Das Pferd hustet – Atemwegserkrankungen erkennen

Häufige Fragen, wenn das Pferd hustet

Husten ist nicht nur bei uns Menschen ein Thema, sondern auch beim eigenen Pferd, der Reitbeteiligung oder dem Schulpony. Da das Spektrum Husten sehr groß ist, haben wir hier eine Auswahl von häufig gestellten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wann ist Inhalieren sinnvoll?

Wenn das Pferd tief und rau hustet sowie zähen Nasenausfluss hat, ist Inhalieren sinnvoll. Das Sekret, das sich in der Luftröhre oder in den oberen Bronchien festgesetzt hat, wird dadurch gelöst. Nach dem Inhalieren kann das Pferd den Schleim besser aushusten. Schleim besser aushusten.

Der Pferdebesitzer sollte beim Inhaliergerät auf einen feinen Zerstäuber achten, denn feinen Teilchen gelangen tiefer in die Lunge. „Dabei kann das Pferd mit Wasser oder mit Salzwasser inhalieren, da beides den Schleim verflüssigt. Beim Inhalieren mit Medikamenten ist Vorsicht geboten: Der Tierarzt muss vorher genau klären, was Ursache des Hustens ist“, erklärt Dr. Blobel.

Bei Sportpferden mit chronischer Bronchitits hat das Inhalieren mit Medikamenten einen Vorteil: „Die Dosis ist beim Inhalieren geringer, die Abbauzeiten (Dopinggefahr) sind kürzer“, so Dr. Niederhofer.

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Beim Inhalieren muss man darauf achten, was das Pferd einatmet. (© www.slawik.com)

Hilft ein Solarium bei Husten?

Die Wärme des Pferdesolarium wirkt sich positiv auf die Psyche des Pferdes aus, da es sich dabei sehr gut entspannen kann. Auch die Muskulatur des Pferd wird gelockert. Auf Husten hat das Solarium eher eine indirekte Wirkung. „Manche Pferde senken dabei den Kopf, so dass der Schleim besserabläuft“, weiß Dr. Niederhofer.

Wie gefährlich ist staubiger Hallenboden?

„Jeder Staub ist schädlich für die Lunge“, sind sich Dr. Blobel und Dr. Niederhofer einig. Wenn das Pferd einmal auf staubigem Boden geritten wird, ist das noch kein Drama. Auf die Dauer sollte man es allerdings vermeiden.

„Durch die Bewegung atmet das Pferd tiefer ein, so dass auch die Staubpartikel tiefer in die Lunge gelangen. Die Schleimhäute werden gereizt und entzünden sich. Je nach Vorschäden sind die Folgen unterschiedlich schlimm“, erklärt Dr. Niederhofer. Regelmäßiges Sprengen in der Reitbahn oder Böden, die viel Feuchtigkeit speichern (zum Beispiel mit hohem Lehmanteil), sind die gesunde Alternative.

Das Pferd hustet – Auf was sollte man beim Reiten achten?

Bei akutem Husten mit Fieber sollte das Pferd nur im Schritt an der frischen Luft gehen. Handelt es sich um chronischen Husten (ohne Fieber, Blutbild in Ordnung), so ist Galopp die beste Therapie. „Nach Aufwärmen im Schritt sollte das Pferd im Tempo von etwa 300 bis 350 Meter in der Minute galoppieren – so lange, bis es warm ist und leicht müde wird.

Auf keinen Fall überfordern, rechtzeitig Schrittpause einlegen! Pro Galoppsprung macht das Pferd einen Atemzug und belastet die Lunge gleichmäßig, ohne sie zu überlasten. Belastet man die Lunge weniger, wird ihr Volumen herabgesetzt und das Lungengewebe geschädigt, so dass es zur Dämpfigkeit kommen kann.

Muss das Pferd vollständig trocken sein, bevor man ihm seine Stall – oder Paddockdecke auflegt?

Zunächst sollte das Pferd nach der Arbeit 30 Minuten warm gehalten werden durch Abschwitzdecken oder Führen. Ist es danach immer noch leicht verschwitzt, kann es auch die Decke aufgelegt bekommen. „Schwitzt das Pferd noch stark und hat eine Decke, die den Schweiß stark aufsaugt, ist das eine der wenigen Möglichkeiten, bei denen sich das Pferd erkälten kann. Denn dann steht es die ganze Zeit mit der nassen Decke da und kann die Wärme durch sein Fell nicht regulieren“, erklärt Dr. Niederhofer.

Das Pferd hat Husten – Mit welchen Hausmitteln kann das Immunsystem gestärkt werden?

Wenn das Pferd gesund ist, ist Sport das beste Mittel. „Sportler haben deutlich weniger Lungenerkrankungen“, bestätigt Dr. Karl Blobel, „denn beim Schwitzen wird die Durchblutung angeregt, was das Immunsystem stärkt.“

Wenn das Pferd hustet, aber sonst kein Fieber, sollte es daher leicht schwitzen beim Training. Zusätzlich unterstützen so genannte Paramunitätsinducer die Abwehr. Sie können vorsorglich beim Tierarzt besorgt werden, wenn das Pferd in nächster Zeit bestimmten Belastungen ausgesetzt ist.

Bekommen geschorene Pferde leichter Husten und hilft es, die Nierenpartie nicht zu scheren?

Scheren oder nicht – das ist laut Dr. Blobel keine Frage der Hustengefahr, sondern des Putzens. „Das Fell ist ein natürlicher Schutz gegen die Kälte. Putzt man das Pferd aber zu gründlich, wird die Isolationssicht zerstört. Diese setzt sich aus Schuppen und Haaren zusammen, was viele Pferdebesitzer als Dreck ansehen und wegputzen wollen. Die Thermoregulierung ist gestört.

Geschorene Pferde bekommen keinen Husten, wenn der fehlende Kälteschutz durch eine Decke ersetzt wird – egal, ob die Nierenpartie geschoren ist.“ Einziger Vorteil der Halbschur: Auf die Decke kann beim Trockenreiten oft verzichtet werden.

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Die fehlende Schutzschicht des Fells muss bei geschorenen Pferden durch Decken ersetzt werden. (© www.toffi-images.de)

Bei welchen Temperaturen und wie lange können Pferde ohne Decke im Regen stehen, ohne Husten zu bekommen?

„Wenn das Pferd zu lange im Regen steht, bekommt es eher eine Hauterkrankung als eine Erkältung“, so Dr. Blobel. „Ist es außerdem kalt, so sind auch Muskelverspannungen und schmerzen möglich.“ Eine typische Erkältung, so wie wir sie bekommen, gibt es bei Pferden nur sehr selten.

„Man müsste schon ein geschorenes Pferd mehrere Stunden bei niedrigen Temperaturen in den Regen stellen, damit es sich erkältet“, so Dr. Niederhofer. Das Immunsystem kann jedoch geschwächt werden und dadurch Viren den Weg frei geben.

Was muss bei der Heufütterung beachtet werden, wenn das Pferd hustet?

Staub ist gefährlich und steckt fast in jedem Heu – entweder durch Verschmutzung bei der Ernte oder durch Blütenpollen. Da Heu oft hochdruckgepresst ist, hat sich der Staub an den Halm gebunden. „Daher ist es grundsätzlich verkehrt, das Heu in der Box aufzuschütteln“, erklärt Tierarzt Dr. Blobel. „Der Staub löst sich vom Halm und schwebt mehrere Stunden über dem Heuhaufen, so dass das Pferd beim Fressen den Staub inhaliert.“

Bei empfindlichen Pferden ist es besser, das Heu nass zu machen. „Aber nicht länger als zehn Minuten einweichen, sonst werden die Spurenelemnte und Mineralien herausgewaschen“, warnt Dr. Blobel. Qualitativ einwandfreie Anwelksilage ist auch gut geeignet.

Was muss bei der Boxenhaltung beachtet werden, um Lungenerkrankungen zu vermeiden?

„Die richtige Belüftung ist der Schlüssel zum Erfolg bei Atemwegserkrankungen“, weiß Dr. Matthias Niederhofer. Sowohl Zugluft als auch schlechte Luft in der Box und Staub schaden der Lunge enorm, da sie die Atmungsorgane schwächen und den Weg für Infektionen frei geben. Die Luftströmungen sollte laut Dr. Blobel bei etwa 0,3 Metern pro Sekunde liegen und Schadstoffe wie Ammoniak müssen von der Einstreu gut gebunden werden.

„Vorteilhaft sind Böden in der Box, die die Flüssigkeit aufnehmen oder ein schräger Boden, so dass der Urin zu Seite Ablaufen kann“, rät Dr. Karl Blobel. „Bevor der Urin auf dem Boden Pfützen steht, würde ich zu einer Matratze raten, denn sobald sich das Pferd hinlegt, erwärmt sich der Ammoniak und steigt auf. Bei einer Matratze fließt der Urin hindurch und hat somit eine weitere Entfernung zum Pferd.

Voraussetzung für eine gute Matratze: Sie sollte 20 Zentimeter hoch sein und Pferdeäpfel sowie nasse Stellen müssen täglich entfernt werden. Optimal ist eine Kombination aus Spänematratze mit Stroh darüber, was allerdings aus wirtschaftlichen Gründen in vielen Ställen nicht möglich ist.“

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Frische Luft ist immens wichtig für die Pferdegesundheit. (© www.slawik.com)

Wie hoch darf die Luftfeuchtigkeit im Stall sein?

Zu hohe Luftfeuchtigkeit ist schädlich, weil sie die Vermehrung von Krankheitserregern, Schimmelpilzen und Parasiten begünstigt. Außerdem kann feuchte Luft zu Krämpfen in den oberflächlichen Bronchien führen, da weniger Sauerstoff in der Luft ist.

Zu trockene Luft begünstigt wiederum die Bildung von Staub, was ebenfalls schädlich für die Atemorgane ist. Zwischen 60 und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit lautet die Empfehlung in den Richtlinien für Reiten und Fahren Band vier, Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht.

In der Praxis leichter umsetzbar ist der Rat von Tierarzt Dr. Blobel: „Die Luftfeuchtigkeit sollte der äußeren Luftfeuchtigkeit angepasst sein, so wie es auch bei der Temperatur der Fall ist.“

Bei Husten können dem Pferd Medikamente helfen – Welche Wirkung und Karenzzeiten muss man beachten?

Schleimlöser (Sekretolytikum)Bei Pferden mit Husten ist ein Schleimlösend oft hilfreich, denn dadurch wird der Schleim zähflüssig und kann so besser aus den Atemwegen abtransportiert werden. Karrenzzeit bei gängigen Medikamenten im Schnitt etwa 9 Tage. Genaue Angabe auf dem Medikament beachten!
BronchienerweitererNutzen Wirkstoffe zur Erweiterung der Bronchien. Solche Hustenmittel kommen beim Pferd  zum Einsatz, wenn die Muskeln, die die Atemwege umgeben, verkrampft sind – beispielsweise einem Bronchospasmus und auch bei Allergien. Der Wirkstoff Clenbuterol hat eine Karrenzzeit von 21 Tagen.
AntibiotikaMit diesem Wirkstoff wird das Wachstum von Bakterien gehemmt oder diese auch abgetötet. Bei Penicilin beträgt die Karrenzzeit beispielsweise Penicilin 8 Tage. Achtung: beim Zusatz von Lokalanästhetika kann sich die Karrenzzeit bis zu etwa 60 Tagen erhöhen!
CortisonDer Wirkstoff unterbindet  unter anderem Entzündungsreaktionen in den Bronchien und senkt die Schleimproduktion. Er mindert einen Bronchienkrampf und lässt die Schleimhäute abschwellen. Die Karenzzeit von Cortison bei Pferden mit Husten beträgt im Schnitt bei den meisten Medikamenten und einer Inhalation oder Fütterung etwa 7 Tage. Bei einer Injektion mit beispielsweise dem Arzneistoff Metyhlprednisolon beträgt sie hingegen 45 Tage!
KräuterWenn Husten-Kräuter, wie zum Beispiel Eukalyptus, Süßholz, Thymian oder Spitzwegerich beim Pferd eingesetzt werden, müssen 48 Stunden Karrenzzeit eingehalten werden.
GlobuliKommen Globuli wie beispielsweise Belladonna D6 (akute Bronchitis), Ammonium jodatum D6 (chron. Bronchitis mit festsitzendem Schleim), Aralia racemosa D6 (allergischer Husten/ Bronchitis) zum Einsatz, müssen ab einer Potenz von D6 und niedriger 48 Stunden Karenzzeit beachtet werden.

Seite 1: Das Pferd hustet – Wichtiges im Überblick

Seite 2: Diagnose und verschiedene Hustenerkrankungen

Seite 3: Vorbeugung und Alternativmedizin & Hustenkräuter

Seite 4: Häufige Fragen & Karenzzeiten

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