Springhengst Clinton ist tot

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2005 wurden Dirk Demeersman (BEL) und Clinton Zweite im Großen Preis von Aachen. (© www.toffi-images.de)

Der Holsteiner Starvererber Clinton v. Corrado I lebt nicht mehr. Er ist am Morgen des 12. Oktobers verstorben.

Der Nijhof schreibt auf seiner Facebookseite, dass sie den Holsteiner Spitzenvererber Clinton einschläfern mussten. Der Corrado I-Sohn wurde 24 Jahre alt, genauso alt wie Dressurhengst De Niro, der seit gestern nicht mehr lebt. „RIP Clinton – der König lebt nicht mehr“ – schreibt der Nijhof zum Tod des Schimmels. „Glücklicherweise konnte sich sein ehemaliger Reiter Dirk Demeersman, der ihn weltberühmt gemacht hat, vorherige Woche noch von ihm verabschieden.“

Mit dem heute 53-jährigen Belgier Dirk Demeersman sammelte der Holsteiner, der von Rudolf Wieck in Kellinghusen gezüchtet wurde, bis 2006 etliche Erfolge in schweren internationalen Springen. Erst 2016 erzählte Demeersman in einem Interview mit dem Online-Portal World of Showjumping, dass Clinton sein „once-in-a-lifetime-Horse“ war. „Clinton war das Pferd, mit dem ich am meisten Geld gewonnen habe. Er war nicht der größte Gewinner, aber die Großen Preise, in denen wir an den Start gingen, beendeten wir meistens unter den Top fünf – auf diesem Wege verdienten wir das Geld. Wir waren z.B. 2005 Zweiter im Großen Preis von Aachen und Vierter bei den Olympischen Spielen in Athen 2004.“

Als Fünfjähriger zog der Cor de la Bryere-Enkel in den Stall des Belgiers und schon nach dem ersten Sprung sagte Demeersman damals: „Der bringt mich zu den Olympischen Spielen“ – er sollte Recht behalten. Aber zwischen dem Moment, als Demeersman das sagte und der Teilnahme an den Olympischen Spielen gab es einige Höhen und Tiefen.

Charakterstark, aber willig

„Es gab Tage, da habe ich ihn gehasst, er hat einen so unglaublich starken Charakter“, sagt der Belgier. „Er war schon schwierig im Umgang und es hat mich auch einige Zeit gekostet, bis ich ihn richtig zu reiten wusste. Jeden Fehler, den ich gemacht habe, hat er mir sofort quittiert. Und er hat keinen vergessen. Auf der anderen Seite glaube ich, dass er aus mir einen besseren Reiter gemacht hat, einfach weil er mich dazu zwang, mehr über mich und mein Reiten nachzudenken.“

Im Alter von 13 Jahren verabschiedete Demeersman seinen Partner bei den Weltreiterspielen in Aachen aus dem Sport.

Wie der Herr…

Rau

Marco Kutscher und Clinton-Sohn Cornet Obolensky hier bei den Olympischen Spielen in Hongkong. (© Rau)

Nach der sportlichen Karriere setzte der Corrado I-Sohn ein Ausrufezeichen in der Zucht. 65 gekörte Söhne stammen direkt von ihm ab, darunter auch Cornet Obolensky (Muttervater: Heartbreaker), der unter Marco Kutscher im Sport lief und mittlerweile genauso erfolgreich wie sein Vater, seine Gene weitergibt. Ebenso wie seinem Vater wird auch ihm Charakterstärke nachgesagt. „Genau wie Clinton sind auch seine Kinder keine Pferde, die jeder gerne reitet. Er vererbt eben auch seinen starken Charakter, aber das macht sie am Ende auch aus. In den seltensten Fällen findet man Pferde, die so gut und dann auch noch einfach im Umgang sind. Ich bin froh, dass ich Clinton reiten durfte. Es war ein Traum, ein Pferd wie reiten zu können“, resümiert Demeersman.

Insgesamt hinterlässt der Holsteiner mehr als 1300 Kinder, die zum Teil immer noch im Sport über 1,60 Meter springen. Viele Jahre war er in den Top Ten des WBFSH Rankings, 2016 noch auf Rang 31. Sein Sohn Cornet Obolensky steht aktuell auf Platz drei.

Apropos Kinder: „Ich habe zwei Kinder und Clinton war mein drittes. Unsere Beziehung war wirklich besonders. Er hat mir alles gegeben, wovon ich immer geträumt habe. Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden und hätte nie gedacht, dass ich mal an den Olympischen Spielen teilnehmen würde. Clinton hat meine Kindheitsträume wahr werden lassen.“

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