London: Silber für Michael Jung bei der Olympia-Generalprobe

Piggy French (Mitte

(© Kit Houghton/FEI)

Er durfte schon mal Treppchenstehen üben, erhielt eine Silbermedaille und die aus den Händen der Herzogin von Cornwall, Camilla, Ehefrau des britischen Thronfolgers Prinz Charles: Neben diesen Eindrücken nimmt Michael Jung und die große deutsche Abordnung, die an die Themse gereist war, noch andere wichtige Informationen für das Unternehmen „Titelverteidigung LOndon 2012“ vom vorolympischen Testevent mit nach Hause.

„Rocky“ hat seine Sache gut gemacht! River of Joy zeigte sich als das, was sein Sponsorenname erahnen lässt, als echter Profi. Nur der Weidezaun, der war eine Absperrung. Üben für das große Olympiaspektakel war angesagt. Und da wird die Devise in London im kommenden Jahr vor allem heißen, britische Gelassenheit wie sie beim berühmten Schlangestehen gefordert ist, an den Tag zu legen. Hinter den Absperrbändern ist gerade einmal Platz für 50.000 Zuschauer. Das sind die Glücklichen, die eines der raren Tickets ergattert haben. Schon jetzt sind keine Eintrittskarten mehr zu bekommen.
Doch dieses Problem stand in den vergangenen Tagen nicht im Mittelpunkt in Greenwich im Westen Londons, dort wo der berühmte Nullmeridian durch die Royal Observatory, die königliche Sternwarte verläuft, dem Schauplatz der Olympischen Reiterspiele 2012. Michael Jung und River of Joy fühlten sich wohl auf dem historischen Rasen von Greenwich Park, auch wenn der an vielen Stellen noch recht rutschig ist. Der Weltmeister war Zweiter nach der Dressur und konnte diese Platzierung nach seiner fehlerfreien Leistung im Gelände und zwei Nullrunde im Springparcours auch halten (41,8). Zweimal musste der Württemberger Rubicell-Sohn wie auch alle anderen Pferde ran, da selbstredend beim Testevent auch der Ablauf dem olympischen Reglement folgt. Dort gilt die eiserne Regel: Keine zwei Medaillen für dieselbe Leistung, deswegen werden 2012 die Reiter nur einen Wellenschlag vom Themseufer entfernt ebenfalls zweimal in den Parcours: Einmal für die Mannschafts- und für die Einzelwertung.
Das Maß aller Dinge war Piggy French, die ihr Dressurergebnis (34,7) nach Hause brachte, einzig bei der morgendlichen Verfassung zittern musste, als ihr Pferd Topper W zunächt in die Holdingbox musste und erst nach dem zweiten Vortraben das O.K. für den Abschluss der Prüfung bekam. Aus den Händen der Duchess of Cornwall, Camilla, der Ehefrau von Prinz Charles erhielt die Britin die Goldmedaille des Greenwich Park Eventing Invitational, Bronze ging an eine zweite starke Britin, die zweimalige Europameisterin Pippa Funnel mit Billy Shannon. Vierter wurde der Australier Clayton Fredericks mit Bedingo vor der Schwedin Sara Algotsson-Ostholt.
Die deutsche Equipe war allerdings schon geplatzt: Sandra Auffarth war mit Pancras, den sie noch am Himmelfahrtswochenende äußerst engagiert auf dem Hamburger Derbyplatz durchs Speedderby gesteuert hatte, im Gelände gerutscht und gestürzt. Frank Ostholt, der Dritte im Bunde, wurde Elfter (60,9), nachdem Sir Medicott gleich dreimal im Mannschaftsspringen wenig Respekt vor den Stangen gezeigt hatte. Immerhin verließ er den letzten Parcours fehlerfrei.
Reinhardt Wendt, Chef de Mission bei allen Großveranstaltungen der vergangenen Jahre und Geschäftsführer des Deutschen Olympiade Komitees (DOKR) blickt optimistisch nach vorne: Absolut positiv zu bewerten ist die enge Einbindung der Reiterwettbewerbe in die gesamten Olympischen Spiele und der enge Kontakt zu den anderen Sportarten. Das ist sehr erfreulich, nachdem wir bei den zurückliegenden Olympischen Spielen doch etwas ausgegrenzt waren. Was die Organisatoren hier in Greenwich auf die Beine gestellt haben, ist wirklich beachtlich. Es werden allerdings Spiele auf engem Raum. Das garantiert einerseits kurze Wege, stellt die Organisatoren aber auch vor eine echte Herausforderung. Dies betrifft sowohl die Zuschauerführung, als auch den Geländeaufbau. Hier ist sicherlich noch einiges zu tun, speziell am Geläuf. Gleiches gilt für den Boden im Reitstadion, sagte Wendt. Aber um genau das herauszufinden, gibt es ja solche Testevents.

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