Unnatürliches Freispringen – Westfalen plant Maßnahmen

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Im ganzen Land stehen die Hauptkörungen der großen Pferdezuchtverbände an. Nach unschönen Bildern beim Freispringen im Rahmen der Vorauswahl gab es in Westfalen nun eine deutliche Ansage seitens der Körkommission. Und es soll sich etwas ändern.

Hengste, die lieber aus dem Stand über die Fangständer sprangen statt über anfangs nur kniehohe Hindernisse in der Reihe, und verkrampfte Gewaltsätze – nach mehreren unschönen Bildern während der Vorauswahl der Springhengste beim Westfälischen Pferdestammbuch, griff Zuchtleiter Thomas Münch zum Mikrofon:

„Dem einen oder anderen ist es mit Sicherheit nicht entgangen, dass es den einen oder anderen Moment gab, der uns so nicht gefallen hat. Deswegen bitte wir nach diesem Hengst alle Ausbildungsställe, sich in der kleinen Reithalle in der Cafeteria einzufinden für eine kurze Besprechung.“

Was ihm und seinen Kollegen in der Körkommission konkret nicht gefallen hat, fasste Thomas Münch im Gespräch mit St.GEORG so zusammen: „verkrampftes Springen von den Hengsten, das so nicht zu beurteilen war.“

Daran müsse sich etwas ändern. Und zwar noch bei dieser Körung, betont Münch weiter. Er denkt an Änderungen im Ablauf, will aber noch nichts Konkretes sagen. „Wir haben Ideen. Morgen treffen wir uns noch einmal und besprechen das. Es wird dann eine entsprechende Bekanntmachung geben.“

Westfalen ist nicht nur in dieser Hinsicht Vorreiter, sondern war auch der erste Verband, der nach dem positiven Medikationsfall 2018 begonnen hat, von allen gekörten Hengsten Dopingproben zu ziehen. Bei der Delegiertenversammlung des Pferdestammbuchs vor einigen Wochen hatte der Verbandsvorsitzende Ralf Johanshon einen eindringlichen Appell an die Kollegen anderer Zuchtverbände gerichtet, in dem er sie zur gleichen Transparenz aufforderte.

Reaktion anderer Verbände

Nach den Vorauswahlen in Vechta beim Oldenburger Verband und Münster-Handorf hatte Hannovers Zuchtleiter Ulrich Hahne ein Schreiben an die Hengstausbilder geschickt, das publik wurde. Darin wendet er sich an die Aussteller und Ausbilder der Springhengste:

„Mit etwas Sorge haben wir die Vorauswahlen in Vechta und Münster verfolgt und Rücksprache mit unseren Kollegen dort gehalten. Nach den insgesamt guten Eindrücken von unserer Vorauswahl waren wir überrascht von den Bildern des Freispringens bei unseren Nachbarzuchtverbänden. Innerhalb der Körkommission besteht große Einigkeit darin, dass derartige Bilder in Verden in der kommenden Woche aus Gründen der Selektion und des Tierschutzes nicht sehen wollen.“

Hannovers Geschäftsführer Wilken Treu, der ja zuvor Zuchtleiter und Geschäftsführer in Personalunion in Westfalen war, betont, dass es hier nicht um Kritik an den anderen Verbänden geht. Ziel des Schreibens sei es vielmehr gewesen, die Ausbilder darauf aufmerksam zu machen, dass sie ihre Hengste bei der Körung so zeigen, wie bei der Vorauswahl. Treu: „Wir hatten bei uns den Eindruck, dass die Körkommission die Hengste reell beurteilen konnte.“

Gleichwohl sei das Problem unnatürlich springender Junghengste auch ihnen bekannt: „Es ist nicht so, dass das in den sonstigen Jahren nicht auch schon mal vorkam. Wir haben dann das Gespräch gesucht und mal streng, mal weniger streng darauf hingewiesen, dass wir das nicht wollen. Jetzt haben wir es auf diesem Wege gemacht.“

Statement Oldenburg

Oldenburgs scheidender Zuchtleiter Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff ist da deutlicher: „Es ist richtig, dass das ein Problem ist, das alle betrifft und das das gesamte System infrage stellt.“

Schreiben wie das aus Hannover habe es bei ihnen jedes Jahr gegeben. Er sieht aber ein substanzielles Problem im gesamten Procedere der Körungen. „Wir selektieren nach besonderem Talent, weil wir davon ausgehen, dass das weitervererbt wird. Ob man das mit dem jetzigen System herausfinden kann, ist fraglich. Das Zuchtziel sind ja keine Freispringer, wir wollen Springpferde züchten.“ Er sieht daher viele Vorteile in der Körung unter dem Sattel. Und langfristig in der genomischen Selektion.

Zum Thema Körung unter dem Sattel äußerte sich auch Thomas Münch. In Westfalen wurde in den vergangenen Tagen nämlich auch die Vorauswahl der Hengste zur Sattelkörung getroffen. Laut Münch war die Qualität der Hengste „sehr gut“, die Ausbildung hingegen „nicht so gut“. Auch dazu werde es noch ein Statement geben.

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  1. Berndride

    Hnegsthalter und Ausbilder die nicht in der Lage sind ein Pferd zur Körung so vorzubereiten, dass es problemlos eine kleine Freispringstrecke springt sollten von diesen Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Wir lassen auf Turieren ja auch niemanden der es nicht kann in anspruchsvollen Springprüfungen starten. Man sieht immer mehr Bilder von Pferden die sich völlig übertrieben überspringen. Oft meine ich, dass irgendein Photoshop Anfänger sich da ausgetobt hat. Das Ziel darf nicht darin bestehen aus Angst sich übersspringende Pferde durch eine Sprungreihe zu scheuchen. Wer solche Bilder produziert denkt offensichtlich, dass die Käufer keine Ahnung von Pferden haben.- oder es gibt Leute die so blöd sind Springpferde zu kaufen die aus Angst so hoch springen, dass sie Hindernisse nicht mehr taxieren können.

  2. M. Bach

    Herzlichen Dank an Carsten Rotermund und Zuchtleiter Thomas Münch für ihre Loyalität und ihren Mut, sich dubiosen Ausbildungsmethoden entgegenzustellen. Auch ich möchte keine Zweijährigen sehen, die an Vorder- und Hinterhand hoch bandagiert durch die Halle traben. Bedenklich ist auch, dass man sich fragen muss, ab wann junge Körkandidaten bereits in dieser Weise gearbeitet werden? Und es bleiben Zweifel, wenn Zweijährige muskelbepackt daherkommen, und ausschauen, als könne man mit ihnen gleich morgen im Burgpokal starten. Das geht auf die physische und psychische Entwicklung, und somit auch auf die Lebenserwartung. Sehr gut, dass die Verantwortlichen in Westfalen eine Vorreiterrolle übernehmen, und sich den Werten noch immer verbunden fühlen, die von Pferdemanschen verkörpert wurden und werden, wie u.a.: Paul Stecken, Ingrid Klimke, Helen Langehanenberg, Sophie Leube, Hubertus Schmidt, Markus Hermes.


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