Westfalen-Körung 2018: Der nächste Spitzenhengst für Andreas Helgstrand

Dancier und For Pleasure sind die Väter der Siegerhengste 2018 bei der westfälischen Hauptkörung in Münster-Handorf. Teuer waren sie beide. Der eine geht nach Dänemark, der andere nach Emsbüren.

Für 700.000 Euro ersteigerte Andreas Helgstrand den Hannoveraner Siegerhengst der westfälischen Hauptkörung 2018. Züchter war die ZG Broers und Weber in Aurich, Aussteller die Besitzergemeinschaft Mathieu Beckmann und Pascal Kandziora. Der viel zu früh verstorbene Dancier hat hier noch einmal gezeigt, weshalb er einer der herausragenden Vertreter des Donnerhall-Blutes war. Sein lackschwarzer Sohn bewegte sich mit sehr viel natürlicher Erhabenheit, getragen von einem ungemein antrittsstarken Hinterbein, immer über den Rücken, dabei elastisch und doch stabil. Dazu überzeugte er mit viel Übersicht und innerer Ruhe auf der einen, und dennoch Temperament und Power auf der anderen Seite. Der Schritt war – was man in der Breite ein wenig vermisste – raumgreifend und fleißig durch den Körper schreitend. Ein wahrer Champion der Westfalen Körung 2018.

Bildschön, Bewegungen von großer natürlicher Kadenz und dazu genügend Schritt, sobald er zur Ruhe kam – so die Attribute des ersten Reservesiegers, der Katalognummer 1 v. Apache-Fürst Romancier-Lafitte-Sevillano xx. Rainer und Angelika Ahlers in Hude haben diesen super charmanten Oldenburger gezogen. Aussteller war Claude Niedner in Luxemburg. Der kann sich über einen Zuschlagspreis von 400.000 Euro freuen. So viel gab das Gestüt Bonhomme aus für diesen Hengst, aus dessen Mutterstamm zahlreiche internationale Springpferde hervorgingen.

Viele Freunde hatte auch der nächste Reservesieger, die Katalognummer 4, ein Sohn des Bundeschampions Baccardi aus einer Mutter v. Laureus-Ferragamo-Der Clou, gezogen von August Exeler in Rheine, ebenfalls ausgestellt von der BG Beckmann/Kandziora. Dieser Westfale besticht schon durch seine Fellfarbe – Fuchs mit hellerem Behang. Aber nicht nur dadurch. Sein sehr aktives Hinterbein arbeitete stets unter den Schwerpunkt. In allen drei Grundgangarten bewegte er sich sehr schön durch den Körper, sowohl beim Freilaufen als auch an der Longe. Das sah auch die österreichische Olympiasiegerin Sissy Max-Theurer so, die bei 370.000 Euro den Zuschlag erhielt. Einen Namen hat er auch schon: Borghese.

Auf Krack C ingezogen ist der ebenfalls zum Reservesieger ernannte Hengst mit der Katalognummer 50. Die Reesink Pferde GmbH hatte hier mit KWPN-Eltern einen Oldenburger gezogen, den sie auch selbst ausstellte. Vater ist der Burg-Pokal Sieger Vitalis. Die Mutter Vechta stammt ab v. Krack C-Contango-Ahorn. Viel Takt und Mechanik im Trab sowie eine natürliche Bergauftendenz stehen auf der Haben-Seite bei diesem Hengst. Allerdings war der Schritt war doch recht begrenzt in Vor- und Übertritt. Insgesamt wünschte man sich die Bewegungen mehr über den Rücken. Dass der Hengst viele Freunde hatte, zeigte sich sowohl am großen Szenenapplaus, der immer wieder aufbrandete bei seinen Auftritten, als auch am Preis: Für 370.000 Euro schlugen hier Kunden aus Belgien zu.

Prämienhengste Dressur

Noch fünf weitere Dressurhengste erhielten eine Prämie. Das war zum einen ein wunderschöner Sohn des Bernay v. Boston, den Frank Schmitz in Telgte mit der Staatsprämienstute Dream Lady v. Dream On-Florestan-Caprilli angepaart hatte. Aussteller war Christian Schulze Topphoff. Der elegante Fuchs, ebenfalls mit hellem Behang, präsentierte sich stets bergauf mit sehr aktivem Hinterbein, locker schwingend und gutem Schritt. Für 360.000 Euro ging der Zuschlag ins Rheinland.

Bon Coeur-Dimaggio-Rover lautete die Abstammung des ebenfalls prämierten Rappen aus der Zucht von Bernd Broghammer in Bösingen, ausgestellt von der World of Dressage GmbH in Schenkon/CH. Der mit großer natürlicher Kadenz ausgestattete Vertreter des Deutschen Sportpferdes überzeugte schon als Fohlen. 2016 war er Preisspitze der Fohlenauktion in Darmstadt. Heute kam er für 170.000 Euro unter den Hammer.

Typvoll, ausbalanciert, erhaben und mit viel Antritt präsentierte sich der prämierte von den insgesamt fünf Nachkommen des einstigen Siegerhengstes Borsalino v. Boston, von denen einer allerdings ausgefallen war. Bei dem prämierten Borsalino-Sohn war Adolf-Theo Schurf Züchter und Aussteller in Personalunion. Er hatte den Hengst aus der Hannoveraner Stute Hillary v. His Highness-Lauries Crusador xx-Lombard gezogen. Für 82.000 Euro ging dieser Fuchs in den gemeinschaftlichen Besitz der Landgestüte Celle und Marbach. Das traf auch noch auf einen weiteren Hengst zu: den Baccardi-Lissaro-Davignon-Sohn mit der Katalog-Nummer 5 aus der Zucht von Bernhard Hustert. Er kostete 144.000 Euro.

Hinsichtlich Farbe und Erscheinung eher vom Muttervater Diamond Hit als vom Vater Floriscount geprägt präsentierte sich die prämierte Katalognummer 28 aus der Zucht von Philipp von Thaden und ausgestellt durch Pascal Kandziora. Bei 75.000 Euro fiel der Hammer für diesen mit ganz großen Bewegungen ausgestatteten Braunen, aus dessen Stamm diverse herausragende Hengste hervorgingen, wie z.B. Belissimo M-Vater Beltain, Brentano I und II, Garibaldi I und II, Wolkenstein I und II und viele mehr. Außerdem die Dressurpferde Little Big Man und Beauvalais. Seine neue Heimat ist Sachsen.

Der fünfte prämierte Dressurhengst ist einer der drei Franziskus-Nachkommen der Kollektion, die allesamt einst über die westfälische Fohlenauktion den Besitzer wechselten. Prämiert wurde die Katalognummer 34, die von Franziskus‘ Besitzer Wilhelm Holkenbrink ausgestellt worden war. Züchter des schicken Braunen aus einer Mutter v. Rock Forever-Ferragamo-Gajus ist Hermann Rosenbaum in Laer. Der Hengst war nicht verkäuflich. Er wird also neben seinem Vater und Großvater bei Holkenbrinks Quartier beziehen.

Springer – For Pleasure lässt grüßen

Vor fast acht Jahren starb der zweifache Olympiasieger For Pleasure v. Furioso II-Grannus. Doch züchterisch ist er wertvoller denn je. Das sieht man nicht erst dieses Jahr auf fast allen Körplätzen. In Oldenburg stellte er den viel besprochenen Reservesieger. In Westfalen wurde es der Siegerhengst. Otmar Eckermann, der Vater von Katrin Eckermann, ist sowohl Aussteller als auch Züchter dieses Braunen. Schon die Abstammung ist hoch interessant, nicht nur wegen For Pleasure, sondern auch auf der Mutterseite, die mehrere internationale Spring-, Vielseitigkeits- und Dressurpferde hervorbrachte. Nabab de Reve-Cassini II-Jasper – so die klangvollen Hengstnamen hinter der Rheinländer Stute Nassinora. Und hier sprang nicht nur das Papier. Je höher, je besser, so könnte man den Eindruck kurz und bündig zusammenfassen, den dieser Hengst in Münster-Handorf hinterließ. Dabei wirkte er zudem noch hoch intelligent mit blitzschnellen Reflexen, viel Übersicht und Biss am Sprung. Für 330.000 Euro wird er nun auf der Hengststation von René Tebbel seine Karriere fortsetzen.

Ein echter Traumtyp war der Reservesieger. Was für ein Athlet! Und ein echter Hengst, ohne aufgemästet zu wirken ist dieser Sohn des selbst als Springsiegerhengst der Körung 2014 gefeierten Cavtat PKZ aus der Oktave III v. Calido-Renomee-Mephisto. Züchter ist Alfons Kleining in Rosendahl, Aussteller war der Ausbildungsstall Holtwiesche. Auch hier steht ein hoch erfolgreicher Stamm hinter, aus dem schon in den ersten Generationen internationale Springpferde hervorgingen und dessen bekannteste Vertreter z.B. Ahorn von Rob Ehrens, Rosella G und Carthagena sind. Der Hengst sprang nicht nur ungemein kraftvoll, er bewegte sich auch noch gut durch den Körper. Bei 160.000 Euro fiel der Hammer.

Der auf der Station Beerbaum beheimatete international siegreiche Cordess stellte den zweiten Reservesieger aus einer Contendro-Landor S-Corofino-Mutter, der bei Zbiginiew Szumlakowski in Polen gezogen und auch von diesem ausgebildet wurde. Schick in der Optik und mit einer gehörigen Portion Lässigkeit ausgestattet, spielte der Schimmel nur so mit den Anforderungen. 61.000 Euro kostete er.

Prämienhengste Springen

Prämiert wurden zwei weitere Springhengste. Das eine war ein bildschöner Holsteiner Schimmel v. Asca Z-Cachas-Calido-Capitol aus der Zucht von Klaus Rohweder in Goldelund (A.: Wulf-R. Rohlf), der nicht nur kraftvoll über jede Höhe sprang, sondern sich auch noch elastisch durch den Körper bewegen konnte. 46.000 Euro waren sein Preis.

Der große Cornet Obolensky (der insgesamt viermal vertreten war) stellte den zweiten Prämienhengst, einen in den Niederlanden gezogenen Schimmel, bei dem es genauso hochklassig weitergeht im Pedigree: C-Indoctro-Baloubet du Rouet-Concorde. Aussteller war Jan Sprehe. Und Gestüt Sprehe ist auch die zukünftige Wirkungsstätte des Hengstes. Er stand nicht zum Verkauf.

Mit den Siegern und Reservesiegern zählten die Westfalen 2018 ganze 14 Prämienhengste unter den 77 Kandidaten im Katalog. 24 weitere wurden gekört. Alle Infos auch unter www.westfalenpferde.de.

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