Körung Holstein – Cassilano-Sohn Siegerhengst, teuerster Hengst nach Italien

20 von 61 vorgestellten Hengsten erhielten in der Holstenhalle
Neumünster ein positives Körurteil, bis ein Springpferd kam, das die
Zuschauer zu Applausstürmen motivierte, musste man lange warten. Den
meisten Beifall erzielte der letzte Hengst, der auch der teuerste in der
Versteigerung war. Sieben Hengste wurden prämiert. Bei der
Reitpferdeauktion stellte Diarado das Spitzenpferd.

Der Siegerhengst Caracho bewegt sich locker durch den Körper und sprang gut. Eine herausragende Spitzenbegabung für eine der beiden Disziplinen ließ er aber nicht erkennen. Er sei der kompletteste Hengst des Jahrgangs gewesen, so Hans-Joachim Asbahs, der Vorsitzende der Holsteiner Körkommission in seinem Fazit. Die vielseitige Ausrichtung mag dem Mutterstamm geschuldet sein. Die Urgroßmutter des Körchampions ist die Großmutter des Vielseitigkeits-Olympiasiegers von 2008, dem Schimmel Marius v. Condrieu xx, der mit Hinrich Romeike eines der bestimmenden Buschpferde des vergangenen Jahrzehnts war. Außerdem hat der Holsteiner Mutterstamm 730B auch die legendären Deckhengste Caletto I und II sowie die Vererber Carpaccio hervorgebracht und auch das international hocherfolgreiche Springpferd Lacrimoso von Patrice Delaveau/FRA gehört zur Verwandtschaft.
Züchter des Siegerhengstes ist Jens Ritter, Krumstedt. Er hat auch den Vater von Caracho, Cassilano v. Cassini-Laveletto gezüchtet. Der siebenjährige Braune war 2009 ebenfalls Siegerhengst der Körung und steht mittlerweile auf dem Gestüt Birkhof in Baden-Württemberg. Züchter Ritters hat Carachos Mutter erfolgreich in S-Springen an den Start gebracht. Sie, und das macht den Champion von der Papierform her betrachtet besonders interessant, ist eine Tochter des internationalen Springhengstes Quick Star. Dieser Selle Français Hengst ist auch Vater von Pferden wie dem 2014er Vize-Weltmeister im Springen, Orient Express/Patrice Delaveau/FRA, oder Big Star, der unter Nick Skelton/GBR den Großen Preis von Aachen gewonnen hat. (Mehr zu den großen Hengstlinien lesen Sie übrigens in der kommenden Dezember-Ausgabe des St.GEORG). Caracho, der nicht zum Verkauf stand, wird züchterisch beim Holsteiner Verband seinen Einstand geben.

Reservesieger wurde ein sich elastisch bewegender und am Sprung viel Klasse offenbarender Sohn des Dressurhengstes Lorentin, Lorentins Best (M.v. Cornetto-Tin Rocco, Z.: Pia Grün, Neu Isenburg). Der Hengst war in vielerlei Hinsicht ein typischer Sohn seines Grand Prix-erfolgreichen Vaters Lorentin: Ein wacher Brauner mit leicht eingestecktem Hals und viel Knieaktion. Am Sprung zeigte er äußerst schnelle Reflexe und sprang vorbildlich durch den ganzen Körper. Im Trab hätte man sich noch mehr Schluss von hinten gewünscht, was vermutlich der Atmosphäre in der Holstenhalle geschuldet war: Viel Applaus von den wenigen Zuschauer, die trotz der Ankündigung, dass nun Halbblüter und dressurbetont gezogene Hengste vor der Mittagspause an der Reihe seien, nicht in Richtung Restaurant ihre Sitze verlassen hatten. Schon die Mutter des Reservesiegers, der ebenfalls nicht auf der Auktionsliste stand und 2015 und 2016 in Elmshorn beim Holsteiner Verband als Hengst stehen wird, ist bis S-Dressur erfolgreich am Start gewesen.

Die Zuschauer, die ausgeharrt hatten, sahen auch den zweiten Reservesieger, einen äußerst formschönen Halbblüter v. Ibisco xx-Cassini II namens Ikarus. Der Fuchs aus dem Stamm 741 (Die Hengste Cardento, Leandro und Daniel Wills Colore gehören zu dieser Familie) wurde bei Elke Pahl in Alt-Duvenstedt gezogen. Er sprang nicht so, wie man sich das von einem Holsteiner wünscht, dafür bewegte er sich in allen drei Grundgangarten äußerst geschmeidig, einziges Manko: der schöngemachte Fuchs war vorne wie hinten recht lang gefesselt. Bei ihm landete der Auktionshammer bei einem Gebot von 45.000 Euro auf dem Pult.
Spektakulär fiel der Zuchtversuch mit dem Selle Français-Hengst Zirocco Blue v. Mr. Blue-Voltaire-Le Tot de Semilly aus. Der Schimmelhengst ist international mit dem niederländischen Mannschaftsweltmeister Jur Vrieling unterwegs und hat gerade vor zwei Wochen das Marco Kutscher, Vrieling siegt mit Nachwuchspferd“ href=“https://www.st-georg.de/?p=46586″>Weltcupspringen in Oslo gewonnen und war eine Woche später mit dem Zehnjährigen Vierter in Helsinki. Dem Anfangsbuchstaben Z geschuldet musste man bis zum Ende warten, um die beiden Söhne des Schimmels beim Freispringen zu erleben da war es schon nach 18 Uhr, begonnen hatte das Programm um halb neun in der Frühe. Schon der erste Zirocco Blue-Sohn, Zuccero, ließ aufhorchen. Hanno Koehncke hat ihn in Badendorf aus einer Caretino-Contender-Stute gezogen und an den Holsteiner Verband verkauft. Er entspringt damit der Familie des dreifachen Derbysiegers Collin/Toni Hassmann (Stamm 4359). Blitzschnell zog der Dunkelschimmel die Beine weg, über jedem Sprung, egal, was da stand. Technik und Vermögen verdienten mindestens zwei Sternchen im Katalog.

Sein väterlicher Halbbruder Zornell (VIDEO siehe unten), bei Karl Heinz Peters, Woehrden, aus einer Colman-Lord-Mutter gezogen (Stamm 730 B dieselbe Familie wie der Siegerhengst Caracho) und von Sven Völz aus Bienbüttel ausgestellt, sprang noch ein Quäntchen spektakulärer, mit viel Übersicht trotz des tosenden Beifalls aus der Südkurve, war noch großliniger als sein Halbbruder und verdiente drei Sternchen für Vermögen, Technik und Einstellung. Er wurde prämiert und für den Spitzenpreis von 185.000 Euro nach Italien verkauft.

Zweitteuerster Hengst war der ebenfalls prämierte Chepettano, über Vater Chepetto ein Enkel von Otto Beckers Weltcupsieger Cento. Züchterin Christiane Tropschug aus Bokel konnte sich zunächst darüber freuen, dass sich ihr hochbeiniger Schimmel im Verlauf des Freispringens mit wachsender Losgelassenheit immer besser präsentierte. Dann dürfte sie nochmal happy gewesen sein: Chepettano kostete 105.000 Euro und wurde nach Polen verkauft. Er wird aber auf der Station Hell in Klein Offenseth bei Elmshorn stationiert. Dort wird auch der siebte Prämienhengst, der Fuchs Conditus v. Casall-Contender-Lord, mütterlicher Halbbruder des gekörten Hengstes Ci Ci Senjor (Z.: Tobias Klein, Borken) stationiert. Dieser Fuchs war der einzige Casall-Sohn im Prämienlot. Der Jahrgang des WM-Vierten, der die Körentscheidungen der vergangenen Jahre maßgeblich geprägt hatte, fiel in diesem Jahr schwach aus. Unterschiedlich in der Typausprägung und beim Freispringen auch nicht von der Qualität, die man sich von einem Junghengst erwünscht. Holsteins Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen: Wir wissen ja, dass das Freispringen nicht unbedingt die letzte Aussagefähigkeit hat. Will sagen: Manch einer der Casall-Söhne dürfte dann hoffentlich unter dem Sattel ein besseres Bild abgeben.

Die zwölf gekörten Hengste, die zur Auktion angemeldet waren, kosteten im Durchschnitt 62.250 Euro. Unter den gekörten Hengsten fiel ein schicker Sohn von Dressur-Vizeweltmeister Damon Hill aus einer Loutano-Mutter auf, er stand im Besitz des Holsteiner Verbandes und war nicht zu verkaufen. Für 52.000 Euro wurde ein hellbrauner Sohn des unter Hans Dieter Dreher bereits in Global Champions Tour Springen erfolgreichen Quiwi Dream (M.v. Caretino) versteigert. Er wird im Landgestüt Marbach sein Zuchtdebüt geben. Für jeweils 40.000 Euro wechselten Söhne von Calido und Larimar in die USA.
Teuerster nicht-gekörter Hengst war ein äußerst vorsichtig und vermögend springender Sohn des Numero Uno aus einer Corofino-Mutter (Z.: Dr. Peter Rosbach, Oberbrechen), der das Auktionsrund mit einem Zuschlagpreis von 75.000 Euro verließ. Nicht gekörte Holsteiner kosteten im Schnitt 18.423 Euro.

Reitpferde
27 Reitpferde kosteten im Durchschnitt gut 43.700 Euro. Spitzenpreis: 110.000 Euro Dito v. Diarado-Canturo, ein mütterlicher Halbbruder zu dem gekörten Hengst Crunch. Der Vierjährige (Z.: Günter Roskothen, Satrup) war bereits erfolgreich in Springpferdeprüfungen der Klasse A an den Start gegangen. Der Wallach wird zukünftig von dem australischen Springreiter Chris Chugg sportlich herausgebracht. Er, wie auch der zweitteuerste Kandidat, der vierjährige Conect v. Catoki-Carpaccio (Z.: Claus Delfs, Steinburg), der für 90.000 Euro an Interessenten aus der Türkei versteigert wurde, stammte aus dem Besitz des Holsteiner Verbandes. Conect wird im Stall von Dietmar Gugler weiter ausgebildet. Ein auffälliges Dressurpferd war die Lantino-Esteban xx-Tochter La Boheme (Z.: Dr. Klaus Gumpert. Grevenkop), die für 72.000 Euro in Deutschland blieb.