Versammlung Deutscher Hengsthalter bei der FN – von Konsens und Kontroversen

Der Sitz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf war gestern Gastgeber für die Versammlung der Deutschen Hengsthalter. Hauptthema war die Reform der Hengstleistungsprüfungen. Aber auch anderes kam zur Sprache und wurde kontrovers diskutiert.

Spruchreif ist noch gar nichts, klar ist aber allen Beteiligten, dass die unlängst reformierte Hengstleistungsprüfung dringendst einer weiteren Reform bedarf. Zumal ja seit Dezember feststeht, dass ab 2015 nur noch leistungsgeprüfte Hengste decken dürfen. Die Frage, wie diese Leistungsprüfung aussehen soll, ist noch unklar. Verschiedene Modelle sind im Gespräch. Ein Kurztest (10 + x Tage) in April oder Mai würde zumindest der Vieldeckerei ungeprüfter Junghengste einen biologischen Riegel vorschieben. Doch dass ein Zwei-Wochen-in-die-Runde-Laufen-mit-Richterbeurteilung nur ein Anfang sein kann, ist selbst denen klar, die das aktuelle Modell gar nicht so schlecht finden. Was kann sich diesem Test anschließen? Zumindest eine Testphase über einen längeren Zeitraum (70 – x Tage) soll wohl bestehen bleiben.

Auch die Anzahl der Hengstleistungsprüfungsanstalten ist nach wie vor ein Diskussionsthema. Je größer die Anzahl von Hengsten, die unter denselben Bedingungen geprüft würden, so das Argument nicht nur der Statistiker, desto größer die Chance auf eine echte Selektion. Genau diese findet derzeit in Deutschland kaum statt, darauf verweist der Oldenburger Zuchtleiter Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff in der aktuellen Ausgabe des St.GEORG.

Mit dem Blick nach Holland, wo es die so genannte Hengstenkompetitie gibt, kann man sich ein Modell gewisser obligatorischer kurzer Sportprüfungen für junge Deckhengste mittlerweile auch in Deutschland vorstellen. Aber über den Status angedacht scheint noch niemand hinausgekommen zu sein.

Wann reiten in der Öffentlichkeit?

Strittig ist nach wie vor das Thema, wann man Hengste erstmals unter dem Sattel öffentlich zeigen sollte. Der Bereich Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) hatte bereits im Jahr 2000 empfohlen, keine Dreijährigen in den ersten Monaten des Jahres geritten zu präsentieren. Aber an diese Empfehlung, die sich vor allem auf Präsentationen in verbandseigenen Hallen bezog, wird sich kaum gehalten. Dabei sitzen in diesem Gremium viele Vertreter aus den Präsidien deutscher Zuchtverbände, auch solche, die im Jahr 2002 für diesen Passus gestimmt haben und nun in der ersten Reihe der Hengstvorführungen Applaus spenden.

Auch 2014 gab es kaum eine größere Schau in den vergangenen Wochen, bei der nicht auch Dreijährige unter dem Sattel gezeigt wurden. 2008 war das Thema im Zusammenhang mit dem Freispringen von Fohlen noch einmal wieder hochgekocht, aber ohne dass sich die Veranstalter der Hengstvorführungen daran gestört hätten. Zwar wird hinter vorgehaltener Hand diskutiert dabei kursiert die Zahl von bundesweit mittlerweile neun grünen Landwirtschaftsministern, die dem Reitsport (und auch der Pferdezucht) nicht unbedingt unkritisch gegenüber stehen aber Handlungsbedarf sehen nur die Wenigsten.

Viele Hengsthalter argumentieren, sie würden sich nicht vorschreiben lassen, wie sie mit ihrem Kapital umgehen. Reiten von Dreijährigen sei – so sachgerecht wie es durchgeführt würde – deutlich schonender für die noch nicht einmal dreijährigen Pferde als intensives Longieren. Es gibt aber auch andere Stimmen, die vorschlagen, den Stichtag 1. Mai, vor dem im deutschen Turniersport kein dreijähriges Pferd an den Start gebracht werden darf, auf Hengstpräsentationen auszudehnen. Innerhalb der Hengsthalterschaft ist dieses Modell aber offenkundig nicht konsensfähig.

Dass das Thema einmal mehr auf der Agenda steht, ist auch Youtube-Videos zu verdanken, auf denen spätere Körsieger schon vor dem Körtermin im Oktober unter dem Sattel zu sehen gewesen sein sollen. In einer Art und Weise, die einiges an Routine im Umgang mit dem Reiter im Sattel verraten haben soll. Auch Aufnahmen, die im Januar auf der Videoplattform erschienen waren und die zeigten, wie noch nicht einmal dreijährige Hengste bereits erste Sprünge unter dem Sattel absolvierten ein Missverständnis, wie der Hengsthalter danach zu Protokoll gegeben haben soll sorgten bei einigen für Bauchschmerzen, bei anderen für Gelächter.

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