Was tun die Pferdezuchtverbände gegen Doping und verbotene Medikation bei Körungen?

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(© Janne Bugtrup)

Die positiven Medikations- bzw. Dopingtests bei Körungen haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft und die Zuchtverbände erkannt, dass sich etwas tun muss. Hier ist ein Update zum Stand der Dinge.

Anfang Februar schickten die Süddeutschen Pferdezuchtverbände (DSP) eine gemeinsame Presseerklärung mit weiteren Zuchtverbänden, dass man in Zukunft gemeinsam gegen Doping bzw. verbotene Medikation bei Körungen vorgehen will. Unterzeichnet war die Mitteilung von den Präsidenten der beteiligten Zuchtverbände: Carsten Grill (DSP), Dr. Hinni Lührs-Behnke (Hannoveraner Verband), Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff (Oldenburger Pferdezuchtverband), Dr. Norbert Camp (Trakehner Verband), Hinrich Romeike (Holsteiner Verband) und Ralf Johanshon (Westfälisches Pferdestammbuch).

Wir haben mit Carsten Grill gesprochen, was denn der aktuelle Status Quo ist. Dazu Grill: „Wir haben uns virtuell getroffen und waren uns schon nach einer Stunde völlig einig, dass wir gemeinsam gegen Doping und verbotene Medikation bei Körungen vorgehen wollen. Klar ist, dass es verbandsübergreifende Mindeststandards geben wird, was die Beprobungen angeht und dass es auch einheitliche Sanktionen geben soll.“

Wie diese Mindeststandards aussehen sollen, wird gerade erarbeitet. Aber so viel kann Grill schon sagen: „Es sollen mindestens alle gekörten Hengste beprobt werden.“ Und zwar auch auf Hofkörungen. Wobei „beprobt“ meint, dass Blut abgenommen und untersucht wird. Bei den Vorauswahlen sollen ebenfalls Blutproben von einem Mindestprozentsatz genommen werden. Für die Zeit zwischen Vorauswahlen und Körungen ist das Führen eines Medikationsbuches angedacht, analog zu dem, das die Kaderreiter führen. Schließlich gebe es ja auch Situationen, in denen eine Behandlung angezeigt ist.

In Sachen Sanktionen kann Grill zumindest so viel sagen: „Die drei Monate Sperre sind ein Witz, das ist gar nichts.“ Im Gespräch sind Sperren zumindest für die laufende Körsaison und Geldstrafen für die Anmelder bzw. Aussteller. Ob auch die Vorbereiter belangt werden können, müsse juristisch geprüft werden.

Derzeit erarbeitet das Westfälische Pferdestammbuch, das ja schon aktuell die meisten Proben zieht und in positiven Fällen auch Sanktionen verhängt – wobei Grill betont, dass es mehr Geld sein müsse als 5000 Euro Strafe, um eine abschreckende Wirkung zu haben – einen Vorschlag, wie so ein Mindeststandard für Tests und Sanktionen aussehen könnte. Aktuell ist das noch recht unterschiedlich, wie nachstehende Tabelle zeigt:

VERBANDVorauswahlZeit bis zur KörungKörungweitere Maßnahmen
HOLSTEINERkeine ÜberprüfungStichproben im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung, in der Regel drei Proben10 Hengste (etwa 50% der Gekörten): alle Prämienhengste, dazu Stichproben aus der Gruppe der weiteren gekörten Hengste.Keine

 

 

TRAKEHNER

 

Haare von ausgesuchten Hengsten, Stichprobe (ca. 5)Unangemeldete Kontrolle von einem Tierarzt, der nicht aus der Region des  Hengstvorbereiters stammt bei drei Hengsten (Blut)

 

Von allen Hengsten (gekörte und nicht gekörte) werden 5 Stichproben genommen und analysiertBlutproben aller Hengste der Veranstaltung werden eingefroren, um im Zweifelsfall Aufschluss über den Zustand des Individuums zum Zeitpunkt des Hengstmarkts vorliegen zu haben.
WESTFALENBei der Vorauswahl werden Proben (Stichprobe oder auf Verdacht) genommen und ausgewertet.

 

Zwischen der Vorauswahl und der Körung werden keine Proben entnommen.Es werden Dopingproben von allen gekörten Hengsten entnommen. Seit 2019 werden alle Proben ausgewertet; im Jahr 2018 wurden 50 % ausgewertet.

 

Um das Verfahren wasserdicht zu machen, wurde 2018 auf eine Probenentnahme mit den standardisierten Dopingkits (FN) umgestellt.
DSP Hauptkörung Münchenpro Auswahltermin 2 Dopingproben

 

In diesem Jahr noch nichts realisiertHauptkörung in München: mindestens 12 Dopingproben (2022 waren es 13 und alle negativ)

 

Blutproben aller Hengste der Veranstaltung werden eingefroren
DSP Körung Neustadt/Dosse2 Stichprobenkeine ÜberprüfungStichprobenartig jeweils 2 Dressur- und 2 Springhengste

 

Blutproben aller Hengste der Veranstaltung werden eingefroren
OLDENBURGERkeine Überprüfungkeine ÜberprüfungAlle gekörten Hengste und die Hengste (auch nicht gekört), die über die Auktion vermarktet werden, werden getestet. Es findet kein Zufallsprinzip statt.keine
HANNOVERANERkeine Überprüfungkeine ÜberprüfungAllen gekörten Hengsten werden beprobt und analysiert.keine
MECKLENBURGER
BADEN-WÜRTTEMBERGkeine Überprüfungkeine Überprüfung2 Stichproben von gekörten Hengstenkeine

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung hatten wir versehentlich geschrieben, die Proben beim Westfälischen Pferdestammbuch würden eingefroren. Das war falsch wiedergegeben, da in Westfalen als erstem der Verbände grundsätzlich alle Hengste beprobt werden. Wir haben die Tabelle entsprechend geändert.

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