Erst Decke, dann decken

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Deckhengst (© Bemer)

Der eine kann es kaum erwarten, der zweite findet es öde und der dritte betritt die Deckhalle nicht ohne ein Schimmelpony oder andere Besonderheiten. Deckhengste sind auch nur Menschen. Auf Knopfdruck geht da gar nichts.

Generell nimmt der Hengsthalter Rücksicht auf die Befindlichkeiten seines Samenspenders. Doch was, wenn dessen Desinteresse den gesamten Betrieb aufhält? Was, wenn der Kurierdienst warten muss, Spermalieferungen zu spät auf die Reise gebracht werden? Oder wenn man in der Gegenwart des Hengstes nur das Wort Phantom denken muss, und schon wird aus dem freundlichen Tier ein Testosteron-Monster, das sich selbst vergisst? Eine Gefahr für diejenigen, die ihn führen müssen, genauso wie für sich selbst? Mit dieser Frage hat sich Dr. Hermann Josef Genn auseinandergesetzt. Der FEI-Tierarzt und Klinikgründer betreut seit Jahrzehnten nicht nur internationale Sportpferde, sondern auch große Deckstationen. Die Probleme, die an ihn herangetragen wurden, waren immer ähnlich: Hengste, deren Sexualtrieb (Libido) zu schwach ist. Oder zu dominant. Oder Hengste, die ängstlich, überaktiv und viel zu temperamentvoll reagieren.

Medikamentös kann und will man das Problem nicht beheben. Aber wie kann man das Thema über den Organismus angehen? Hier kommt die Therapiedecke des Bemer Horse-Sets ins Spiel. Die von ihr ausgehenden Impulse optimieren die Durchblutung buchstäblich bis in die letzte Ecke, denn die Mikrozirkulation, also die Versorgung der kleinen und sehr kleinen Blutgefäße wird angesprochen. Das entspannt die Muskulatur und sorgt außerdem für eine optimale Nährstoff- und Sauerstoffversorgung.

Dr. Hermann Josef Genn: „Ich habe mich schon Anfang der 1980er-Jahre an der Hochschule mit Pferdedecken, die Impulse abgeben, beschäftigt. Überzeugend war damals keine. Die Bemer-Decke haben wir vor einigen Jahren in einem Placeboversuch zunächst vor Narkosen bei uns in der Klinik ausprobiert. Die Kollegin konnte schnell feststellen, dass eine der Decken – die mit der Bemer-Technologie ausgestattete, was sie aber nicht wusste – beruhigend auf die Pferde wirkte. Das war für mich der Ausgangspunkt. Wir konnten eine Wirkung dann auch durch Messungen von Muskelwerten untermauern. So war meine Neugier geweckt und ich kam auf die Idee, sie bei Deckhengsten einzusetzen.“

Der Versuch

Am Anfang wurde betrachtet, ob bei drei Hengsten der Einsatz der Bemer-Decke irgendeine Beeinflussung des Verhaltens beim Deckakt zeigte. Nach positiven Ergebnissen wurde eine Anwenderbeobachtung während der Decksaison 2021 durchgeführt. Dabei wurden Daten von 29 Hengsten im Alter zwischen drei und 20 Jahren erhoben.

Um ein vollständiges Bild zu erhalten, wurde nicht nur analysiert, wie alt der Hengst war und wie er sich in der Deckhalle gebärdete. Auch Gewicht und Ernährungszustand – manch ein „Sexprotz“ verliert im Laufe der Decksaison deutlich an Pfunden – wurden festgehalten. Außerdem auch, wie das tägliche Trainingspensum der Hengste aussah. Rund um das Absamen auf dem Phantom wurde das spezifische Sexualverhalten der Hengste vor, während und nach der Samenentnahme notiert. Spermamenge und -qualität sowie die Motilität (Fähigkeit der aktiven Bewegung der Spermien) wurden jedes Mal registriert. Das Bemer Horse-Set hat drei verschiedene Einstellungsstufen, wobei die Auswirkungen der unterschiedlichen Intensitäten auf das Verhalten des Hengstes und auf die Qualität des Spermas dokumentiert wurden.

Das Ergebnis

Die Deckhengste wurden zunächst mit der Decke vertraut gemacht; einige Tage mit Stufe I (fünf Minunten), anschließend mehrere Tage mit Stufe II (zehn Minuten). Dann wurde geschaut, welche Stufe was bei den Hengsten bewirkte. Überaktive Hengste reagierten gut auf Stufe III (15 Minuten). Die Anwendung schien zu beruhigen. Lethargische Kandidaten, mit schwach oder ungenügend ausgeprägter Libido, kamen dank Stufe I „in Schwung“. Sie schien eine höhere Aufmerksamkeit und Lebendigkeit bei den Tieren auszulösen. Noch eines zeigte sich: Routine und planmäßige Abläufe sind wichtig. Hengste sollten möglichst immer von derselben, ihnen gut vertrauten Person betreut werden. Nach dem Aufwärmen, etwa auf dem Laufband, wurde die Bemer-Decke übergelegt und das jeweilige Programm gestartet. Nach Beendigung des Programms wurde der Hengst dann abgesamt. Das Fazit: „Die Therapiedecke des Bemer Horse-Sets bietet eine sehr gute Möglichkeit, das Sexual­verhalten der Hengste zu beeinflussen und damit die Sicherheit für Mensch und Tier beim Umgang mit Deckhengsten generell zu erhöhen und eine gleichmäßigere Qualität des Spermas zu erreichen.“