Landgestüt Redefin verliert D’Olympic und Nachwuchshengst Fehrbellin

D’Olympic v. Donnerhall (1993-2019)

Redefiner Landbeschäler D'Olympic v. Donnerhall (1993-2019) (© Archiv Landgestüt Redefin)

Das mecklenburgische Landgestüt Redefin meldet den Verlust zweier Dressurhengste: Der Dunkelfuchs D’Olympic, einer der letzten direkten Donnerhall-Söhne und Fehrbellin v. Franziskus leben nicht mehr.

Michael Thieme, langjähriger Leiter der Landesreitschule und der „Mr. Redefin“ im Dressursattel, hat die Karriere des bei Uwe Zielke gezogenen Oldenburgers D’Olympic von Anfang an begleitet. Hier sein ganz persönlicher Abschied von dem Donnerhall-Sohn aus der Vivian v. Cor de la Bryère-Moltke-Farn.:

D’Olympic: Erinnerungen an einen Ausnahmehengst

von Michael Thieme

Der am Heiligen Abend 1993 geborene und als Oldenburger gebrannte Hengst kam noch im Besitz von Paul Schockemöhle als damals Dreijähriger zur Hengstleistungsprüfung nach Redefin und damit unter meinen Sattel. Obwohl eher nur mittelgroß, konnte D’Olympic schnell mein (Reiter-) Herz gewinnen: Vor allem sein unkompliziertes, zugewandtes Wesen und die damit einhergehende Rittigkeit überzeugten mich in kürzester Zeit. In seinem HLP-Jahrgang traf er mit dem später ebenfalls hocherfolgreichen Solero  auf eine Konkurrenz, die zwar auf der Dressurschiene noch auffälliger als er daherkam, doch eben jene herausragende Rittigkeit und besonders auch seine Qualitäten am Sprung – kaum verwunderlich mit Blick auf die auf Cor de la Bryère durchgezüchtete Mutterlinie des erfolgreichen Springpferdezüchters Uwe  Zielke – machten D’Olympic  dennoch zum  Sieger seiner Leistungsprüfung.

Sofort stellt sich die Frage – wie passt da Vater Donnerhall ins Bild? Die Antwort darauf erhielt ich vom Züchter persönlich in Warendorf, als D’Olympic und ich wenige Jahre später stolz im Finale des Bundeschampionats standen:  Herr Zielke verriet mir, dass er „einfach nur“ ein Pferd für seine dressurreitende Tochter hatte züchten wollen. Solch ein Gedankengang kann also auch Grundlage für eine Erfolgsgeschichte sein.

Noch während der laufenden Leistungsprüfung gelang es der damaligen Redefiner Gestütsleitung um Herrn Platzek – wie immer auf der Suche nach vielversprechenden Hengsten – D’Olympic für das Landgestüt und damit für die Mecklenburger Zucht zu sichern. Damit begann sich die Karriere des späteren Elitehengstes stetig wie ein Uhrwerk zu entwickeln.

Dabei sind es nicht nur die späteren großen sportlichen Erfolge, an die ich mich gern erinnere, sondern auch die persönlichen Erlebnisse wie beispielsweise die Fahrt zu D‘Olympics Anerkennung für den Hannoveraner Verband. Ganz allein mit „meinem“ Hengst angereist, ernteten wir im Vergleich zu mehreren Tophengsten aus namhaften Ställen, die mit ihrer Entourage aus Besitzer, Pfleger und je einem Bereiter für Dressur und Springen ihrem Transporter entstiegen,  viel Lob und Beachtung. Die Kurzfassung der Anerkennungsprüfung lautet:  Vormustern – na ja, es gibt Auffälligere. Dressur unter’m Reiter – Oh, der geht ja wie am Schnürchen! Springen – Was, du reitest ihn selbst…? Ja klar, warum nicht! Und  springen konnte D’Olympic wirklich wie kein Zweiter!

Die großen sportlichen Erfolge schlossen sich der gelungenen Anerkennung  an: 1999 Bundeschampionatsfinalist, 2000 Vizeweltmeister der Jungen Dressurpferde in Arnheim (einem Titelkampf wie ein Krimi, über den es viel zu erzählen gäbe, der sich jedoch zusammenfassen lässt als: Wir haben uns gefühlt und wurden gefeiert wie ein Sieger), 2002 Gewinner der Qualifikation für den Nürnburger Burgpokal, 2001/2003/2005 und 2007 Landesmeister Dressur, dazu zahlreiche Siege und Platzierungen bis Grand Prix – fast erst im Rückblick wird mir immer bewusster, wie außergewöhnlich diese stringente Aneinanderreihung an Erfolgen tatsächlich ist.

Zwischen seinem 13. und 15. Lebensjahr zeigten sich bei meinem vierbeinigen Freund leider gesundheitliche Beeinträchtigungen, die seinen weiteren sportlichen Einsatz verhindern sollten. Stattdessen bezog er eine Beschälerbox in der Deckstation Rostock/Kritzmow,  und seine zweite Karriere als Ausnahmevererber nahm ihren weiteren bekannten Verlauf:

Sieben gekörte Söhne und 49 prämierte bzw. staatsprämierte Töchter brachte „mein“ schließlich auch als Elitehengst ausgezeichneter Hengst hervor, 326 im Sport eingesetzte Nachkommen weist seine Vererberstatistik aus. Auf eine deutlich springorientierte Stutengrundlage treffend verwundert es nicht, dass 16 dieser Nachkommen bis Springen der Klasse S zwei Nachkommen bis S-Dressur gegenüberstehen, woraus sich ableitet, dass sich aufgrund seiner mütterlichen Linie die überwiegende Zahl seiner sportlich erfolgreichen Söhne und Töchter im Springsport finden lässt. Nichtsdestoweniger ist gerade seine Erfolgsstatistik in der Vielseitigkeit besonders beachtlich. Mit blutgeprägten Müttern angepaart ist D’Olympic geradezu ein Garant für erfolgreiche Vielseitigkeitspferde, z.B. Don Diego und Donja, beide v. Meerwirbel xx.

Jeder Gedanke an D’Olympic  erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit,  diesem besonderen Hengst begegnet zu sein, und dass ich ihn ausbilden und präsentieren durfte.

Fehrbellin: Nachwuchshengst stirbt nach Unfall

Abschied nehmen musste das Landegstüt Redefin auch von dem sechsjährigen Landbeschäler Fehrbellin v. Franziskus-Quaterback. Das Gestüt schreibt von dem erfolgreichsten „Redefiner Zuchthengst des Jahres 2019“. Nach einem Unfall am 2. September, der Hengst war ausgerutscht, erlag er trotz intensiver tierärztlicher Hilfe seinen Verletzungen.

Hagemeister

Fehrbellin v. Franziskus, Landbeschäler Redefin (2013-2019)

Züchter von Fehrbellin war Lutz Göttert in Kolkwitz-Kunersdorf. Als Absetzer wechselte Fehbellin nach Redefin und wurde dort als Junghengst aufgezogen. 2015 wurde er in Neustadt/ Dosse gekört. Der typstarke Hengst, qualifiziert fürs Bundeschampionat und bis Dressur Klasse M erfolgreich, hatte viele Siegerfohlen gestellt. 2019 war sein Jahr, stellte er doch beide Siegerfohlen bei den dressurbetonten Stut- und Hengstfohlen beim Elitefohlenchampionat in Mecklenburg-Vorpommern!

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