Faszienrolle fürs Pferd – Anwendung leicht erklärt

Aufmacher Faszien

Oberschenkel bearbeitet, das ganze Pferd entspannt: Die RollArt-Faszienrolle fürs Pferd hat gehalten, was sie verspricht. (© www.toffi-images.de)

Attacke auf verklebte und verhärtete Faszienstrukturen! Dank hölzerner Faszienrollen sollen Pferde lockerer und geschmeidiger werden. Wir haben uns im Test davon überzeugt.

Das beste an den Rollen ist, dass man nichts falsch machen kann“, sagt Christoph Machura und blickt beinahe ein bisschen verliebt auf die von ihm geschaffenen Faszien­rollen für Tiere. Das Prin­zip ist aus der Bäckerei bekannt: zwei Handgriffe, dazwischen eine Rolle. Im Gegensatz zum Nudelholz sind aber die Oberflächen der beiden größeren Rollen geriffelt. Außerdem ist der Rollenkorpus konisch geformt, verläuft also anders als eine gerade, glatte Rolle. Diese Wölbung ermöglicht es, punktgenau Probleme zu bearbeiten, anfangs vorsichtig mit wenig Druck, später, wenn das Pferd zusehends entspannt, auch etwas kräftiger. Der Einfachheit halber hat Christoph Machura, der sich seit 25 Jahren beruflich mit Pferden beschäftigt, seine drei Rollen der Größe nach benannt, S, M und L. M und L sind mit Rillen versehen, wobei der Abstand bei der „M-Rolle“ schmaler ist als bei der „L-Rolle“.

Die Faszienrolle fürs Pferd im Test

Die Faszienrollen sind ein Hilfsmittel, das jeder einsetzen kann. Egal, was man mit dem Pferd vor hat, Reiten oder Longieren – eine „Bearbeitung“ des Körpers vor dem Training macht sich auf jeden Fall bezahlt. Wir haben im St.GEORG-Test die Rollen über drei Wochen eingesetzt und konnten bei verschiedenen Pferden unterschiedliche Erfolge erzielen. Reiterlich haben sich alle verbessert! Ein hektisches Pferd wurde ruhiger in der Lösungsphase, eines bewegte sich freier in der Vorhand. Das dritte, eher das Modell Diesel, brauchte weniger Zeit um in Schwung zu kommen. Alle Pferde haben sich im Verlauf des Testzeitraums an das „gerollt-Werden“ gewöhnt. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass sie es zu schätzen wussten. Wobei sich auch bei jedem Pferd klare Problemzonen herauskristallisierten. Diese Bereiche zu bearbeiten, war für die Pferde nicht immer angenehm. Aber mit langsamer Steigerung der Intensität, nahmen Abwehrreaktionen ab. Hat man einen solchen „Knack­­punkt“, meist eine Verhärtung oder Verspannung, lokalisiert, helfen die Rollen, das fasziale Gewebe wieder in Ordnung zu bringen. Teilweise reagierten die Pferde extrem, so wie ein Mensch, bei dem ein Physio­therapeut einen Triggerpunkt gefunden hat. Für Tier und Mensch gilt: Der Schmerz wird nachlassen, wenn an der Lösung der Verspannung kontinuierlich gearbeitet wird.

Wer sein Pferd vor dem Training mit den Rollen bearbeitet, beginnt mit der „L-Rolle“. Sie hat die größeren Abstände zwischen den Rillen. „Mit ihr erreiche ich die tieferen Gewebestrukturen“, weiß Christoph Machura. Seine Empfehlung: „Zunächst die Rolle großflächig und mit wenig Druck kreuz und quer einsetzen. Am besten einfach Laufen lassen.“ Er spricht von einer „Kommuni­kation mit dem Pferd“ und warnt vor schnellen, hektischen Bewegungen.

Bei allen Bewegungen sollte man das Pferd stets im Auge haben. Schaut es skeptisch, den Druck verringen. Entspannt es, gähnt oder schnaubt gar ab, ist das Ziel erreicht. Vielleicht kann man aber auch jetzt den Druck noch einmal leicht erhöhen.

 

 


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Rollen bis zur Entspannung

So komplex die Funktionen der Faszien für den Gesamtorganismus, so umfangreich die Ergebnisse, die man mit den Rollen erreichen kann: Neben dem Aufwärmen und Lockern der Muskulatur tritt auch ein weiterer Aspekt vor allem bei nervösen oder hoch im Blut stehenden Pferden, zu Tage: Direkt vorm Start, auf Turnier oder Rennbahn, – Machura hat beides schon oft praktiziert – kommen die Pferde „runter“. Sie entspannen, lassen los, die Muskeln können optimal mit Sauerstoff versorgt werden, der für die geforderte Leistung im Anschluss dringend benötigt wird. „Die Faulen werden etwas flotter, tatsächlich“, beteuert Machura. Im Bereich der Rippen eingesetzt, können die Pferde oft freier durchatmen – wichtig für die Sauerstoffversorgung. Eine Stute im Test hustete zwei Tage Schleim ab, konnte tiefer atmen, auch unter dem Sattel.

Die „M-Rolle“ ist eher ein Präzi­sions­werk­­zeug. Mit ihr fühlt der Laie tat­sächlich verspannte Strukturen, die mit bloßer Hand nur geübte Therapeutenhände wahrnehmen würden. Wie diese Verspannungen gelöst werden, hat Dr. Robert Schleip von der Universität Ulm dokumentiert. Rollende und schiebende Bewegungen verhelfen den Faszienfasern, die in einer Flüssigkeit „schwimmen“, wieder in geordnete Bahnen zurück. So werden sie wieder elastisch. „Alles andere ist, als jogge man in einer Zwangsjacke“, so Machura. Schließlich seien die Faszien einer „der größten Schmerzsensoren des Körpers“.Die „S-Rolle“ mit der glatten Oberfläche empfiehlt sich für Kopf und Gelenke. „Ohne Druck!“, solle dies gesche­hen. Gefertigt wer­den die Rollen aus Erle. Acht verschiedene Holzarten hatte Machura ausprobiert. Erle sei ihm als „Wasserbaum“ empfohlen worden. Ob man nun diesen esotherischen Ausführungen folgen möchte oder nicht. Fest steht: Die Test-Pferde wollen auf eines nicht mehr verzichten: Ihre tägliche Rolleinheit.

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Im weiteren Verlauf entspannt sich der Wallach, streckt sich ab und gähnt. (© www.toffi-images.de)

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Zu Beginn ist die „L-Rolle“ in der Gurtlage noch unangenehm, der Wallach hebt das Vorderbein. (© www.toffi-images.de)

Kurz erklärt: Faszien

Faszien vernetzen im wahrsten Sinne des Wortes Körperregionen miteinander.

Als Bindegewebe sind sie seit langem bekannt, aber welche komplexen Bedeutungen Faszien innerhalb des Zusammenspiels aller Körperfunktionen zukommt, ist erst in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus geraten. Das muskelähnliche Gewebe (Myofibrolasten) besteht aus Kollagenfasern. Faszien umgeben jeden Muskel, jedes Organ. Sie sind nicht nur bei der Bewegung, sondern auch in die Reizleitung involviert. Eine Bedeutung wird ihnen sogar für das Immunsystem zugesprochen.

Wer hat’s erfunden?

Der 48-jährige Pferdewirt Christoph Machura beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit Pferden, Reit- aber auch Rennpferden, und hat auch mit Trabern gearbeitet. Schon damals begann er da­rüber zu grübeln, wie man Pferden am angenehmsten Leistung abverlangen könnte. Er bildete sich weiter, schaute sich bei unterschiedlichen Therapeuten Handgriffe ab und entwickelte diese weiter. „Ein ausgebilderter Osteo- oder Physiotherapeut bin ich aber nicht“, betont er. Die RollArt-Faszienrollen hat er über meherere Jahre entwickelt. Er betreibt in Huntlosen bei Oldenburg ein Therapiezentrum, das sich u.a. der Bewegungsschulung von Pferden und Reitern verschrieben hat. www.gangarten.training

 

RollArt – die gesunde Rollkur

Die Faszienrollen werden in Deutschland aus Erlenholz gefertigt, die Kugellager sind geschlossen. Sie sich deswegen nicht in Fell, Schweif oder Mähne verhaken. Zur Reinigung empfiehlt der Hersteller RollSan, das 99,9 Prozent der Bakterien, Pilze und Viren abtöten soll und dem Holz nicht schadet. Das Set aus drei Faszienrollen fürs Pferd kostet 379 Euro. www.rollart.com

Alternativ gibt es die L-Rolle auch als Prämie zu einem St.GEORG-Abo. Das können Sie hier abschließen.

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