WM junge Dressurpferde 2019: Zucchero holt den Titel der Sechsjährigen nach Oldenburg

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Weltmeister der sechsjährigen Dressurpferde 2019: Zucchero unter Frederic Wandres. (© www.toffi-images.de)

Frederic Wandres vom Hof Kasselmann versus Andreas Helgstrand für Helgstrand Dressage – dass es zu diesem Duell kommen würde im Finale der Sechsjährigen bei der WM junge Dressurpferde 2019 in Ermelo, war spätestens nach der Qualifikation klar. Und auch im Finale bissen sich die Titelverteidiger die Zähne aus an dem Paar aus Deutschland.

Mit einer Durchschnittswertnote von 9,66 setzte sich der Oldenburger Hengst Zucchero v. Zonik-Prince Thatch xx (Z.: Hans-Heinrich Brüning) mit seinem ständigen Reiter Frederic Wandres im Sattel gegen die geballte Pferdequalität aus dem Stall Helgstrand durch. Im vergangenen Jahr war Zucchero noch Vierter gewesen, wurde anschließend Bundeschampion in Warendorf. Nun holte er den WM-Titel.

Frederic Wandres reitet zwar für den Stall Kasselmann, sein Hengst gehört aber der Firma Star Horses. Denen sei er sehr dankbar, dass er das Pferd reiten darf, betonte er später im Interview. Kein Wunder bei den Wertnoten und den lobenden Worten, die Christoph Hess als Vertreter der Richter für den Hengst fand.

„Wir haben viele Pferde gesehen, die Probleme mit den vier fliegenden Wechseln hatten, aber nicht dieses Pferd. Am Ende der Prüfung müssen wir entscheiden, welches Pferd ist am nächsten dran am Gesamtpaket dieser Ausbildungsstufe mit Seitengängen, fliegenden Wechseln und all den anderen Aspekten, die dazu kommen. Und wir sind der Ansicht, dieses Pferd ist sehr nah dran an dem Niveau, das wir sehen wollen.“

Zu den Noten erklärte Hess, beginnend mit dem Trab: „Das ist ein wirklich schöner Trab mit viel Schwung, guter Selbsthaltung und Anlehnung. Manchmal hatten wir das Gefühl, dass die Anlehnung etwas zu stark war, aber der Reiter war in der Lage, dem Pferd immer ein gutes Gefühl zu geben und den Eindruck zu vermitteln, das Pferd macht die Trabarbeit inklusive der Seitengänge gerne.“ In einer Wertnote ausgedrückt: 9,7.

Im Schritt lobten die Richter die Losgelassenheit, Takt und Raumgriff, 9,4. Im Galopp lobten sie vor allem die natürliche Balance des Hengstes: „Ich sagte anfangs ja, dieses Pferd sei von den 15 Pferden, die wir gesehen haben, in den fliegenden Wechseln am dichtesten dran an der Perfektion.“ Dabei hilft sowohl die natürliche Balance als auch das, was Hess sonst noch hervorhob: die Tragkraft des Hinterbeins, die Geraderichtung usw. Kurz: 9,7 auch hier. Dieselbe Note gab es auch für die Durchlässigkeit, und in Sachen Perspektive gab es die höchste Wertnote: 9,8.

Silber an den Vorjahressieger Revolution

Als Andreas Helgstrand auf dem Westfalen Revolution v. Rocky Lee-Rouletto (Z.: Yasemin Yanik) als vorletzter Reiter ins Viereck kam, lag er bereits mit seinem zweiten Pferd Zhaplin Langholt in Führung. Revolution war als Titelverteidiger nach Ermelo gereist, und auch heute gaben die Richter wieder alles – mussten allerdings unter anderem berücksichtigen, dass der Hengst den ersten und den letzten fliegenden Wechsel versprang.

„Dies ist ein Pferd mit unglaublich guten Grundgangarten!“, lobte Christoph Hess während Revolution vom Applaus ziemlich unbeeindruckt am langen Zügel Schritt ging als die Noten verkündet wurden. Diese Gelassenheit in dieser Gangart, gepaart mit Raumgriff, Taktsicherheit und Dehnungsbereitschaft, schlug sich in Hess‘ Kommentar nieder, der das auch gleich zum Anlass nahm, die Note für den Schritt zu verkünden: 9,0.

Dann kam der „Ausbildungsbotschafter“ der FN zur Note für die Durchlässigkeit, der einzigen unter 9, wie er betonte, nämlich 8,8. „Warum? Weil heute war das Pferd zwar gut vor dem Reiter, ausbalanciert  in den Seitengängen mit guter Stellung und Biegung, guten Schrittpirouetten, das war alles gut. Aber es gibt ein Aber, und das sind die fliegenden Wechsel. Der erste war spät, der letzte nachgesprungen.“

Im Galopp selbst lobte Hess die Mechanik, die Bergauftendenz und eine gute Anlehnung, die natürliche Balance und die Taktsicherheit. Zum Trab – „nicht übereilt, immer im Takt“: 10,0. Und dafür, dass Revolution so ein „Wow-Pferd“ ist, wie Hess sagte, gab es auch hier eine 9,8.

Bronze für Zhaplin Langholt

Der zweite Zonik-Sohn unter den Top drei war der Däne Zhaplin Langholt, auch er vorgestellt von Andreas Helgstrand. Der Rappe aus einer Stedinger-Mutter (Z.: Ole Magnus Jensen/Bente Graasbøll) war zwischendurch schon nach Amerika an Charlotte Jorst verkauft gewesen, kam dann aber zurück. Im vergangenen Jahr ging er mit Helgstrand bereits bei den Fünfjährigen, wurde aber wegen Bluts am Maul disqualifiziert. Heute konnten sie ihre Prüfung beenden. Im Trab gaben die Richter dem Wallach eine 9,8, im Schritt eine 8,3, im Galopp die 9,5, für die Durchlässigkeit 9,4 und 9,7 in Sachen Perspektive. Endergebnis: 9,34.

Damit schubste Zhaplin Langholt die Silbermedaillengewinner des Vorjahres, Destacado v. Desperados-Londonderry (Z.: Heinrich Gießelmann) und Matthias Alexander Rath, ganz knapp vom Podium. Sie waren auf eine 9,32 unter dem Strich gekommen, zusammengesetzt aus der 9,3 im Trab, 10,0 im Schritt, 8,9 im Galopp, 9,0 in der Durchlässigkeit und 9,4 für die Perspektive.

Bester Vertreter des KWPN war auf Platz fünf Imposantos v. Wynton-Krack C (Z.: W. Wijnen) unter Bart Veeze (8,94). Die Platzierung musste der Hengst sich allerdings teilen mit der dänischen Stute Straight Horse Ascenzione unter Helen Langehanenberg. Auch diese Zack-Don Schufro-Tochter, die Vollschwester zum dreifachen Weltmeister Sezuan, kam auf eine 8,94.

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