Landgestüt Redefin: Decktaxenregelung bei Nutzung WFFS-positiver Hengste

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Landgestüt Redfin (© www.toffi-images.de)

Das Landgestüt Redefin geht das Thema WFFS (Warmblood Fragile Foal Syndrome) offen an. Hengste, die Träger des Gendefekts sind, dürfen nur an Stuten angepaart werden, die negativ auf WFFS getestet sind. Besonderer Service: Die Kosten für den Test trägt das Landgestüt in Mecklenburg. Leiterin Antje Kerber hat gute Gründe, so vorzugehen.

Der Gendefekt WFFS beschäftigt auch weiterhin die Züchter. Beinahe im Stundenrhythmus kommen neue Meldungen über WFFS-positive Hengste. Seit 2019 müssen die Zuchtverbände den Status der bei ihnen aktuell zur Zucht zugelassenen Hengste veröffentlichen. So will es eine Ende letzten Jahres beschlossene Änderung in der Zuchtverbandsordnung (ZVO). Noch haben das nicht alle Verbände getan, es wird aber beteuert, dass in den kommenden Wochen dies geschehen soll. Bis dahin seien die Hengstverteilungspläne auf dem aktuellen Stand. Das Landgestüt Redefin hat seinen Bestand getestet. Dabei wurden fünf Hengste als WFFS-Träger identifiziert: Lamarco v. Landcapitol, Balou Peggio v. Balou du Rouet (aus dem gemeinschaftlichen Besitz mit dem niedersächsischen Landgestüt Celle), C-Mocca d’Or v. Monte Bellini, der Junghengst Top Level v. Top Gear und der ehemalige Vize-Weltmeister der Jungen Dressurpferde D’Olympic v. Donnerhall.

Bewährte Gene trotz WFFS erhalten

WFFS gibt es schon lange, nur dass bis zum Frühjahr 2018 kaum von dem Gendefekt Notiz genommen wurde. Unter den nun als Träger des Gendefekts erkannten Hengste befinden sich einige „Big Names“. Diese Hengste, teilweise mit Nachkommen, die international erfolgreiche Sportpferden sind, werden nun von vielen Züchtern in einem anderen Licht gesehen. Das Landgestüt Redefin hat nun auf seine eigene Weise reagiert:

„Es gibt zahlreiche Kriterien, die die Qualität eines Zuchtpferdes – Hengst wie auch Stute – ausmachen. Der Gendefekt WFFS ist nur eines davon. Es handelt sich bei dem zuständigen Gen um ein rezessiv erbliches Gen, d. h. nur wenn beide Elternteile Anlageträger sind, kann aufgrund der Gendefekte ein lebensunfähiges Fohlen geboren werden (mit einer Wahrscheinlichkeit von 25%, Variante A). Dass es das zwingend zu vermeiden gilt, ist fester Bestandteil unseres Verständnisses von Tierwohl und Ethik.“

St.GEORG

Der autosomal-rezessive Erbgang des WFFS. (© St.GEORG)

Damit positioniert sich das Landgestüt deutlich. Dem ist ein ausführlicher Gedankenaustausch in Redefin vorausgegangen, betont Antje Kerber, Leiterin des Landgestüts Redefin, „Wir selbst haben bei uns im Bestand fünf WFFS-positive Landbeschäler. Darunter befindet sich mit D’Olympic ein Hengst mit äußerst erfolgreicher Nachzucht. Er hat züchterisch nachhaltig positive Akzente in der Landespferdezucht und über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus gesetzt. Um solchen Hengsten bei den nun teilweise verunsicherten Züchtern auch weiterhin die Chancen einräumen zu können, die sie verdient haben, haben wir uns entschlossen transparent mit dem Thema WFFS umzugehen. Gerade die Vererbungsleistung des nun 25 Jahre alten D’Olympic zeigt, wie segensreich ein Hengst in der Pferdezucht wirken kann, auch wenn er, wie wir seit einigen Wochen wissen, dieses besondere Gen in sich trägt. Und der konkrete Fall zeigt unserer Meinung nach darüber hinaus auch, wie falsch es wäre, aufgrund des nun neuen Wissenstands erfolgreiche Gene abzuschreiben.“


D’Olympic v. Donnerhall-Cor de la Bryère war Vize-Weltmeister der jungen Dressurpferde. Er selbst hat Erfolge bis Klasse S in der Dressur bis Grand Prix Special aufzuweisen. 2018 waren mehr als 300 seiner Nachkommen als Sportpferde bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) eingetragen. 16 davon hatten Erfolge in Springen der Klasse S, zwei in S-Dressuren und eines vor dem Wagen. Entsprechend wurden Zuchtwerte für den Hengst errechnet, die ihn sowohl im Dressur- als auch im Springbereich als einen klar überdurchschnittlich vererbenden Landbeschäler kennzeichnen. Hinzukommt, dass er auch mehrere in internationalen Vielseitigkeitsprüfungen erfolgreiche Pferde gezeugt hat. Züchterisch stehen für ihn über 180 Zuchtstuten, darunter knapp 50 Staatsprämienstuten, und sieben gekörte Söhne verzeichnet.


Redefiner Serviceangebot für den WFFS-Test

Die Überlegungen im Landgestüt Redefin bringen dem interessierten Züchter einen finanziellen Vorteil. Die Kosten des Tests seiner Stute(n) kann er in Redefin einreichen und bekommt sie anschließend mit der Besamungspauschale verrechnet:

„Möchte eine Züchterin/ ein Züchter eine Stute an einen WFFS positiven Landbeschäler anpaaren, so muss die Stute zwingend zuvor auf das WFFS-Gen getestet werden. Bei Vorlage des negativen Testergebnisses (Variante B) und der Rechnung des untersuchenden Labors erhält die Züchterin/ der Züchter das Sperma für die Stute und einen Rabatt auf die Decktaxe in Höhe der Laborkosten für die WFFS-Untersuchung. Ist die Stute positiv getestet, erhält die Züchterin/ der Züchter von dem ebenfalls positiv getesteten Hengst kein Sperma. Entscheidet sich die Züchterin/ der Züchter für einen anderen, negativ getesteten Redefiner Landbeschäler, so erhält sie/ er bei Vorlage des positiven Testergebnisses und der Rechnung des untersuchenden Labors ebenfalls einen Rabatt auf die Decktaxe in Höhe der Laborkosten für die WFFS-Untersuchung. Den Züchterinnen und Züchtern des Verbandes der Pferdezüchter in Mecklenburg-Vorpommern empfehlen wir, den WFFS-Test über den Verband zu beauftragen.“

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