Legendärer Hannoveraner Springhengst Stakkato lebt nicht mehr

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Eva Bitter und Stakkato (© Karl Heinz Frieler)

Der Hannoveraner Stakkato lebt nicht mehr. Unter Eva Bitter hat der Hengst Sportgeschichte geschrieben. Und in der Zucht ist er eine Legende. Er wurde 30 Jahre alt.

Stakkato kam bei August Meyer im niedersächsichen Süstedt zur Welt. Sein Vater Spartan war einer der letzten Vertreter der Hannover S-Linie, die mit Hengsten wie Servus, Stakkatos Großvater, Sender oder Senator Springpferde internationaler Qualität hervorgebracht hat. Die Mutter des Dunkelbraunen, Pia, stammte von Pygmalion-Goldstern ab.

Stakkatos erste Karriereschritte

Das Springtalent des Dunkelbraunen fiel schon früh auf. Bei der Hengstleistungsprüfung wurde Stakkato insgesamt Dritter. Den Springindex gewann er mit über 144 Punkten, in der Dressur rangierte er an neunter Stelle. Mit dem Vornamen „Argelith“ versehen, dem Unternehmen der Familie Bitter, und Eva Bitter im Sattel startet Stakkato schon als Jungpferd recht bald durch. Wobei er seine ersten Springpferdeprüfungen unter Joachim Winter ging, dem ersten Hauptsattelmeister des Landgestüts Celle. Denn der Hengst war Zeit seines Lebens als Celler Landbeschäler im Einsatz. Winter und Stakkato – das passte: acht Starts, acht Siege in Springpferdeprüfungen Klasse A.

Im Sommer 1997 ritt Eva Bitter ihren Hengst das erste Mal auf einem Turnier und gewann auf Anhieb auf dem Dobrock, einem der großen Traditionsturniere im hannoverschen Hochzuchtgebiet zwischen Elbe und Weser. Auch diese Premiere war gleich ein Siegesritt, dem sich noch unzählige anschließen sollten. Erster ganz großes Highlight der gemeinsamen Karriere: Drei Siege in Warendorf beim Bundeschampionat: Einlaufprüfung, Qualifikation, Finale – Bundeschampion 1998!

Im folgenden Jahr wurde es Platz zwei im Finale des Bundeschampionats und im Jahr 2000 debütierte das Paar aus dem Osnabrücker Land in Klasse S. In Hamburg, Wiesbaden und Balve war das Paar platziert, große Plätze, kleckern, nicht klotzen.

Deutscher Meister

Schnell etablierte sich das Paar in der schweren Klasse. 2003 gewann Eva Bitter mit Stakkato die Deutschen Meisterschaften in Gera. 2010 konnte das Dreamteam den Titel in Münster ein weiteres Mal gewinnen. Insgesamt hat der Spartan-Sohn 242.438 Euro in seinem Leben gewonnen. Dabei stellte er sich mehrfach als Stehaufmännchen heraus, überlebt unter anderem Kolikoperationen. Im Juni 2011 ging er sein letztes Turnier bei den Deutschen Meisterschaften in Balve und verabschiedete sich mit einer Platzierung aus dem Sport. Wochen zuvor waren beide noch Teil des deutschen Nationenpreisteams in St. Gallen.

Stakkato: Züchterisch Deutschlands Nummer eins

Schon früh stand fest: Wie der Vater, so die Söhne. Und die Töchter auch. Stakkato-Nachkommen waren für den Parcours geboren. Bereits 2001 wurde der Hannoveraner aufgrund seiner Nachkommen als die Nummer eins der Zuchtwertschätzung Springen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) geführt.

Aktuell haben direkte Stakkato-Kinder mehr als 3,3 Millionen Euro im deutschen Sport gewonnen. 246 von ihnen weisen Sporterfolge in Klasse S im Springen auf. Von seinen 76 in Deutschland gekörten Söhnen sind 64 ins Hengstbuch I eingetragen. 2007 wurde der zum Hengst des Jahres in seinem Heimatzuchtgebiet Hannover ernannt. 2019 schied Stakkato aus dem aktiven Deckeinsatz aus.

Satisfaction war einer der ersten gekörten Söhne, die in schweren Konkurrenzen auf sich aufmerksam machten. Er hat noch zwei gekörte Vollbrüder. Stakkato Gold gehört zu den profiliertesten Söhnen im Deckeinsatz. Er zeugte unter anderem Marcus Ehnings WM-Pferd Stargold.

Auch Stakkatos Töchter waren wertvoll in der Zucht. Eine der prominentesten ist Sensation, die Mutter des Hengstes Perigueux. Mit ihm, so schließt sich der Kreis, wurde Eva Bitter ebenfalls deutsche Meisterin.

Bei Eva Bitter und Marco Kutscher wurde Stakkato umhegt und gepflegt. Mit knapp 30 Jahren wurde er gestern eingeschläfert. Ein Grandseigneur der Zucht lebt nicht mehr.

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