Reform der Hengstleistungsprüfung um ein weiteres Jahr verschoben

Deutschlands Pferdezüchter müssen weiter auf eine neue Hengstleistungsprüfung warten. Die für 2015 angedachte Reform ist um ein weiteres Jahr verschoben worden. 2106 soll das neue, mehrgleisig ausgerichtete Modell umgesetzt werden. Auch wenn einige Änderungen schon ab 2015 greifen sollen, hinkt Deutschland einmal mehr den Spring- und Dressurpferdezüchtern im konkurrierenden Ausland hinterher.

Was du heute kannst besorgen … Von wegen! Dass die Hengstleistungsprüfung (HLP) in ihrer jetzigen, erst 2011 reformierten Form gescheitert ist, ist unstrittig. Dass etwas passieren muss auch. Nur noch nicht im kommenden Jahr. Gut Ding will Weile haben, finden die deutschen Verbände und haben nun die neue HLP für das Jahr 2016 angekündigt. Verwaltungsabläufe wie Angleichungen von Satzungen könnten nicht so schnell umgesetzt werden. Immerhin soll ab 2015 kein ungeprüfter Junghengst mehr in Deutschland in den Deckeinsatz gehen, so zumindest der Beschluss. Die angekündigte Reform greift also 2016, damit werden die ersten Fohlen, die unter dem neuen – so die allgemeine Hoffnung, besseren – Eckrahmen entstehen dann 2017 geboren und 2020 angeritten. Gerade rechtzeitig zum Anbruch des dritten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert. Das ist dann wohl der viel zitierte Zuchtfortschritt.

Längst schaut das Ausland zufrieden grinsend auf die Bemühungen der deutschen Zuchtverbände, vielleicht in absehbarer Zeit, Einigung über ein Leistungsprüfungsmodell zu erzielen, das den den Züchtern die Möglichkeit gibt, Hengste einzusetzen, über die Informationen vorliegen, die über den Auftritt der Youngster bei der Körung hinausgehen. Vertreter der Reitpferde-Zuchtverbände und des Vereins Deutscher Hengsthalter waren im Rahmen der Bundeschampionate Anfang September in Warendorf noch einmal zur Diskussion zusammengekommen. Nun, so heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) seien die Rahmenbedingungen fixiert und die letzten Diskussionspunkte fast vollständig geklärt (…) Für einen Start im kommenden Jahr müsste die zukünftige Hengstleistungsprüfungsrichtlinie nach Verabschiedung im Beirat Zucht ausnahmslos von allen Zuchtverbänden noch bis Ende 2014 in deren Satzungen und Zuchtbuchordnungen übernommen werden. Das ist aber nicht für alle Zuchtverbände möglich. Um den Zuchtverbänden Gelegenheit zu geben, ihre Regelwerke anzupassen und Züchter und Hengsthalter im Rahmen der zumeist im Frühjahr stattfindenden Mitgliederversammlungen rechtzeitig und umfangreich zu informieren, wurde vereinbart, die Reform erst zum 1. Januar 2016 in Kraft treten zu lassen. Der Beirat Zucht der FN will die neue Hengstleistungsprüfungsrichtlinie in seiner Dezembersitzung 2014 verabschieden.

Ab 2016 wird es dann folgende Alternativ-Möglichkeiten geben, wie ein Hengst seine Eigenleistung unter Beweis stellen kann:

50-tägige stationäre Langprüfung (für drei- bis siebenjährige Hengste), spezialisiert nach den Disziplinschwerpunkten Dressur oder Springen. Die maximalen Anforderungen enstprechen dabei für die älteren Hengste denen der Klasse L.

Kombination aus 14- bis 16-tägiger Kurzprüfung, die am 1. April eines Jahres beginnt und an Stelle des bisher durchgeführten 30-Tage-Tests tritt, und speziellen Sportprüfungen. Dieses Modell ist drei- und vierjährigen Hengsten vorbehalten. Die Prüfungsgruppe muss mindestens 20 Hengste umfassen, bei Kapazitätsproblemen haben gekörte Henste Vorrang. Innerhalb dieser Prüfungsgruppe soll nach Veranlagungsschwerpunkten unterschiedlich bewertet werden. Nach diesen gut zwei Wochen hat der Hengst aber noch keinen volle Deckerlaubnis (das wäre der Eintrag ins Hengstbuch I). Vielmehr stellt die Kurzprüfung nur den ersten Teil des Leistungstest dar. Es folgt eine verpflichtende und im Alter von vier und fünf Jahren zu wiederholende dreitägigen Sportprüfung für Dressur- oder Springhengste. Diese Hengstturniere sollen zwischen Januar und März an vier Standorten bundesweit durchgeführt werden. Wo genau, muss noch geklärt werden. Die Vierjährigen gehen hier in Aufbauprüfungen Klasse A, die Fünfjährigen entsprechend auf Niveau der Klasse L. Wie oft ein Hengst dort gezeigt werden muss, und wie viele Prüfungen pro Hengst und Jahr vorgesehen sind, wird auch noch in den Gremien diskutiert?

Für Hengste, die weder klar als Dressur- noch als Springpferd firmieren (also vielseitig veranlagte oder hoch im Blut stehende potenzielle Vatertiere): Kombination aus Kurzprüfung (drei- oder vierjährig), plus zusätzliche gesonderte Sportprüfung mit Dressur- und Parcoursanforderungen sowie zwei unterschiedliche Feldprüfungen mit vielseitigem Anspruch. Hier hat die Nurmiprüfung Pate gestanden.

Sporthengste in die Zucht. Auch das geht weiterhin: Hengste, die auf S-Niveau erfolgreich sind oder waren, können zür Körung vorgestellt werden. Ihre Sportresultate werden als erfolgreich abgelegte Leistungsprüfung bewertet.

Theodor Leuchten, Vorsitzender des Rheinischen Pferdestammbuchs und Vorsitzender des FN-Bereichs Zucht, erklärte in der Pressmitteilung: Die Verschiebung der HLP-Reform auf 2016 ist sinnvoll, denn so haben alle Zuchtverbände ausreichend Zeit, ihre Mitglieder zu informieren und die Regelwerke anzupassen. Außerdem bekommen wir im kommenden Jahr ausreichende Möglichkeit, in Teilbereichen des Reformpaketes, wie der dreitägigen Sportprüfung mit Modellcharakter, Erfahrungen zu sammeln.

Eine Änderung greift aber schon 2015: Es gibt zukünftig nur noch vier Hengstleistungsprüfungstationen: Adelheidsdorf am niedersächsischen Landgestüt Celle, das Baden-Württembergische Haupt- und Landgestüt Marbach, das Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse in Brandenburg und die privat betriebene Prüfungsanstalt im niedersächsischen Schlieckau im Landkreis Uelzen. An Standorten wie München, Münster oder in den Landgestüten Redefin, Moritzburg, Warendorf und Zweibrücken wurden bislang in diesem Jahr noch keine HLP durchgeführt, einige 30-Tage-Tests finden aber im Herbst dort noch statt. Deswegen sind die Standorte auch auf der Internetseite Hengstleistungsprüfungen für 2014 noch aufgeführt.
Die verbliebenen vier Prüfstationen dürfen ab 2015 weder eigene Hengste noch der Station zur Pacht, Ausbildung oder Beritt zur Verfügung stehende Hengste prüfen – auch das wird einige Veränderungen mit sich bringen.
Jan Tönjes

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