Neue Erkenntnisse zum Gendefekt WFFS

WFFS-Kommentar

WFFS (Warmblood Fragile Foal Syndrome) (© Labolin/www.st-georg.de)

Das Warmblood Fragile Foal Syndrome (WFFS) hat im letzten Jahr für jede Menge Aufregung gesorgt. Aus diesem Grund haben Vetreter mehrerer Zuchtverbände weitere Untersuchungen beim Rechenzentrum vit (Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung) in Auftrag gegeben. Eine umfassende Stammbaumanalyse brachte nun zum Vorschein, wo der Gendefekt vermutlich seinen Ursprung hat.

Der Wirbel um den Gendefekt WFFS will nicht so recht abebben. Anfang 2019 hatte der Westfälische Pferdezuchtverband daher gemeinsam mit dem Oldenburger Pferdezuchtverband und dem Trakehner Verband weitere Untersuchungen durch das Dienstleistungsrechenzentrum vit initiiert. „Dabei ging es um die Frage des Ursprungs und die Überprüfung der Annahme, dass die meisten Merkmalsträger (betroffene Tiere) bereits während der Trächtigkeit abgestoßen und gar nicht geboren werden. Zudem wurde untersucht, ob Anlageträger vielleicht sogar einen Selektionsvorteil besitzen“ heißt es in einem offiziellen Statement auf der Webseite des Westfälischen Pferdezuchtverbandes.

Ursprung beim englischen Vollblut

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA, der Schweiz, Schweden, Dänemark gibt es dokumentierte Fälle von WFFS. “ Dies lässt den Schluss zu, dass die Mutation schon vor langer Zeit und bei einem Vorfahren entstanden sein muss, dessen Genetik sich in allen Populationen verbreitet hat“, schreibt der Westfälische Pferdezuchtverband. Da das englische Vollblut schon seit Beginn des letzten Jahrhunderts zur Veredelung in der Warmblutzucht eingesetzt wird, lag die Vermutung nahe, den Ursprung bei einem Vertreter dieser Rasse zu finden.

Der Verdacht hat sich nun bestätigt: Dank einer Analyse der gemeinsamen Stammdatenbank der Zuchtverbände konnte die Abstammung von 2000 auf WFFS getesteten Pferden ausgewertet werden. Durch den Vergleich der Ahnen von WFFS-freien Pferden und solchen Tieren, die WFFS-Träger sind, konnte man entsprechende Schlüsse ziehen. Die Vollbluthengste Bay Ronald xx (geb. 1893) und dessen Sohn Dark Ronald xx (geb. 1905) tauchten als einzige im Pedigree aller positiv auf WFFS getesteten Pferde auf. Daher geht man davon aus, dass der Gendefekt erstmals bei diesen beiden Hengsten oder sogar noch früher aufgetreten sei.

Zwar kamen Bay Ronald xx und Dark Ronald xx auch in den Stammbäumen fast aller WFFS-freien Pferde vor, jedoch „über deutlich weniger Linien als bei den Anlageträgern.“ Bezug nehmend darauf geht man davon aus, dass der Gendefekt über die Söhne von Dark Ronald xx – vor allem über Herold xx (geb. 1917) und Son-in-Law (geb. 1911) – in die Warmblutpferdezucht gelangte.

Fohlenverluste durch WFFS

In einer Pilotstudie untersuchte man außerdem, ob WFFS auch als Ursache für größtenteils vorgeburtliche (embryonale) Fohlenverluste festgemacht werden kann. Dafür standen die Deckdaten der Verbände Westfalen, Oldenburg und Trakehner aus den letzten zehn Jahren zur Verfügung. Das Ergebnis lautet: „Für WFFS-Anlageträger ließ sich eine Verringerung der Abfohlraten (bzw. des Anteils überlebensfähiger Fohlen) um etwa 3 % gegenüber WFFS-freien Hengsten statistisch absichern.“

Weiterhin heißt es: „Die aktuellen Ergebnisse entsprechen damit genau den Erwartungen und bestätigen, dass WFFS überwiegend im Verborgenen wirkt.“ Daher raten die Verbände unbedingt dazu, alle Deckhengste und Zuchtstuten auf den Gendefekt testen zu lassen. Nur so könne man die Anpaarung von zwei Anlagenträgern vermeiden und im Umkehrschluss gesunde Fohlen erhalten. Die Gefahr, dass ein Fohlen potenzieller Merkmalsträger ist, besteht nur, wenn Stute und Hengst WFFS-Träger sind.

„Aufgabe der Pferdezucht ist es nun, zum angemessenen Umgang mit WFFS zu finden. Mit einer WFFS-freien Population könnte man nach aktuellem Kenntnisstand die Abfohlraten um ca. 3 % steigern. Dies stünde jedoch in keiner Relation zu dem Verlust an genetischer Vielfalt, der mit dem Zuchtausschluss aller aktuell bekannten Anlageträger verbunden wäre. Denn denselben Effekt erzielt man auch durch die konsequente Berücksichtigung des WFFS-Status bei Anpaarungsentscheidungen. WFFS ist – wie andere Erbfehler, die wir bis dato nur noch nicht identifiziert haben – durch gezieltes Testen und Anpaaren in den Griff zu bekommen“, lautet die abschließende Einschätzung.

Das gesamte Statement können Sie hier nachlesen.Nike Tiempo Legend VI FG

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  1. Anne

    Irgendwie komme ich von Ihrem angegebenen Link nicht zu dem versprochenen ausführlichen Statement! Der Link führt wieder auf diese Seite zurück.


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