Süddeutsche Hengsttage: 15 Dressurhengste und 19 Springpferde gekört

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Hengst v. Escolar-Sandreo, Süddeutsche Hengsttage 2018 (© Maximilian Schreiner)

Bei den Süddeutschen Hengsttagen wurde 34 Hengsten gekört. Gut nachzuvollziehen waren die Körurteile bei den 15 Dressurhengsten. Im Lager der Springhengste (19 positive Körbescheide) auch, weitestgehends. Wäre da nicht ein fleischgewordenes Himmelfahrtskommando gewesen, das trotz verkrampfter Gewaltsätze ebenfalls zukünftig decken darf, das den positiven Eindruck trübte. Acht Hengste wurden prämiert.

Insgesamt hatten 76 Hengste den Weg nach München-Riem zu den Süddeutschen Hengsttagen gefunden. Exakt die Hälfte, 38, stammten aus dem Verbund der Süddeutschen, die seit Jahren unter dem Sammelbegriff Deutsches Sportpferd, DSP, firmieren. Im Lager der dressurbetonten Hengste waren es 21, bei den Springpferden 17. Der Rest kam aus nördlicheren Gefilden (Oldenburg und Springpferdezuchtverband Oldenburg international: 11, Westfalen: 8, Hannover: 7, Holstein: 5) bzw. Benelux (KWPN: 6, Belgien: 1).

40 Prozent der Dressurhengste auf süddeutschen Hengsttagen gekört

Den Florestan-Enkel Fürst Romancier führen vier der neu-gekörten Dressurkandidaten im Pedigree (über For Romance (2x), Fürstenball und Fürstbischof). Außerdem hat auch Louisdor-Preis-Finalist Franziskus einen weiteren zur Zucht zugelassenen Hengst auf seinem Leistungskonton zu verzeichnen.

Die zweite große Linie geht wie Florestan auf den Vollblüter Furioso xx zurück: Ferro, der auf den Furioso II-Vollbruder Le Mexico zurückgeht, erschien viermal als Stammvater, dreimal davon über den Grand Prix-erfolgreichen Zack (über Sezuan, Zalando und Zack selbst).

Prämienhengste Süddeutsche Hengsttage 2018 – Dressur

Brauner v. Amazing Spirit-Lord Loxley (Bayern)

Aus dem Premierenjahrgang des Bayern Amazing Spirit v. Ampere-Lord Sinclair stammt dieser Braune (Z.: Jakob und Martina Reglauer, Wangen), der mütterlicherseits über Lord Loxley und Quartier Latin süddeutsche Größen im Pedigree vereint. Er überzeugte durch seinen elastischen Bewegungsablauf. Interessant: Viele Springpferde aus dieser Familie waren erfolgreich in schweren Konkurrenzen.

Dunkelbrauner v. Dante Weltino-Fidertanz

Nord-Süd-Connection: Der Fünfte der Europameisterschaft 2017, der Oldenburger Hengst Dante Weltino, hat einen Bajuwaren gezeugt (Z.: Franz Winklmaier, Buch am Erlbach) in Anpaarung mit der in Bayern eingetragenen Oldenburger Stute Thanias Fidertraum v. Fidertanz-Rohdiamant. Der Hengst, der in der Halsung und auch was die Machart von Ganaschenpartie und Genick seinen mütterlichen Großvater Fidertanz nicht verleugnen kann, verfügt über ein extrem hoch und weit unter den Körperschwerpunkt fußendes Hinterbein. Den allerletzten Vortritt analog zum Hinterbein vermochte der Hengst aber zur Zeit noch nicht zu zeigen. Diese Stutenfamilie sorgte vor mehr als 30 Jahren für Schlagzeilen. Damals wurde die Stute Fiorella Queen v. Admirand für 200.000 Mark bei der Oldenburger Elite Auktion in Vechta verkauft – einen solchen Preis hatte es in den 1980er Jahren und erst recht nicht vorher noch nie für ein Reitpferd auf einer Verbandsauktion gegeben.

Dunkelfuchs v. Franziskus-Belissimo M (Oldenburger)

Viel aktuelle Genetik vereint dieser Prämienhengst in seiner Abstammung. Vater Franziskus ist bis Grand Prix erfolgreich mit Ingrid Klimke, Belissimo M ist ein Dauerbrenner in den vergangenem Jahrzehnt und die Großmutter dieses Dunkelfuchses ist eine Vollschwester zu De Vito v. De Niro. Dieser Hengst wiederum findet sich als Muttervater im Pedigree von Foundation/Matthias Rath und Chrystal Friendship/Anabel Balkenhol. Schon aufgrund seiner Farbe ein echter Hingucker. Vorderpferd mit viel Schulterfreiheit. In der Hinterhand muss er noch an Kraft gewinnen, beziehungsweise lernen, seine „Power“ richtig anzuwenden. Denn über Kraft verfügt der Hengst, der seinen Führer Hendrik Baune zu vollster Konzentration nötigte und sich mehrfach auf die Hinterbein erhob.

Maximilian Schreiner

Prämienhengst v. Franziskus-Belissimo M, Süddeutsche Hengsttage 2018 (© Maximilian Schreiner)

Brauner v. Escolar-Sandreo (Westfale)

Unverkennbar ein Sohn des „Siegers der Herzen“ im letztjährigen Finale des Nürnberger Burg Pokal: Escolar prägt seine Nachkommen im Aussehen. So auch diesen (Z.: Dr. Monika Hilgers, Emsdetten) Westfalen, der aus einer Sandreo-Mutter stammt, die wiederum Tochter einer Angloaraberstute (v. Upan la Jarthe AA-Bajar AA) ist. Im Trab elastisch und mit der allerletzten Kadenz ausgestattet. Im Galopp freilaufend dynamisch und bergauf, an der Longe ungestüm und häufiger mit ein paar Sprüngen Kreuzgalopp. Leichte Abstriche, was den Raumgewinn im Schritt angeht.

Brauner v. Diamond Hit-Don Larino (Baden-Württemberger)

Ein Hengst (Z.: K.u. E. Schuster, Ellwangen), der die ersten beiden Väter in seiner Abstammung nicht verleugnen kann: Schlicht braun in der Farbe und mit einem Gesicht, aus dem dem Betrachter sowohl Diamond Hit als auch der Leistungsprüfungssieger Don Larino entgegenblicken. Mit seinem schwungvollen Bewegungsablauf zog er viele Zuschauer in seinen Bann. Der Galopp an der Longe hätte ausbalancierter und taktsicherer sein dürfen. Gezogen aus einem Oldenburger Mutterstamm mit vielen sportlich erfolgreichen Pferden.

Viele Freunde hatte ein Brauner v. Zalando-Don Diamond. Der Baden-Württemberger mit durch und durch elastischen Bewegungen hat eine „lupenreine “ DSP-Abstammung: Vater Zalando, ein Oldenburger Zack-Sohn aus der ehemaligen Vize-Bundeschampionesse Wunderschöne v. Sunnyboy, wurde in München gekört. Muttervater Don Diamond war süddeutscher Siegerhengst, Vize-Bundeschampion und bis Grand Prix platziert. Diese beiden Hengste stehen auf dem Gestüt Birkhof. Die Großmutter des Braunen ist Poetin III, Vollschwester der Weltmeisterin Poetin und der gekörten Samba Hit-Brüder. Der P-Stamm aus dem Hauptgestüt Neustadt/Dosse, der hier einen weiteren Vererber stellt, ist auch die Familie des Neustädter Vorzeigehengstes Quarterback. Der Zalando-Sohn schaffte es nicht ins Prämienlot.

Maximilian Schreiner

Hengst v. Zalando-Don Diamond, Süddeutsche Hengsttage 2018

Bei Dressurreitern ganz hoch im Kurs stand ein schwarzbrauner Hannoveraner v. Fürstenball. Federleichte, schwingende Trabbewegungen, eine sehr ausbalancierte Bergaufgaloppade und guter Schritt: Es gibt schon viele gekörte Söhne des ehemaligen Bundeschampions Fürstenball. Aber dieser Hannoveraner, der aus einer Stedinger-Charon-Mutter (Z.: Dr. Ingo Keiper, Hochdorf) gezogen wurde, zählt sicherlich zu den Top-Produkten seines viel benutzten Vaters. Ein Pferd, das das Zeug hat, in den kommenden Jahren bei den großen Entscheidungen auf der Nachwuchsbühne ein Wort mitzureden – immer vorausgesetzt, unterm Sattel zeigt er sich so, wie an der Longe. Das war nämlich vorbildlich.

Gut nachvollziehbare Körurteile

Der Maßstab, der an die Hengste gelegt wurde, war streng. Die Körentscheidungen im Dressurbereich waren gut nachvollziehbar. Es wurde nicht inflationär mit den Zuchtzulassungen herumgeworfen.

An der Raumaufteilung in der Olympiahalle in München ist weiter gearbeitet worden. Vorbildlich in Ruhe und Konzentration agierten die Peitschenführer beim Freilaufen. Jenes Team aus Niederländern, die das Freilaufen auf der Acht ursprünglich auf Einladung des Trakehner Verbandes vor acht Jahren nach Deutschland gebracht haben, waren angagiert worden. Mit Ruhe und untereinander sehr gut koordiniert wiesen die Peitschenführer den Hengsten den Weg. Das war gut anzusehen. Jeder konnte sich ein Bild von den Pferden machen, ohne dass diese übermäßig „aufgemischt“ wurden, im Gegenteil.

Beim Longieren der Dressurhengste auf zwei Zirkeln gab es durchwachsene Bilder. Hengste, die ans Gebiss herantraten, und andere, die sich dem entzogen. Kreuzgalopp und überhöhtes Tempo auf der einen Seite, auf der anderen Seite solche Hengste, die weitgehend sicher den Zirkel ausliefen, ihren Takt fanden und mit schwingendem Rücken einen Eindruck vermittelten, wie sich wo möglich/hoffentlich unter dem Sattel als Reitpferd darstellen können.

19 von 39 Springhengsten süddeutsch gekört

Dass man im Süden auf der Suche nach Springpferden gut fündig werden kann, ist längst kein Geheimnis mehr. Hengste aus neun verschiedenen Hengstlinien bewarben sich um eine Chance als Zuchthengst. Unter den 19 neu-gekörten Vererbern war die Linie des Franzosen Diamant de Semilly mit vier positiven Körurteilen die erfolgreichste (ein direkter Sohn, zweimal über Diarado und ein Sohn des Emerald von het Rytershof). Der legendäre Holsteiner Landgraf (über Numero Uno, Van Gogh und Livello) sowie Cornet Obolensky (zwei Söhne, ein Enkel v. Colestus) folgten im Ranking.

Maximilian Schreiner

Verkrampft, Piffe vom Publikum, aber gekört: Hengst v. Zirocco Blue auf den Süddeutschen Hengsttagen 2018 (© Maximilian Schreiner)

Leider konnte man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass an einigen Stellen die Vorbereitung in Sachen „Respekt vor Stangen“ wohl zum Hauptfach erhoben worden war. Vor allem die Hengste von Hengstvorbereitern aus Westfalen, die zahlenmäßig stark vertreten waren, zeigten sich teilweise über Gebühr angeekelt von den Stangen. Krampfende Gewaltsätze und in einigen Fällen hartnäckiges Verweigern waren die Folge. Dass Hengste immer noch so vorbereitet wird, dass es zu solchen Bildern kommt, ist kein süddeutsches Problem, sondern liegt im System begründet. Wenn aber, wie im Fall eines Bayern v. Zirocco Blue-Christiano, der buchstäblich versuchte einen Meter Abstand zwischen sich und die obere Oxerstange zu bekommen, und sich entsprechend in der Luft verdrehte, das keine Konsequenzen hat, wird sich im Training kaum etwas ändern. Das Publikum pfiff. Die Körkommission gab dem Braunen grünes Licht. Ein Schimmel v. Cristallo I, begleitet vom selben Personal, sprang ebenfalls auffallend krampfig und erschien nicht mehr zum Schrittring. Er wurde von den Besitzern zurückgezogen.

Ein Trio von Prämienhengsten, Süddeutsche Hengsttage 2018 – Springen

Brauner v. Diarado-Calido (Bayern)

Ein Diarado-Sohn ganz nach der Art und Weise, wie man es von dem ehemaligen Holsteiner Siegerhengst kennt. Ein kompaktes Pferd, in sich geschlossen, kraftvoll und das ganze auch noch mit einem hübschen Kopf und keckem Blick. Mütterlicherseits über Calido-Acorado-Caletto I rein holsteinisch gezogen sprang dieser Braune (Z.: Karl Heinz Ballmes, Würzburg) mit viel Kraft, blieb aber mitunter etwas in der Luft stehen. Hinten sehr vorsichtig.

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Prämienhengst v. Diarado-Calido auf den Süddeutschen Hengsttagen 2018 (© Maximilian Schreiner)

Fuchs v. Emerald-Landor S (Bayer)

Ein Potpourri aus europäischen Genen, zusammengefasst in einem Fuchs mit bayerischem Brand: Dieser Sohn des international erfolgreichen Emerald van het Rytershof (Z.: Paul Scheuerer, Adlkofen) vereint den ehemaligen Bundeschampion Landor S und den Jahrhundert-Westfalen Pilot in seiner Abstammung. Er zeigte viel Einstellung, „machte hinten sehr gut auf“ und hatte auch mächtig Luft zwischen Stangen und Vorderbeinen. Mit gespitzten Ohren konzentrierte er sich auf das Springen, sobald er erstmal am Anfang der Sprunggasse stand. Sein Vermögen und das Selbstverständnis, wie er die Aufgaben meisterte, konnten beeindrucken.

Brauner v. Livello-Contender (Holstein)

Ein Bilderbuchpferd, braun, mit viel Hals, ein Modell-Holsteiner. Einer, in dem Landgraf, der hier noch in dritter Generation in der Abstammung erscheint, weiterlebt. (Z.: Witt Pferdezucht, Norderwöhrden). Wenn dieser Sohn des international hoch erfolgreichen Livello, der auch züchterisch für Schlagzeilen sorgt, vor einem steht, sagt man: „So sieht ein Hengst aus!“ Sprungkraft und Reflexe gepaart mit einer gewissen Coolness zeichneten den Hengst aus. Als er einmal etwas ungeschickt abgelassen wurde, blieb er vor dem ersten Hindernis stehen, nach dem Motto: „So geht das doch nicht, oder?“ Nur um dann zehn Sekunden später zu zeigen, wie es geht. Am Schlussoxer stets ehrgeizig. Der Holsteiner Stamm 2067 ist weit verzweigt und hat Pferde wie Conrad de Hus oder Landstreicher/Toni Hassmann hervorgebracht.

Vier Söhne des Kannan waren in München dabei. Einer, ein Kraftpaket aus einer holländischen Mutter v. Ultimo-Numero Uno, wurde gekört. Ein auffälliges, weil edel und großes Pferd war ein Sohn des Cola Zero aus einer Quidam’s Rubin-Mutter mit schnellen Beinen. Auch ein Westfale v. Eldorado van des Zeshoek (v. Clinton-Toulon), mütterlicherseits ebenfalls im KWPN zuhause (Mutter v. Indorado-Notaris-Marco Polo) zählte zu den besseren Springpferden. Als es richtig hoch wurde, brach er etwas im Sprungablauf ab. Aber Einstellung und Reflexe lassen einiges erwarten. Ein Sohn von Stakkato Gold-C-Indoctro, beim Springpferdezuchtverband Oldenburg International registriert, zählte zu den Pferden, die Vermögen ohne Ende zeigten.

Die Siegerhengste werden am Samstagvormittag ab 10 Uhr benannt. Anschließend steht die Versteigerung an. Mehr Infos finden Sie hier.

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