Landgestüt Dillenburg: Gutachten sorgen für Hoffnung

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Landgestüt Dillenburg (© Reumann)

Die Zukunft des Hessischen Landgestüts in Dillenburg ist in den vergangenen Wochen ein heiß diskutiertes Thema gewesen. Hessens grüne Umweltministerin Priska Hinz sieht den Betrieb für das Land zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben als nicht mehr erforderlich an und nennt zudem als Schließungsgrund mangelnden Tierschutz. Doch dem widersprachen zwei Gutachter, die auf der heutigen Pressekonferenz ihre Ergebnisse einer umfassenden Analyse vorstellten.

Eine der Gutachter ist Dr. Christiane Müller, Agrarwissenschaftlerin sowie öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Pferdehaltung, -zucht und -sport. Dr. Müller lobte ausdrücklich das Management der Pferdehaltung und sagte: „Es konnten keine Defizite in dem umfangreich erfassten Fragenkatalog festgestellt werden. Alle Bereiche, die den Alltag der Pferde betreffen, und die Pferde selbst, machten einen außerordentlich und überdurchschnittlich guten Eindruck.“ Doch sie sah auch Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel hinsichtlich der Öffnung der Einzelboxen zur Innenseite der Stallgasse oder aber die Schaffung von Fensterboxen im Hengststall.

Das Landgestüt Dillenburg hat Auslaufflächen zur Genüge

„Weitere Verbesserungen zum Angebot der freien Bewegung sind notwendig und auf den stallnahen Hofflächen möglich“, so Dr. Müller weiter, wissend, dass das Gestüt mit allen Flächen und Gebäuden eine Größe von rund 35.500m² umfasst. Dem stimmte der zweite Gutachter, Eckhard Hilker, Architekt und Sachverständiger der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen in vollem Umfang zu.

Er berichtete von einem Ortstermin am 21. Juli, an dem er problemlos feststellen konnte, dass Freilaufflächen für die Tiere zu jedem Zeitraum nachgewiesen werden können. „Die Haltung von Pferden im historischen Baubestand und der außergewöhnliche Standort des Hessischen Landgestüts bieten ein besonderes Umfeld zur Pferdehaltung. In Anbetracht dieser Besonderheiten ist es dennoch möglich, mehr als ausreichende Freilaufflächen für die Schulpferde und Hengste zur Verfügung zu stellen“, lautete das Fazit Hilkers. Gerade einmal etwa 120.000 Euro müssten investiert werden, um die in den Leitlinien geforderten Flächen (150 m²/2 Pferde und 40m² für jedes weitere Pferd) zu schaffen. Hilker ging sogar noch weiter und sagte:

Der Hessischen Landesreit- und Fahrschule und dem Hessischen Landgestüt Dillenburg kann es gelingen, einen innerstädtisch geführten Pferdebetrieb mit Vorbildfunktion zu schaffen.

Fünf FN-Sterne

Michael Lotz, Dillenburgs Bürgermeister und Vorsitzender des Fördervereins Hessisches Landgestüt Dillenburg und ebenfalls Mitglied des heutigen Podiums, betonte des weiteren, dass die FN das Landgestüt als 5-Sterne-Fachschule für Reiten und Fahren ausgezeichnet habe. „Wäre sie hier auf Pferde getroffen, die unter Stress stehen, die verhaltensauffällig wären oder Schmerzen leiden müssten, wäre das sicher undenkbar“, gab Lotz zu bedenken. Am Ende waren sich alle Podiumsmitglieder, zu denen außerdem noch Dr. Harald Hohmann (Vorsitzender des PSV Hessen und Vizepräsident der FN) sowie Klaus-Achim Wendel (Stadtverordnetenvorsteher) gehörten, einig: Das Hessische Landgestüt in Dillenburg kann auch in der Zukunft bestehen und die Pferdehaltung kann keineswegs ein triftiger Grund für die geplante Schließung sein. Eine weitere Verbesserung der Haltung kann durch zusätzliche Bewegungsflächen geschaffen werden. Die Gutachten werden nun der Landesregierung vorgelegt. Bürgermeister Lotz erwartet im Anschluss, „dass wir ergebnisoffen diskutieren und weitere Maßnahmen besprechen können.“

Carolin Tassius

Gesprächsbereitschaft seitens des Landes

Darüber hinaus hatte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, ein Parteikollege der Grünen Umweltministerin Priska Hinz, laut der Frankfurter Rundschau Gesprächsbereitschaft signalisiert, was die Zukunft des Landgestüt Dillenburg angeht. Dazu die Stadtsprecherin Anja Graser: „Grundsätzlich freuen wir uns, dass der Minister Bereitschaft zeigt, über das Gestüt zu reden. Das zeigt eine gewisse Chance, das noch nicht alles entschieden ist.“

Tarek Al-Wazir soll übrigens in einem Interview mit dem hr-Fernsehen gesagt haben, die Stadt Dillenburg hätte es abgelehnt, den Pferden genügend Weideland zur Verfügung zu stellen. Das sorgte für erstaunte Gesichter unter den Dillenburger Stadtoberen. Dem ist ja nicht so. Insofern ist auch diese Aussage Al-Wazirs positiv zu sehen: „Wir müssen Tierschutzgesetze einhalten. Wenn uns die Stadt erklärt, dass sie bereit dazu ist, dann kann man darüber reden.“

Die Umweltministerin Priska Hinz hatte die geplante Schließung des Landgestüt Dillenburg damit begründet, dass die dortige Pferdehaltung gegen das Tierschutzgesetz verstoße.

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