteil sie schaden nur.

    Gebraucht werden vielmehr konstruktive Vorschläge und Ideen für Veränderungen.

    Das Problem des Holsteiner Verbandes ist nicht nur das individuelle Fehlverhalten einzelner Funktionsträger, sondern ein Versagen der gesamten Organisationsstruktur.
    Das System aus Vorstand an der Spitze, Delegierten in der Mitte und den Mitgliedern ganz unten ist hierarchisch und einer eher genossenschaftlichen Organisation unwürdig.
    In Verbindung mit fehlender Transparenz schafft es Abhängigkeiten und ist für Manipulationen und Mißbrauch, wie im aktuellen Fall sehr anfällig.
    Der Informationsfluß vom Vorstand zu den Delegierten und den Mitgliedern wird kontrolliert und eingeschränkt.
    Die Kontrolle des Vorstandes durch die Delegierten konnte deshalb nicht funktionieren und die Mitglieder werden konsequent von allen Informationen und Entscheidungen ausgeschlossen.
    Dabei sind es die Mitglieder, die den Holsteiner Verband bilden und das wirtschaftliche Risiko tragen.

    Die Mitglieder sind der Holsteiner Verband und ihnen gebührt die letzte Entscheidung über alle Angelegenheiten des Verbandes.

    Dazu bedarf es jedoch einer Änderung der Organisationsstruktur und der Satzung des Holsteiner Verbandes.
    Deshalb sollten die Mitglieder in den nun anstehenden Körbezirksversammlungen auf folgende Punkte dringen:
    1.
    Die vakanten Vorstandsposten werden vorerst nicht neu besetzt.

    Gemäß Satzung ist es Aufgabe der Mitglieder, Personen für den Vorstand vorzuschlagen und nicht, wie in der Medienmitteilung des Verbandes angekündigt, Aufgabe von Vorstand und Körbezirksvorsitzenden.

    2.
    Die Delegierten und der Vorstand werden aufgefordert, eine Satzungsänderung herbeizuführen, bei der die jährliche Mitgliederversammlung das entscheidende Organ des Verbandes ist.
    Das Delegiertensystem wird dadurch ersetzt.

    3.
    Hierzu soll vom Vorstand eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, die Vorschläge und Formulierungen für die Satzungsänderung in diesem Sinne erarbeitet. Neben Vorstandsmitgliedern, die sich dieser Zielsetzung anschliessen, sollen hierfür weitere Mitglieder hinzugezogen werden.

    4.
    Die neue Organisationsstruktur und Satzung wird auf einer Mitgliederversammlung im nächsten halben Jahr beschlossen. Auf dieser Mitgliederversammlung finden dann auch die erforderlichen Neuwahlen statt.

    Wenn die Körbezirksversammlungen diese Beschlüsse fassen würden und die Delegierten darauf verpflichten, könnte der Holsteiner Verband innerhalb kurzer Zeit eine zeitgemäße und demokratische Struktur erhalten, bei der in Zukunft Transparenz und Kontrolle gegeben sind und die Entscheidungsgewalt endlich da liegt, wo sie hingehört

    – bei den Mtgliedern.

    Jürgen Böge

  3. Sabine Brandt

    Hut ab, Herr Böge,
    das spricht mir aus der Seele.
    So sollten alle unsere Pferdezuchtverbände organisiert sein und ich wünsche den Holsteinern viel Glück für diesen lobenswerten Schritt!
    Sollte man im Norden damit Erfolg haben wird es hoffentlich Vorreiterrolle einnehmen für die längst überfällige Strukturreform aller Verbände bundesweit.


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