Zehn Prämienhengste bei Oldenburger Körung 2021, 24 gekört

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Oldenburger Körung 2021 (© www.st-georg.de)

24 Dressurhengste dürfen ab dem kommenden Jahr Oldenburger Stuten beglücken. Von dem zwei Dutzend gekörter Hengste bei der Oldenburger Körung 2021wurden nicht weniger als zehn mit einer Prämie bedacht.

Bei der Oldenburger Körung 2021 wurden Junghengste aus neun Vaterlinien gekört. Sechs davon gingen auf Florestan zurück, fünf auf den Niederländer Ferro und drei auf Donnerhall.

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Von zwei Hengsten wurden zwei Söhne gekört: Bundeschampion Secret, der die mit Abstand meisten Nachkommen zu den Oldenburger Hengsttagen entsendet hatte, und Vitalis. Während es im Trab viele „spektakuläre“ Bewegungsmomente zu sehen gab, war der Schritt eine Gangart, in der das Lot noch viel Luft nach oben hatte. Im Freilaufen gab es mehrere Hengste, die – die Enge der Bahn und die Aufregung der Junghengste mögen auch dazu beigetragen haben – im Galopp in der Tendenz keinen Dreitakt mehr sprangen. Nicht, weil sie hinten hektisch beidbeinig gesprungen wären, sondern weil die Hinterbeine nicht ausreichend repetierten und schlicht zu langsam waren.

Insgesamt hätte man sich ein paar Hengste gewünscht, die etwas weniger „dressiert“ auf ihre Karriere als Dressurpferdevererber der Zukunft vorbereitet worden wären. Einige der Youngster schienen die Nähe des Menschen, der sie auf die Körung vorbereitet hatte, dringend nötig zu haben. Ohne die Bezugsperson wussten sie zunächst nicht mit ihrer Freiheit für den Moment etwas anzufangen.

Oldenburger Körung 2021: Zwei Handvoll Prämienhengste

Zehn Prämienhengste, doppelt so viele wie bei der Hannoveraner Dressur-Körung, stellte die Körkommission heraus. Hier eine Übersicht in alphabetischer Reihenfolge der väterlichen Abstammung.

Brauner v. Farrell-Bon’A Parte-Landsieger I, Z.: Lars Wenke, Varel, Oldenburger

Mit 1,73 Meter Stockmaß einer der größten der Junghengste. Höhepunkt des geschmackvollen Braunen im gewünschten Rechteckformat war der kadenzierte, in Momente des Zauderns schon fast leicht verzögerte Trab dieses Farrell-Sohns aus dem Gestüt Blue Hors. Im Galopp steigerte sich der Braune im Verlauf des Freilaufens. Typmäßig erinnert er an seinen mütterlichen Urgroßvater, den Hengst Johnson. Und die Karriere des Jazz-Sohns, der Monate später auch zum Siegerhengst seiner Zucht in den Niederlanden ausgerufen wurde, hatte einst in Vechta beginnen und mündete ja immerhin im Kürfinale bei den Olympischen Spielen von Rio unter Hans Peter Minderhoud. Außerdem auch noch auf Top-Positionen im Dressurvererber-Ranking der Weltzuchtverbandsvereinigung WBFSH. Im Schritt kam der Braune nicht an die Qualität seines Trabs und Galopps heran.

Brauner v. Floricello-Ampere-Stedinger, Z.: Rainer Lechl, Postmünster, Bayer

Ein Vorderbein, dem man viel Beachtung schenkt, schon weil es stets weit oben in der Luft ist, ist das Markenzeichen dieses Braunen. Noch schmal und jugendlich zog der Hengst seine Runden. Im Hinterbein wünschte man ihm mehr Kraft und Abdruck, was vielleicht seinem Alter geschuldet ist. Das war im Trab so und auch im Galopp achtete man bei dem Hengst vor allem auf das Vorderpferd. Im Schritt ließ er zunächst nicht los und machte im Vorderbein „stapfende“ Bewegungen.

Fuchs v. Foundation-Bretton Woods-Dormello, Z.: Ulrich Brinkhus, Emstek, Oldenburger

Ein kompletter Hengst aus einem uralten Oldenburger Mutterstamm. Der Fuchs machte stets alles richtig. Dynamisch im Trab, bergauf im Galopp, taktsicher im Schritt. Gerade bei dieser Gangart zählte er zu den besten Hengsten im Feld der Oldenburger Körung 2021. Ein Naturtalent, das wirklich nach Naturtalent aussah und schon deswegen gut zu gefallen wusste.

Fuchs v. Fürst Toto-Royal Classic-Fürst Piccolo, Z. Arndt Schwierking, Barver

Ein kompakter, im Körper harmonisch geschlossener Fuchshengst, schon mit viel Hals, ist dieser Junghengst, der eng verwandt ist mit Bowmore, dem zweiten Reservesieger der Oldenburger Körung 2020, der auf dem Gut Wettlkam seine neue Heimat gefunden hat. Im Trab wusste er sich ausdrucksstark in Szene zu setzen, im Schritt war er weniger großzügig bedacht worden.

Brauner v. Indian Rock-For Romance-K2/T., Z.: Andrea Bechheim, Reichshof, Oldenburger

Hochgewettet auf den Titel „Siegerhengst“ bei der Oldenburger Körung 2021 ist dieser Braune, glaubt man den Posts in den Sozialen Medien. 1,74 Meter groß, mit großem Auge und schönem Gesicht beäugt der Hengst sein Umfeld. Lange Beine lassen ihn nahezu als „Quadratpferd“ erscheinen. Besitzer ist Helgstrand Dressage. Das Unternehmen möchte sich auch nicht von dem Pferd trennen, vorerst zumindest nicht. Elastisch im Trab und Galopp vermochte er im Schritt nicht an den Eindruck seiner schwunghaften Grundgangarten anzuknüpfen. Fundamentsfanatiker bemängelten außerdem den Winkel im Hinterbein, der ihm allerdings im Schritt in punkto Übertritt zu Gute kommt.

Rappe v. Secret-Stedinger-Placido, Z.: Felix Poelmann, Barßel

Black Beauty wie aus dem Bilderbuch! Pechschwarz, auf Hochglanz poliert mit einem herrlichen Gesichtsausdruck. Der edelste, eleganteste und bewegungsstärkste der zahlreich in Vechta vertretenen Secret-Nachkommen. Feiner im Genick als viele seiner Geschlechtsgenossen und mit viel Takt und Gummi im Trab. Entsprechend auch die Galoppade. Im Schritt ließ er bei der Beurteilung auf dem Ring los und ging traktrein.

Rappe v. Sezuan-De Niro-Sandro Hit, Z.: Alfons Kramer, Damme

Großlinig und mit viel Mechanik ausgestattet, die er noch nicht immer sicher über seinen schwingenden Rücken koordinieren konnte. Ein Sezuan-Nachkomme mit nicht zu viel Knochen, dafür charmant im Gesamteindruck. Im Schritt ließ es sich von der Atmosphäre in der Halle nicht ablenken.

Rappe v. Suarez-Dante Weltino-Rubinstein, Z.: Nina Sixtensson, SWE-Köping

Noch eine schwarze Schönheit, noch ein Hengst mit vielen Attributen, die man sucht. Der Sohn des Finalisten bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde in diesem Jahr, Suarez v. Sezuan-Desperados-Rotspon, trabte elastisch und wurde groß bei jedem Tritt. Dabei trabte er stets von hinten sicher angeschlossen. Dasselbe Bild auch in der Bergaufgaloppade, stets kräftig aber auch geschmeidig in der Darstellung. Der sicher schreitende Schritt im klaren Viertakt mit gutem Raumgewinn komplettierte den guten Gesamteindruck des Rappen mit 1,70 Meter Stockmaß aus dem Rudilore-Stamm (Rubin Royal, Couleur Rubin …).

Apropos Rubin Royal: Von diesem Altmeister stammte ein interessanter Hengst ab, der im Trab klar zur Spitzengruppe gezählt werden musste. Schon deswegen, weil die Aktion der Hinterbeine stest zu dem passte, was im Vorderbein geschah. Und so soll es ja eigentlich sein, Stichwort Parallelität der Röhren von Vorder- und Hintergliedmaßen.

Dunkelbrauner v. Top Gear-Sandro Hit-Hill Hawk xx, Z.: Margarethe Strohm, Nordhorn

Gibt es ein „Zuviel“ an Mechanik? Beim Hinterbein dieses schmalen, edlen Totilas-Enkels konnte man das meinen. Gerade das rechte Hinterbein wusste beim Freilaufen manchmal nicht so genau wohin. So landeten Sprunggelenk und Knie mehrfach eher hochentlastend an der Seite des Pferdes, statt unter den Schwerpunkt zu fußen. Die Komponenten „junges Pferd“, „lange Beine“, „ungewohnte Atmosphäre“ mögen das erklären. Große Hebel hat der aus einer Halbschwester der Welt Hit-Brüder gezogene „blütige“ Hengst allemal. Allein die Koordination war nicht ganz einfach auf der engen Acht im Rund der Halle des Oldenburger Pferdezentrums Vechta. Beim Schritt  gab es Hengste, die mehr zu bieten hatten.

Dunkelfuchs v. Valverde-Floriscount-Lauries Crusador xx, Z.: Clemens August Graf von Merveldt, Vechta

Die Mutter eine Halbschwester zum Bundeschampion Finest Selection, der Vater Bundeschampion und westfälischer Siegerhengst. Die Mischung macht’s: Ein hochbeiniger, großliniger Dunkelfuchs mit sehr aktivem und gut tragenden Hinterbein. In Trab und Galopp zählte er zur Spitzengruppe des Jahrgangs. Auch er gehört Helgstrand Dressage. Man wird ihn also wohl in den kommenden Jahren in den Nachwuchspferdechampionaten antreffen. Nicht nur in der Prüfung, auch in der Siegerehrung.

Entscheidung am Samstag

Nach dem Longieren waren mehrere Hengste nicht mehr am Freitag zur abschließenden Beurteilung durch die Körkommission erschienen. Ein Hengst fiel wegen akuter Lahmheit beim Freilaufen aus.

Wer Siegerhengst wird, das entscheidet sich am Samstagvormittag bei der Oldenburger Körung 2021 im Oldenburger Pferdezentrum Vechta.

Die offiziellen Ergebnisse finden Sie hier.