Youngster schlägt Routiniers

Fabienne Lütkemeier und Diamonds Forever – Dressur-Derbysieger 2013

2013-05-09 Deutsches Spring-und Dressur-Derby-2013-Hamburg-Derby Park-Germany-Pony Derby mit Pferdewechsel (© von Korff/ www.toffi-images.de)

Sie hatten die wenigsten auf der Liste. Und sie hat es allen gezeigt: Fabienne Lütkemeier ist die Dressurderbysiegerin 2013. In einem spannenden Finale setzte sich die 23-Jährige vor Anabel Balkenhol und Bianca Kasselmann.

Die Qualifikation kam schon überraschend, wie Fabienne Lütkemeier nach dem Grand Prix erzählte, und jetzt? Plötzlich Derbysiegerin! Den Grundstock für ihren Erfolg legte die Paderbornerin im Sattel ihres Quattro-Sohns Qui vincit Dynamis mit 73,194 Prozent. Als sie dann auch die Pferde beider Konkurrentinnen besser ritt als die Reiterinnen, stand eigentlich schon nach dem siebten Ritt die Siegerin fest.
Bestes Pferd war der von Anabel Balkenhol ins Finale gebrachte Diamonds Forever v. Depardieu, der im Schnitt 71,083 Prozent erzielte.

Die Ritte in der Übersicht:

Fabienne Lütkemeier
– Qui vincit Dynamis:
Frisch, dynamisch, elastisch. In der Tendenz etwas eng im Hals, vor allem in der ersten Piaffe und in den fliegenden Galoppwechseln zu zwei Sprüngen. Federnde, gut kreuzende Traversalen, gute Übergänge zwischen Piaffen und Passagen, wobei der Fuchs in den Piaffen mehr Last aufnehmen könnte, allerdings immer super im Takt blieb.
73,194 Prozent

– Limited Edition: Die beiden haben sich gesucht und gefunden, so der erste Eindruck. Der Lanciano-Sohn mit dem schicken Köpfchen ist nicht eben begeistert, wenn es ans Piaffieren geht. Wohlweißlich hat Fabienne Lütkemeier da für Rückenwind gesorgt. Die beiden kommen herein: leicht die Anlehnung, die Ohren gespitzt, das Pferd mit viel Go. Während Fabienne Lütkemeier bei ihren eigenen Pferden häufig mit sehr langem Bügel unterwegs ist, waren die Bügel hier etwas kürzer geschnallt, sie kam gut zum Sitzen, hatte das Pferd immer vor den treibenden Hilfen. Selbst als der Hengst in den Zweierwechseln zu wiehern begann, zog er weiter und blieb fehlerfrei. In den fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung gab es dann einen Fehler.
68,44 Prozent

– Diamonds Forever: Die beiden fingen schon gut an und im Laufe der Prüfung wurden sie immer mehr zu einer Einheit. Das gipfelte in einer sehr guten abschließenden Mittellinie mit toller Passage und Piaffe. Kleinste Unstimmigkeiten zu Beginn der Einerwechsel und leichte Abstimmungsprobleme in den Zickzacktraversalen mögen die Noten um Nuancen gedrückt haben. Insgesamt der zweitbeste Ritt des gesamten Finales.
72,472 Prozent

Fazit:
Fabienne Lütkemeier sagt, sie sei heute morgen aufgestanden mit dem Gedanken „hab Spaß und mach das Beste draus“. Und genau so sahen ihre Runden, die das Publikum begeisterten, aus – Volltreffer!

Anabel Balkenhol
Eines zog sich durch alle Ritte von Anabel Balkenhol: Sie hatte die Pferde mit der Nase vor der Senkrechten und war bemüht, sie dort auch zu halten. Bei ihrem letzten Ritt bedurfte das allerdings einigen Nachdrucks. „Stolz und glücklich“, sei sie, dass sie zum zweiten Mal bereits den Pferdesieger der Derbyentscheidung gestellt hatte. Nach Rubins Royal vor zwei Jahren war es diesmal Diamonds Forever v. Depardieu. Den Wallach hat sie seit eineinhalb Jahren im Training. Seit Anfang 2013 wird es nun ernst für den Hannoveraner. Münster, Neumünster, Hagen – immer besser sei der Dunkelbraune geworden, dessen Besitzer aus Schenefeld kommen und den Triumph ihres „Monti“ live verfolgten.

– Diamonds Forever:
Ein paar teure Fehler unterliefen dem Paar. Einmal sprang der Wallach an der kurzen Seite weg, in den Einerwechseln gab es ebenfalls Probleme. Ein Höhepunkt ist das Passage-Piaffe-Talent, in den Pirouetten darf noch ein bisschen Finetuning stattfinden.
71,417 Prozent

– Qui vincit Dynamis: Eher verhalten stellte Belli Balkenhol den Fuchs von Fabiennen Lütkemeier vor. Das rächte sich vor allem in den Zickzacktraversalen im Trab, das sah so aus, als würde die Reserveleuchte heftig blinken – Achtung, Tank so gut wie leer. In den Zweierwechseln verlor das Paar ein bisschen die Linie. Im Schritt vorm Angaloppieren machte „Quinci“ einen Freudensprung an der kurzen Seite. Gut gelangen die Übergänge zwischen Piaffen und Passagen und die Einerwechsel.
68,083 Prozent

– Limited Edition:
Dynamischer Auftakt mit frischem starken Trab und aktiver Passage, aber auch hier war die erste Piaffe nicht zu prickelnd, wie bei den Kokurrentinnen. Mit deutlicher Handeinwirkung versuchte Balkenhol, die Nase des Braunen immer wieder vor die Senkrecht zu bekommen.Es ist einfach nicht die Lieblingslektion des Rheinländers. Unsauberkeiten in der Einleitung der Einerwechsel. Vor der Schlusslinie kamen die Hände noch einmal zum Einsatz. Da raunte das Publikum. Aber: In der letzte Piaffe tauchte der Hengst weniger ab im Hals und fand mehr zu Takt und Dynamik. Insgesamt ein Punkt weniger als Bianca Kasselmann mit dem Hengst erhalten hatte.
68,222 Prozent

Bianca Kasselmann
Die Ehefrau des Pferdehändlers Ulrich Kasselmann und mehrfache Championesse der Berufsreiter hat ihr Leben lang eigentlich nichts anderes gemacht, als täglichen Pferdewechsel zu praktizieren. Sie ritt ihr zweites Pferd, den rheinischen Hengst Limited Edition von Lanciano, der einmal vierjährig Sechster beim Bundeschampionat war, im Finale.
-Limited Edition: Immer wieder die Tendenz im Hals zu eng zu werden, frisch im Vorwärts die Verstärkungen. Schöne gerade Wechsel von Sprung zu Sprung.
68,25 Prozent

– Diamonds Forever: Gute Trabtour zum Auftakt, Zickzacktraversalen hätten etwas geschmeidiger sein können. In der ersten Galopppirouette will der wie schon bei seiner Ausbilderin Anabel Balkenhol das Ganze möglichst schnell hinter sich bringen, in der zweiten ist Bianca Kasselmann entsprechend vorgewarnt, nimmt die Stellung aus der Linkstraversale mit bis zum Punkt, an dem die Linkspirouette gefordert ist. Eine gute Idee – die Pirouette gelingt deutlich besser. Die Wechseltouren gelingen, Passagen und Piaffe auf der Mittellinie mit Ausdruck und gelungenen Übergängen.
69,361 Prozent

– Qui vincit Dynamis: Als letztes Pferd im Finale reitet Bianca Kasselmann den Fuchs. Mit der Routine aus Jahrezehnten Auktionsreiten lässt sie ihn über die erste Trabdiagonale richtig „losscheppern“. Tief sitzt sie im Pferd. Das passt zusammen. Nach den sehr guten Zweierwechseln klopf Bianca Kasselmann „Quinci“ am Hals. Sie guckt zufrieden, er auch. Und auf geht’s in die Einerwechsel, noch eine Lektion zum Punkten. „Alle Pferde waren toll zu reiten“, geben die Reiterinnen anschließend zu Protokoll.
69,889 Prozent

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