Westfalen: Zwei-Stufen-Körung ab 2022

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2020 – ein in jeder Hinsicht besonderes Jahr, so gab es in Westfalen auch erstmals zwei Springsieger. Links: der Sohn des Cornet Obolensky aus der Bella Donna (Meredith Michaels-Beerbaum), rechts der Sohn des Arezzo VDL (© Reckimedia)

Ein komplexes neues Körsystem möchte das Westfälische Pferdestammbuch ab 2022 installieren, eine Zwei-Stufen-Körung. Spätere Vorauswahl, Körung an der Hand und in einer zweiten Stufe dann später unter dem Sattel. Und dann erst wird der Siegerhengst bestimmt. Das Konzept ist noch in der Abstimmungsphase.

Eine Zwei-Stufen-Körung ist die Antwort des Westfälischen Pferdestammbuchs auf die  im Oktober 2020 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlichte Neuauflage der Leitlinie „Tierschutz im Pferdesport“. Um dem zentralen Knackpunkt – dem Beginn der Arbeit eines Jungpferdes nicht vor Abschluss seines 30. Lebensmonats – gerecht zu werden, soll die Körung in Münster-Handorf verschoben werden.

Zwei-Stufen-Körung: Dezember und April

Für das Jahr 2021 werden die Zeitpunkte und Abläufe der Körungen aller Rassen, die das Westfälische Pferdestammbuch betreut, unverändert bleiben. Aber im Jahr 2022 ist folgender Ablauf für die Warmblüter angedacht:

Spätere Vorauswahl

Der vom Zuchtausschuss Warmblut ausgearbeitete Entwurf befindet sich aktuell „in der Abstimmung mit den aufsichtsführenden Behörden“, schreibt das Westfälische Pferdestammbuch auf seiner Homepage.

Demnach soll im Dezember, nicht wie bisher im Oktober, die Vorauswahl stattfinden. Pflastermusterung und Freilaufen inklusive Freispringen sind die Kriterien. Danach stehen die Körurteile fest. Hengste mit positivem Urteil werden bei der Zwei-Stufen-Körung dann im April noch einmal nach Handorf gebeten. Allerdings sollen schon vorher Hengste zum Kauf angeboten werden, gekörte und ungekörte.

April-Körung

Im April des Folgejahres werden die gekörten Hengste über zwei Tage unter dem Reiter erneut begutachtet. Dort soll es dann über die Eintragung ins Hengstbuch I entschieden werden. Dazu bedarf es bislang eigentlich eines 14-Tage-Tests. „Dieses Vorgehen ist noch mit den anderen deutschen Verbänden abzustimmen. Darüber hinaus wird die Prämierung, die Benennung der Siegerhengste sowie eine weitere Vermarktungsoption Bestandteil dieser Veranstaltung sein. Ziel ist es den Züchtern und Interessierten in gebührendem Rahmen ein informatives Schaufenster des neuen Jahrgangs zu bieten“, schreiben Westfalens Zuchtlenker auf der Webseite.

Auch weiterhin, heißt es, wolle man auf strenge Kontrollen im Bereich Medikation, Ausrüstung und Präsentation setzen. Stewards wird es auch zukünftig geben. Das Tierwohl und „besonders die im letzten Jahr neu eingeführten Regelungen zur Verwendung von Gamaschen, die durch den Verband gestellt werden“ sind weiter im Fokus.

Noch gibt es sei nicht, aber eine Leitlinie für die Durchführung der Verbandskörungen ist in Planung. Der Entwurf liegt aktuell bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Sie soll nach Verabschiedung in die Regelwerke des Westfälischen Pferdestammbuches übernommen werden und würde dann auch für die Zwei-Stufen-Körung Anwendung finden.