Frankfurt: Finalsieg beim Nürnberger Burgpokal für Desperado OLD

Nach Meinung aller fünf Richter auf Rang eins: Carola Koppelmann mit Desperado OLD.

(© www.toffi-images.de)

Das nennt man einen Durchmarsch: Nach dem Sieg in der Einlaufprüfung konnte Carola Koppelmann mit dem achtjährigen Dressage Royal-Sohn Desperado auch das Finale des Nürnberger Burgpokals für sich entscheiden.

Als letzte Starterin konnte die 33-jährige Ausbilderin aus Warendorf das Feld von hinten aufrollen: 75,45 Prozent standen am Ende auf der Anzeigentafel, das waren mehr als zwei Prozentpunkte Abstand zur Zweitplatzierten Isabell Werth mit Flatley. Nach einer harmonischen Trabtour, weit kreuzenden Traversalen und guten Trabverstärkungen lag die Bewertung des Paares zwischenzeitlich sogar bei knapp 80 Prozent. Auch in der Galopptour zeigte sich der Jungpferdeweltmeister von 2008 lektionssicher – wenngleich sich Chefrichterin Katrina Wüst den Beginn mit den beiden halben Pirouetten etwas flüssiger gewünscht hätte. „Aber nach der ersten Galoppverstärkung war Desperado wieder vorbildlich vor den Hilfen der Reiterin“, kommentierte die Richterin später und lobte die fehlerfrei gesprungenen, geraden Wechsel. Unter den fünf Richtern herrschte Einigkeit: Alle fünf sahen Koppelmann auf Rang eins. Für die Ausbilderin, die schon 2006 mit Comic Hilltop das Burgpokal-Finale gewinnen konnte, war der Start in Frankfurt das erste Hallenturnier, das sie mit Desperado bestritt. Sie wird nun den Winter nutzen, um den Wallach in Richtung Grand Prix weiter zu fördern.
Auf den zweiten Platz kam mit 73,35 Prozent eine „alte Bekannte“ dieser Serie, die als inoffizielle Deutsche Meisterschaft der jungen Dressurpferde bezeichnet wird. Isabell Werth hat mit Flatley zum siebten Mal ein Pferd fürs Finale qualifiziert, dreimal konnte sie das Finale für sich entscheiden. Der erst siebenjährige Rheinländer Hengst v. Fürst Piccolo, der Werth zur Hälfte selbst gehört, ist das erste Pferd, das sie als Fohlen kaufte und nun in der Klasse S vorstellt. Dabei saß die fünffache Olympiasiegerin bisher nur selten im Sattel des Fuchses, normalerweise wird Flatley von Werths Bereiter Matthias Bouten vorgestellt, der mit ihm Anfang des Jahres gleich beim ersten Start in der Klasse S einen Sieg einfahren konnte. Der Hengst zeigte sich im Finale sehr beständig und lektionssicher, gerade in den Wechseln, sicher in den halben Pirouetten. Dass sie selbst hochzufrieden war, konnte man Isabel Werth am Ende der ersten Galoppverstärkung auf der Diagonalen ansehen: Der Hengst ließ sich nach der mutig nach vorne gerittenen Verstärkung willig und bei gut getragenem Genick wieder versammeln, die Reiterin konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen – warum auch? 

Trotz aller Harmonie des Paares – Isabel Werth betonte, dass sie Flatley nur „ausgeliehen“ hatte und dass man nun voraussichtlich zunächst wieder Matthias Bouten im Sattel des Hengstes sehen wird. 

Eine wahre „Karussellfahrt“ erlebte Oliver Oelrich, der sich in der letzten Qualifikationsprüfung in München ein Finalticket gesichert hatte – der ersten Hallenqualifikation in der 20-jährigen Geschichte des Nürnberger Burgpokals. Künftig soll es an jährlich wechselnden Orten immer eine letzte Hallenqualifikation geben, versprach der Initiator dieser Dressurserie, Hans-Peter Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Nürnberger Versicherung. Als Mitfavorit aufgrund seiner hohen Qualifikationsnote (72,75) aus München gehandelt, konnte Oelrich mit Rock Forever in der Einlaufprüfung die hohen Erwartungen noch nicht erfüllen: Der hochbeinige Rockwell-Landstreicher-Sohn war sehr beeindruckt von der weihnachtlichen Kulisse in der Frankfurter Festhalle und nicht ganz auf die Aufgabe konzentriert, wodurch sich einige Ungenauigkeiten eingeschlichen hatten und die beiden die Einlaufprüfung auf Rang sechs mit 69,5 Prozent beendeten. Im Finale dann eine deutliche Steigerung, 73 Prozent waren es am Ende, was Rang drei bedeutete. Der Hengst, der schon mehrfach auf den Bundeschampionaten hoch platziert war und als Fünfjähriger in allen drei Grundgangarten die Note 9,5 erhielt, hat trotz wenig sportlicher Förderung und viel Deck-Geschäft  (allein in diesem Jahr rund 300 Stuten) seinen Schmelz und seine Elastizität behalten. Trab- und Galoppverstärkungen wurden auch in Frankfurt teils mit der Note 9 belohnt, die Leichtfüßigkeit des Pferdes machte das Paar zu einer Art  „Sieger der Herzen“: Bei keinem anderen Paar gab es derart frenetischen Applaus. Kommentator Christoph Hess war davon überzeugt „einen Star der Zukunft“ vor sich gesehen zu haben. Fehler in den Serienwechseln kosteten Oelrich viele Punkte, kleine Abstimmungsprobleme in Übergängen und dem Rückwärtsrichten verhinderten eine höhere Wertnote. Der Ausbilder, der zudem als Honorartrainer der Junioren sowie als Co-Bundestrainer der Jungen Reiter fungiert, äußerte sich nur zögernd über die Zukunft dieses viel versprechenden Vererbers. „Rock Forever wird im Januar 2012 in Münster vorgestellt, danach kehrt er zurück auf die Station Holkenbrink. Das Deckgeschäft wird dann wieder Vorrang haben.“
Platz vier erreichte Helen Langehanenberg mit dem neunjährigen Rheinländer Wallach Fürst Khevenhüller v. Florestan-Rohdiamant, 71,35 Prozent kamen am Ende zusammen. Er begann mit einer starken Trabtour, der versammelte Schritt und die Schrittpirouetten kosteten das Paar dann einige Punkte, im Galopp zeigte sich der Wallach wieder sehr sicher, mit guten und gerade gesprungenen Wechseln und sauberen halben Pirouetten. Den Weg in den internationalen Grand Prix-Sport ist der Fuchs schon angetreten: Ende Oktober platzierte sich das Paar im dänischen Odense auf Rang drei im Grand Prix und einen zweiten Platz in der Kür. Nächstes Ziel ist Münster im Januar.

Insgesamt erreichten nur fünf Reiter Noten über 70 Prozent, was allerdings nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Qualität der Pferde zulässt, sondern eher widerspiegelt, dass Pferde halt auch mal einen schlechten Tag haben können. So begann Dancing Elvis unter Matthias Alexander Rath, der sich in der Einlaufprüfung noch sehr konzentriert gezeigt hatte (Rang drei mit 71,05 Prozent), im Finale übermotiviert mit Piaffe-Ansätzen in der Grußaufstellung, hatte Spannungen in den 4-er-Wechseln und nach dem ersten von eigentlich fünf Dreierwechseln gelang nichts mehr – Rang acht mit 68,5 Prozent für ein talentiertes, bewegungsstarkes Pferd, das es besser kann. Leiden musste auch Nadine Capellmann, die ihre Nachwuchshoffnung Diamond Girl gesattelt hatte: Zuvor in der Weltcup-Prüfung begann Girasol zu lahmen, fünf Minuten vor dem Start musste Capellmann zurückziehen. Diamond Girl, in der Einlaufprüfung noch auf Rang vier, machte schon bei der Grußaufstellung auf dem Absatz kehrt und brauchte etwas Zeit, um sich auf die Prüfung einzulassen. Eine tolle, wenn auch etwas spannungsgeladene Trabtour folgte, in der die Stute zeigen konnte, welches Bewegungspotenzial in ihr steckt. Doch die gesamte Galopptour war ebenfalls von Spannung gezeichnet, am Ende landete das Paar auf Rang 13.
Alle Ergebnisse der Prüfung im Detail finden Sie hier

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