Jahrestagung FN Beirat Zucht: Herpes-Impfpflicht auch für Zuchtveranstaltungen empfohlen, neue Pferderasse und mehr

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(© Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN))

Auch der Beirat Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) hat vor Kurzem in Münster getagt. Dort wurden sich auf Neuerungen geeinigt, Bilanzen aus dem vergangenen Jahr und den ersten Veranstaltungen des „Pilotjahrs“ gezogen und wichtige Persönlichkeiten geehrt.

Körungen und (Kurz)-Veranlagungsprüfungen

Diskutiert wurde erneut über die neuen Leitlinien für Tierschutz im Pferdesport (erschienen 2020 hier) und wie sich diese auf das Prozedere von Körungen und der Vorbereitungszeit der Pferde dafür auswirken. Einige Zuchtverbände haben daraufhin die Termine für ihre Körung um eine bis vier Wochen nach hinten verschoben. Andere Verbände wollen sie um ein bis zwei Monate nach hinten verschieben. Klingt nicht viel und könnte sich auch als in der Tat zu wenig erweisen, meint Theodor Leuchten, Vorsitzender des Vorstands Zucht der FN: „Ob das ausreichen wird, muss kritisch hinterfragt werden. (…) Wir sollten den Mut aufbringen, etwas zu verändern.“ Kontrovers bei der Thematik ist vor allem die Frage, wie die eigentliche Vorbereitung der Pferde vor Vollendung des 30. Lebensmonats eigentlich aussehen darf, wenn sie denn – wie es bei vielen Verbänden ja derzeit Gang und Gebe ist – im Alter von 2,5 Jahren bereits zur Körung vorgestellt werden.

Gemeint sind mit dieser Vorbereitung zum Beispiel das Longieren und Freispringen der Pferde. In einem Bund-Länder-Gespräch mit Vertretern von Behörden, Zuchtverbänden und der FN wurde nun ein Programm erarbeitet, das die Situation der Hengstanwärter genauer unter die Lupe nehmen und zunächst für ein Jahr gelten soll. Das Programm umfasst sechs Punkte. Unter anderem sollen Hengsteigentümer und Vorbereitungsställe eine schriftliche Eigenerklärung verfassen, in der sie ihre Art der Vorbereitung des Hengstes erläutern und zusichern. Auch sollen Stallbesuche vereinbart, ein Tierschutzpreis eingeführt sowie eine gemeinsame Abstimmung mit den zuständigen Amtsveterinären eingeführt werden. Nach einem Jahr soll dann Bilanz gezogen werden. Darauf basierend können dann weitere Änderungen der Vorgaben für die Gewöhnungsphase getroffen werden.

Kurz-Veranlagungsprüfungen Stand jetzt: Viel Positives, aber auch Kritik

In die gleiche Kerbe schlägt auch die Diskussion über die Hengstleistungsprüfungen. Da läuft ja bereits die Pilotphase in diesem Jahr 2022. Verkürzte Formen der HLP werden erprobt, um „abzuklären, ob sich die Eindrücke zur Reiteignung bei dreijährigen Hengsten ohne größere Belastung auch bereits in einer zwei- oder dreitägigen Kurzprüfung mit Fremdreiter gewinnen lassen“, rief Dr. Klaus Miesner, Leiter der FN-Abteilung Zucht, bei den FN-Tagungen in Erinnerung. Auch die Vereinbarkeit von Kör- und Kurz-VA-Terminen wird dabei untersucht.

Von dem Format Kurz-VA gab es mittlerweile bereits sieben Veranstaltungen. Danach habe es bereits positive Rückmeldungen gegeben, „aber auch ein paar ernstzunehmende Kritiken“, so Dr. Miesner. Ein erster Erfahrungsaustausch zwischen Zuchtverbänden, beteiligten Sachverständigen und den Hengsthaltern solle in Kürze folgen.

Änderungen in der Zuchtverbandsordnung (ZVO)

Was die FN für Turnierpferde ab 2023 bereits beschlossen hat, wurde nun auch für von der FN durchgeführten Leistungsprüfungen und Bundesveranstaltungen empfohlen: eine Impfpflicht gegen Herpes. Das gilt auch für FN-Bundesschauen, bei denen Pferde eingestallt werden sowie auch für Veranstaltungen der Zuchtverbände selbst, bei denen Pferde vor Ort übernachten. Es sollen dann die Impfbestimmungen der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) gelten. Eine Herpes-Impfpflicht ist bereits jetzt beschlossen, die in den Bereich Zucht fällt: Ab 2023 müssen alle Reitpferdehengste, die an Hengstleistungsprüfungen teilnehmen, gegen Herpes durchgeimpft sein.

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Weitere Neuerungen

Die ZVO definiert ab sofort Pferdenamen, „die dazu geeignet oder bestimmt sind, einen beleidigenden oder herabwürdigenden Charakter zu entfalten“, als unzulässig. Die Zuchtverbandsordnung begrüßt in den deutschen Reitpferdezuchten zudem eine neue Rasse. Das Hannoveraner Halbblutrennpferd ist eine Rasse, bei der seit vielen Generationen Pferde aus Hannoveranern angepaart mit Vollbluthengsten hervorgingen. Es steht nun offiziell in der Liste der Reitpferderassen, bekommt ein Zuchtbuch etc.

Für Ponys, Kleinpferde und Spezialrassen haben sich die jeweiligen Vertreter bei der Jahrestagung auf eine einheitliche Prämienvergabe geeinigt. Bei den Hengsten sind das die Titel FN-Bundesprämienhengst, Leistungshengst, Prämienhengst und Elitehengst. Für die Stuten sind es die Titel Leistungsstute, Prämienstute und Elite-Stute sowie die verbandseigenen Titel der Verbandsprämienstute und der Staatsprämienstute. Die beiden letzteren erfolgen entsprechend der Richtlinien der Bundesländer. Die Vergabe ist abhängig von der Nachkommenleistung und folgt einem Punktesystem.

Wer sein Shetland Pony als solches ins Zuchtbuch eintragen lassen will, sieht sich ab sofort strengeren Kriterien gegenüberstehen. Ab 2022 dürfen nur noch solche Ponys als Shetland Ponys bezeichnet und ins Zuchtbuch eingetragen werden, die erstens selbst sowie auch alle bekannten Generationen davor ohne Tigerfärbung und zweitens ohne „amerikanische“ oder unbekannte Abstammung sind. Trifft das nicht zu, gelten die Ponys nun als Deutsche Part-Bred Shetland Ponys (Ausnahme: reinrassige American Shetland Ponys). Die neue Regelung erfordert auch eine rückwirkende „Umsortierung“ der betroffenen Ponys in das Zuchtbuch Deutsche Part-Bred Shetland Ponys.

Auch für die Isis gibt es Neuerungen. Isländer-Hengste können ab 2023 nur noch gekört werden, wenn bei ihrer Beurteilung neben zwei Materialrichtern des Islandpferd-Reiter- und Züchterverbands ebenso ein Zuchtleiter oder Beauftragter des FN-Mitgliedszuchtverbandes Mitglied der Bewertungskommission ist. Außerdem wurden Mindestnoten bei Hengsten und Stuten für die Aufnahme in das Hengstbuch I – Prämienbuch beschlossen, für die Aufnahme in das Hengstbuch 1 hingegen gestrichen.

Auszeichnungen

Im Rahmen der Tagungen des FN-Beirats Zucht wurde der Zuchtleiter des Verbands der Pony- und Pferdezüchter Hessen ausgezeichnet: Florian Solle. FN-Präsident Hans-Joachim Erbel überreichte Solle in feierlichem Rahmen die Gustav-Rau-Medaille in Silber.

Thomas Hartwig

Florian Solle (rechts) bekommt seine Ehrung von Hans-Joachim Erbel überreicht. (© Thomas Hartwig)

Der studierte Agrarwissenschaftler Florian Solle sammelte durch ein Volontariat in verschiedenen Gestüten und landwirtschaftlichen Betrieben Erfahrungen, die ihn nach seiner Referendarausbildung zum Berater für Tierproduktion in der Landwirtschaftskammer Rheinland qualifizierte. 1991 wurde Solle dann Dezernent für Pferdezucht- und -haltung am Hessischen Landesamt für Regionalentwicklung und Landwirtschaft in Kassel. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Amt des Zuchtleiters betraut, das er bis heute innehat.

Vor 16 Jahren kam es dann zur Fusion des Verbandes der Hessischen Pferdezüchter und Ponyzüchter, 50 verschiedene Rassen betreut Florian Solle seither als Zuchtleiter. Schon mehr als 20 Jahre lang ist Solle zudem beteiligt an der Ausbildung von Zuchtrichtern zuständig. 2001 wurde dies dann ganz offiziell mit der ersten Prüfung für zukünftige Zuchtrichter. Auch engagiert sich Solle in Arbeitskreisen zu verschiedenen Fragestellungen in der Zucht und wohnt dem FN-Rassebeirat der Rassen Haflinger und Fjordpferde bei.

Pferdezucht ist nicht nur sein Beruf, sondern auch private Leidenschaft. So unterstützt Florian Solle seine Frau in ihrer „kleinen aber feinen“ Zucht von Deutschen Reitponys und Warmblütern mit holsteinischen Blutlinien.