Fliegender Galoppwechsel: Dressurreiten mit Ingrid Klimke

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Bergauf und energisch durchgesprungen, bei gleichmäßiger Anlehnung: So sollte ein fliegender Galoppwechsel aussehen. (© www.toffi-images.de)

Fliegender Galoppwechsel – eines der Mysterien in der Dressurausbildung. Reitmeisterin Ingrid Klimke gibt Tipps, wie Pferde diese Dressurlektion erlernen und zeigt Wege auf, wie eventuelle Probleme gelöst werden können.

Ein fliegender Galoppwechsel ist eine Herausforderung und damit er gut klappt, muss zunächst die Basisarbeit stimmen. Das heißt, um mit dem Training von fliegenden Wechseln beginnen zu können, muss der Galopp genügend versammelt, geschlossen und bergauf gesprungen sein.

Außerdem sollte der einfache Galoppwechsel problemlos klappen und das Pferd sollte sich ausbalanciert im Außengalopp bewegen können. Im Training mit Ingrid Klimke stellen wir exklusiv drei Übungen des neuen Buchs „Reite zu deiner Freude“ vor, womit ein fliegender Galoppwechsel problemlos klappt.


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Vom einfachen zum fliegenden Galoppwechsel

„Am liebsten beginne ich das Erarbeiten des fliegenden Galoppwechsels auf einer Acht, die ich auf den Zirkeln bei A und C anlege“, erklärt Ingrid Klimke. „Zunächst reite ich immer über der Mittellinie einen einfachen Wechsel. Gerne reite ich diesen auf den Spiegel zu, um zu sehen, ob das Pferd auch wirklich gerade ist und Vor- und Hinterhand sicher auf einer Linie sind.“ (siehe Skizze)

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Mit dem einfachen Galoppwechsel beginnen. (© St.GEORG)

„Dann lasse ich den Schritttritt weg und gebe die Wechselhilfe. Dabei verlagere ich mein Gewicht auf den neuen inneren Gesäßknochen, lege den inneren Schenkel nach vorne und den äußeren Schenkel zurück, gebe die innere Hand vor, um den neuen inneren Hinterfuß zum weiteren Durchspringen zu animieren“, erläutert die Reitmeisterin und betont: „Immer, wenn ein Wechsel gelingt, pariere ich sofort durch zum Schritt und lobe.“

Es ist ratsam, einen Helfer zu haben, der klar „durch“ oder „nach“ sagt, damit das Loben möglichst zeitnah erfolgt. War der Wechsel nicht gut, dann erneut ansetzen, wenn die halben Paraden gut durchkommen.

Was „durchgesprungen“ beim fliegenden Galoppwechsel bedeutet

„Der war durch!“ bedeutet, dass der fliegende Galoppwechsel durchgesprungen war. Das heißt, dass das Pferd im Moment der freien Schwebe gleichzeitig mit der Vorhand und der Hinterhand umspringt. „Einen nach“ – oder fachlich korrekt „in zwei Phasen gesprungen“ – bedeutet hingegen, dass das Pferd erst vorne und dann hinten umspringt. Das passiert oft, wenn das Pferd noch nicht gesetzt genug galoppiert, das heißt, mit der Hinterhand noch nicht genügend Last aufnimmt, weil die Tragkraft noch nicht ausreichend erarbeitet ist. Das muss sichergestellt sein, ehe an fliegende Wechsel überhaupt zu denken ist.

Über den Außengalopp zum fliegenden Wechsel

Zunächst einige einfache Wechsel auf einem Zirkel reiten – in Richtung der offenen Seite in den Außengalopp und zur geschlossenen Seite zum Handgalopp. Der Wechsel soll dabei nur über einen Schritttritt erfolgen. Der Reiter benutzt immer dieselbe Stelle für den Wechsel, damit es dem Pferd leichter fällt, die Aufgabe zu verstehen.

Nach einigen einfachen Galoppwechseln den Schritttritt weglassen und einen fliegenden Wechsel vom Außengalopp in den Handgalopp absolvieren. Dafür muss der Reiter die Hinterbeine des Pferdes gut herantreiben, das Pferd aufnehmen und dann wechseln.

Tipp:  Ohne Steigbügel kann der Reiter die Wechselhilfe gut mit der flachen Wade geben.

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Eine Wechselhilfe ohne Steigbügel mit der flachen Wade, kann bei sehr sensiblen Pferden der Schlüssel sein. (© Kosmos Verlag)

Aus der Traversale in den fliegenden Wechsel

Da das Pferd in der Traversale gut versammelt ist, bietet sich die Lektion für den fliegenden Galoppwechsel an. „Ich reite zunächst aus der Ecke heraus eine Galopptraversale fast ohne Stellung bis zur Viertellinie, pariere beim Erreichen der Linie zum Schritt durch und galoppiere im Außengalopp wieder an“, so Ingrid Klimke. Vor dem Abwenden erfolgt wieder ein einfacher Wechsel zum Handgalopp.

„Wenn mein Pferd sicher an den Hilfen steht, sich gut trägt und konzentriert mitarbeitet, dann übe ich das Gleiche noch einige Male. Anfangs wieder mit nur einem Schritttritt und später ohne. Beim Erreichen der Viertellinie reite ich einen Galoppsprung gerade und stelle mein Pferd schon in die neue Richtung. Dann folgt die Wechselhilfe. In der Lernphase muss ich die Hilfe noch deutlicher geben, bevor ich sie später langsam unsichtbar werden lassen kann.“

Tipp:  Bei sensiblen Pferden, die gerne mal die Reiterhilfen vorwegnehmen, sollte man darauf achten, klare Hilfen zu geben – und zwar vor allem im richtigen Moment. Das Timing muss stimmen.

Außerdem sollte der Reiter immer wieder neue Situationen schaffen, damit das Pferd wartet bis die Reiterhilfe zum fliegenden Wechsel kommt. Der fliegende Wechsel kann nur so gut sein, wie der versammelte Galopp vor dem Wechsel. Deshalb sollte das Pferd bergauf, vor den treibenden Hilfen, immer im Rhythmus und versammelt galoppieren. Zwischen den Wechseln immer wieder groß nach vorne galoppieren und den Schwung richtig entfalten.

Das Ziel: korrekter fliegender Galoppwechsel

Auf beiden Händen durch die halbe Bahn wechseln und bei Durchreiten der Mittellinie einen gelassenen (!) fliegenden Galoppwechsel absolvieren – klappt diese Übung fehlerlos, ist das Ziel erreicht.

„Gelingt ein guter Wechsel, ist das genau der richtige Zeitpunkt, das Training zu beenden und keine weiteren Fehler zu provozieren“, betont die Reitmeisterin. „Ich nutze das gute Ende und übe am nächsten oder übernächsten Tag weiter. Das ausgiebige Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen im Galopp und dann im Trab, ist gerade nach dieser Arbeit besonders wichtig.

Und nicht vergessen: Das Pferd ausgiebig loben!“

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Ziel erreicht: Aus reeller Versammlung ist ein gelungener Fliegender Wechsel entstanden. (© www.toffi-images.de)

Diese drei Übungen für den fliegenden Galoppwechsel helfen, ihn zu erlernen und seinem Pferd verständlich beizubringen. Dazu sorgen sie für Abwechslung im Training und können auf ganz unterschiedliche Weise auch helfen, Probleme beim fliegenden Wechsel zu lösen. Hier noch einige weitere Tipps von Reitmeisterin Ingrid Klimke, wenn es nicht so läuft wie es sollte.

Das häufigste Problem beim Erlernen des fliegenden Wechsels

Das kennt jeder Ausbilder, wenn es an das Erarbeiten der fliegenden Wechsel geht: Das Pferd wird hektisch. Ein hektisches Pferd ist in der Regel unkonzentriert und galoppiert nicht mehr mit der Bergauftendenz und in der Versammlung, die für einen gut durchgesprungenen fliegenden Galoppwechsel notwendig sind. Damit man diese Übung richtig reiten kann, muss das Pferd aufmerksam und gelassen an den Reiterhilfen sein.

Wenn das Pferd hektisch wird, hilft zum Beispiel:

  • die Wechsel nicht zu oft hintereinander zu reiten
  • das Pferd abzulenken und dann den Wechsel an einer anderen Stelle abzufragen
  • ohne Sporen zu reiten, damit der Reiter besser mit der flachen Wade ans Pferd und mit dem Gesäß zum Treiben kommt (besonders bei Pferden, die am Bauch sehr empfindlich reagieren)
  • Spannung durch Sprünge verlängern an der langen Seite abzubauen oder das Pferd zum Schritt durchzuparieren und zu loben

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