Zu erwartender Triumph von Macadamja beim Reitpferde-Bundeschampionat 2022

HKM Bundeschampionate 2022

Macadamja, Bundeschampionesse der vierjährigen Stuten und Wallache 2022, mit Simone Kaiser (© Equitaris/Gesina Grömping)

Schon am Mittwoch in der Qualifikation war die vierjährige Hannoveraner Stute Macadamja das überragende Pferd auf dem Reitpferdeviereck. Das bestätigte die großgewachsene Rappstute heute auch im Finale. Ebenfalls eine Medaille verdient hätte Fremdreiterin Carina Scholz.

Inzwischen ist es ja so, dass nicht mehr nur die besten drei Pferde des Finales von den reitenden Richtern beurteilt werden, sondern alle Pferde in der Endrunde. Das dauert länger, ist aber auch sehr aufschlussreich und interessant. Besonders, wenn die Pferde dann mit so viel Gefühl vorgestellt werden, wie heute von Carina Scholz, die sich erkennbar Mühe gab, jedes Pferd optimal zu präsentieren. Dabei entlarvte sie dann auch die eine oder andere Schwäche.

Reitpferde-Bundeschampionesse der vierjährigen Stuten und Wallache ist die Hannoveraner Stute Macadamja v. Morricone-San Amour aus der Zucht und im Besitz von Heinrich Gießelmann, vorgestellt von dessen Lebensgefährtin, Simone Kaiser. Die hochgewachsene Rappstute ist ein imposantes Bergaufpferd, schon außerordentlich bemuskelt und auch in der Bewegung stets kraftvoll ins Bergauf fußend. Dabei hat sie viel Schwung, Schulterfreiheit, Mechanik, kurz: alles, was man sich für ein Spitzendressurpferd wünscht – 9,5 im Trab, 9,0 im Galopp. Auch der Schritt ist taktsicher und raumgreifend mit locker vier Huf Übertritt. Allerdings neigt die Stute hier etwas zum Stapfen. „Mehr Elastizität im Auf- und Abfußen“ hätten die Richter sich hier gewünscht und gaben eine 8,5. Für Typ und Qualität des Körperbaus wurde es dann wieder ein glattes Sehr gut.

Bleibt noch die Ausbildungs-, die Rittigkeitsnote, die sich im Finale aus der Beurteilung der Richtergruppe am Boden (Tim Koch, Peter Olsson, Jürgen Uthoff) zusammen mit der der Fremdreiterin ergibt. Carina Scholz nahm Platz in Macadamjas Sattel und hatte in den ersten Augenblicken offenbar Probleme, den Vorwärtsgang zu finden. Die Stute blockierte kurz, aber das ließ sich schnell klären. Dann gab sich Scholz alle Mühe, die Stute zu animieren, sich nach vorwärts-abwärts zu orientieren. Das allerdings klappte nur bedingt. Auf der anderen Seite zeigte sich selbst in diesen Momenten noch, wie toll die Stute von hinten herangeschlossen ist und wie viel natürliche Balance sie mitbringt. Dass die Richter ihr trotzdem „nur“ eine 8,0 in der Rittigkeit gaben, war für die Zuschauer anscheinend nicht nachzuvollziehen. Aber mit Pfiffen und Buhrufen muss man als Richter auf der Burandtwiese rechnen. Eine würdige Championesse ist Macadamja jedenfalls ohne jeden Zweifel, und das wurde sie dann mit der Endnote von 8,8 ja auch.

Jan-Dirk Gießelmann berichtete später, dass die Stute einen tollen Charakter habe, aber sehr sensibel sei. Möglicherweise der Grund dafür, dass sie sich heute nach vier Tagen im Stallzelt, ihrem ersten Übernachtungsturnier, nicht so selbstverständlich präsentierte, wie noch am Mittwoch. Macadamjas Mutter, Santanyi v. San Amour-Fürst Heinrich-De Niro, kam zweijährig zu Gießelmanns, wurde Siegerstute und Lienen und absolvierte einen top Stutenleistungstest. Da sie sehr groß und ebenfalls schwarz ist, dachte sich Heinrich Gießelmann, der 2014er Oldenburger Siegerhengst Morricone könnte gut zu ihr passen. Womit er ja auch Recht hatte, wie man heute gesehen hat. Wie es weitergeht mit Macadamja? „Ich denke, wir gönnen uns den Luxus und lassen sie nächstes Jahr decken“, schmunzelt Jan-Dirk Gießelmann. So, wie sie es ja mit ihrer Mutter auch schon gemacht haben und ebenso mit ihrer Schwester, deren Dynamic Dream-Fohlen gerade angeritten wird. „Eine Investition in die Zukunft“, so Gießelmann. Welchen Hengst sie für Macadamja aussuchen, stehe aber noch nicht fest.

Silber an Sympathieträgerin Sézanne

Mit fünf Nachkommen war der Württemberger Secret, der ja einst selbst Bundeschampion der sechsjährigen Dressurpferde und zuvor Silbermedaillengewinner bei den Reitpferden gewesen war, am prominentesten vertreten im Bundeschampionat der vierjährigen Stuten und Wallache. Zwei seiner Kinder rückten ins Finale vor, eines gewann nun ebenfalls Silber: die Westfalen-Stute Sézane aus der Zucht von Bernhard Ilting-Reuke und im Besitz von Katharina Nolte. Im Sattel saß Sina Aringer. Die Stute hat eine Franziskus-Mutter und vertritt den Mutterstamm, aus dem auch Ex-Bundeschampion und Sattel Fynch Hatton und Dorothee Schneiders Kleine Tour-Sieger Fürst Magic hervorgingen. Sie gefiel auf dem Warendorfer Viereck mit ihren locker-schwungvoll-fleißigen Bewegungsabläufen sowohl in Trab als auch Galopp, raumgreifendem Schritt, bei dem die Bewegung ebenso geschmeidig durch den Körper geht, und vor allem einer leichten Anlehnung und dem generellen Eindruck großer Zufriedenheit. Oder wie die Richter es formulierten: „total losgelassen, so zufrieden und natürlich und dabei trotzdem aktiv, das geht nicht besser – 10,0.“ Für die Grundgangarten gab es dreimal 8,5, fürs Gebäude eine 8. Machte am Ende die 8,7.

Bronze nach Holstein

Ein hoch sympathisches Pferd ist der Bronzemedaillengewinner, der Holsteiner Wallach Robby Brown, die gelungene Kombination von Fremdhengst rock Forever mit dem Erfolgsstamm der Familie Ellerbrock aus Kayhude. Im Sattel saß Christina Ellendt, die den langlinigen Braunen zuvor auch schon zum Landeschampion im Norden gemacht hat. Der Wallach macht einen rundum gutwilligen Eindruck, ist allerdings eher der Typ mit großem langsamen Bewegungsablauf bei etwas steifen Hinterbeinen. Mehr „Spritzigkeit“ hätten die Richter sich gewünscht. Unter Fremdreiterin Carina Scholz kam dann etwas mehr Fluss in den Bewegungsablauf des Braunen, was dem Gesamtbild gut tat. „Schön, sehr schön, vielleicht noch ein bisschen wackelig“, lautete später ihr Urteil gegenüber den Richtern. In einer Wertnote ausgedrückt: 9,0. Die 9 gab es auch für den raumgreifenden Schritt mit gutem Zug zur Hand. Der Trab (Jürgen Uthoff: „aktiv herangeschlossen mit guten Reserven für die Verstärkungen“) und der Galopp („ganz sicher ins Bergauf, immer in Balance“) gab es jeweils die 8,5. Wie gesagt, „mehr Spritzigkeit“ und es wäre noch mehr geworden. So wurde es unter dem Strich eine 8,6.

Weitere Platzierte

Vierte wurde mit 8,5 insgesamt die Zweitplatzierte der Qualifikation, die elegante, feingliedrige Donnamita v. Don Martillo-Dimaggio aus der Zucht und im Besitz der ZG Sievers. Tessa Frank stellte sie sehr gefühlvoll vor und konnte sich für Losgelassenheit und Zufriedenheit sowie die Bereitschaft der Stute, sofort auf den Reiter zu reagieren, über eine Ausbildungsnote von 9,5 freuen. Donnamitas beste Grundgangart ist der leichtfüßige, schwungvolle Trab (9,0). Im Galopp zeigt sie zwar deutlichen Raumgewinn, könnte aber mehr ins Bergauf springen (8). Der Schritt ist eher knapp (7,5).

Gemeinsam Fünfte wurden mit jeweils Mareike Mimberg auf dem noch recht kantigen und schlaksigen DSP-Wallach Del Ray v. Don Royal-Quatergold und Anna Mitter im Sattel der Oldenburger Fürst Romancier-Don Larino-Tochter Fleur Belle Tyme (Z.: Beate Wedermann, B.: Evi Strasser).