Für einen guten Start ins Leben – Wissenswertes zu Fohlengeburt, -aufzucht und -erziehung

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Wie erkennt man, ob das neugeborene Fohlen gesund ist und was ist nach der Geburt zu tun? Tierärztin Dr. Eva Miersch erklärt, worauf es ankommt.

Vitalparameter des neugeborenen, gesunden Fohlens

  • Brustlage – direkt nach der Geburt
  • Aufstehversuche – innerhalb der ersten Minuten/ max. halbe Stunde
  • Aufstehen – innerhalb der ersten 2 Stunden
  • Saugreflex – innerhalb der ersten 20 min. vorhanden
  • Erstes Saugen: 2 – 4 Stunden nach der Geburt
  • Mekoniumabgang (Darmpech) : 3 – 6 Stunden nach der Geburt
  • Erster Harnabsatz: bei Hengstfohlen bis 6 Std. nach der Geburt, bei Stutfohlen bis zu 10 Std. nach der Geburt
  • Temperatur – 37,2° – 38,9° (innerhalb der ersten vier Tage)
  • Herz-/ Pulsfrequenz – 70 – 100 Schläge/min (innerhalb der ersten Tage)
  • Atemfrequenz – 20 – 40 Züge/min (innerhalb der ersten Wochen)

Achtung!

Bei fehlenden Herzschlägen, oder unter 60/ min und bei einer fehlenden/ unregelmäßigen Atmung, reduzierter Muskelspannung in den ersten Minuten nach der Geburt ist mit einer Asphyxie zu rechnen (Sauerstoffunterversorgung in der Geburt, durch Einatmung von Fruchtwasser, zu lange Geburt in geschlossener Fruchthülle, keine ausreichende Lungenentfaltung/ Surfactantbildung). Akut kann mit Mund-Nüster Beatmung im wahrsten Sinne des Wortes dem Fohlen Leben eingehaucht werden. Die kritischen Folgen einer Geburtsasphyxie, treten allerdings erst Stunden nach der Erholung/ Wiederbelebung auf. Daher den Tierarzt rufen!

Was tun, wenn die Stute das Fohlen nicht annehmen/saugen lassen will?

Selten kommt es vor, dass Stuten direkt nach der Geburt mit den Vorderbeinen nach dem Fohlen schlagen oder sogar beißen und treten. Erstgebärende Stuten beruhigen sich häufig, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Es ist aber in jedem Fall Vorsicht geboten und ggf. muss der Stute ein Sedativum verabreicht werden.

In Ausnahmefällen oder bei vorberichtlich aggressiven Stuten kann es nötig werden, Mutter und Fohlen zu trennen und das Fohlen nur unter Aufsicht/ kontrolliert trinken zu lassen. Nach drei bis Tagen ggf. auch unter Sedativa der Stute, beruhigt sich in der Regel die Situation deutlich.

Immer sollten aber mögliche Ursachen abgeklärt werden:

  • Beim ersten Milcheinschuss können Spannungen im Euter entstehen, die Schmerzen verursachen, gerade Erstgebärende können dadurch Angst vor dem Saugen des Fohlens entwickeln – hier hilft: einer kontrolliert die Stute am Kopf, ein zweiter hält das Fohlen in der Nähe des Euters und ein dritter melkt ab; wenn die Milch spritzt, säugt das Fohlen schneller und die Stute merkt, dass durch das Saugen der Druck im Euter nachlässt und verbindet das Saugen mit einer positiven Erfahrung; im schlimmsten Fall bei der Stute Nasenbremse anwenden und sobald die Stute während des Vorgangs ruhiger wird, langsam versuchen die Bremse zu lösen; alle Beteiligten müssen dabei Bescheid wissen!
  • Das Saugen des Fohlens führt zu vermehrter Oxytocinausschüttung bei der Stute, wodurch Nachwehen und Milcheinschuss verstärkt werden
  • Evtl. Euterentzündungen (Mastitis) dann ist das Euter, ggf. auch nur eine Hälfte verhärtet, heiß und schmerzhaft, Fiebermessen bei der Stute
  • Nachgeburt vollständig abgegangen? Fieber messen bei Stute und Fohlen. Tierärztlich abklären ob eine Gebärmutterentzündung/ -infektion vorliegen könnte – Aufgrund der Toxine Gefahr für Stute und Fohlen!

Wann kann ein Fohlen das erste Mal raus?

Grundsätzlich gilt bei gesunden Fohlen so früh wie möglich. Allerdings spielt das Wetter natürlich in den ersten Tagen eine Rolle. Vor allem Regen und kalter Wind können zum Auskühlen des Fohlens führen. Häufiger und nur halb-/ stundenweise schützt das Fohlen vor Überanstrengung. Die ersten Tage empfiehlt es sich rot-/weißes Flatterband an den Zäunen zu befestigen, auch in Augenhöhe des Fohlens, damit die Grenzen der Bewegungsfreiheit offensichtlicher sind.

Wie viel Bewegung muss sein/Gibt es ein zu viel?

Fohlen, die auf der Weide geboren worden sind, regeln ihr Schlafbedürfnisse in der Regel von Beginn an selbst. Sie lernen früh, dass auch die Mutter/ Herdenmitglieder ruhen und legen sich im Schutz der Gruppe/ Mutter schon von Beginn an zum Schlafen hin. Fohlen, die im Stall geboren worden sind und immer nur anfangs stundenweise ins Freie dürfen, kommen draußen meist schwer zur Ruhe und können sich überanstrengen. Das heißt sie müssen eventuell geschützt werden und mit der Mutter immer wieder nach kurzen Zeiten wieder in den Stall zurückgebracht werden. Hier ist gesunder Menschenverstand und Gefühl der Besitzer gefragt.

Fohlendecken

Sollten nur im Notfall bei extremen Wetterbedingungen oder bei kranken, geschwächten Fohlen zum Einsatz kommen. Wenn ein Fohlen nach tierärztlichem Rat wirklich eine Decke braucht, ist zwischen notwendiger Bewegung und Stallruhe sorgfältig abzuwägen.

Entwurmung (1.Tag bis 3./4. Lebensmonat)

Magen-Darm Parasiten sind in der Jungpferdeaufzucht von Beginn an ein wesentliches Problem. Dies ist in zwei Ursachen begründet: Es gibt für das Pferd nur noch fünf zugelassene Wirkstoffe gegen Magen-Darm Parasiten, da diese inzwischen 30-40 Jahre alt sind, nimmt das Parasitenproblem in allen Beständen zu. Gesunde erwachsene Pferde bilden eine gewisse Immunität gegen viele Magen-Darm-Parasiten aus, so dass hier mit kombinierten Maßnahmen (Kotuntersuchung/ Entwurmung nach Bedarf) agiert werden kann. Fohlen und Jungpferde haben diese Immunität noch nicht entwickelt und benötigen daher ein intensives anti-Parasitenmanagement.

Es empfiehlt sich die Stute ca. zwei Wochen vor dem Abfohltermin mit einer „Kleinen Wurmkur“ gegen die gängigen Nematoden (Rundwürmer) zu entwurmen. Das ist darin begründet, dass Neugeborene bereits über die Muttermilch beim Saugen (Zwergfadenwurm, Strongyloides westeri) oder beim Ablecken der Boxenwände u.ä. (z. B. Spulwurm, Parascaris equorum; Pfriemschwanz, Oxyuris equi) sich mit Magen Darm Parasiten infizieren kann. Die Entwurmung der Mutter vor der Geburt senkt den Infektionsdruck für das neugeborene Fohlen. Hier bietet sich der Wirkstoff Pyrantel-, oder Pyrantelemboat an.

Innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt sollte das Fohlen selbst auch entwurmt werden. Hier sollte dann der Wirkstoff Fenbendazol verwendet werden. Das liegt darin begründet, dass die Larvenausscheidung der Stute über die Milch (laktogene Infektion) besonders zu Beginn der Laktation am höchsten ist und diese Larven sich direkt im Dünndarm  des Fohlens ansiedeln, ohne erst den üblichen längeren Entwicklungsweg im Körper des Tieres  zu nehmen (Dosis im Beipackzettel beachten!).

Wann erneut entwurmt werden muss, entscheidet der Infektionsdruck und das Hygienekonzept des Betriebes, sowie der Verwurmungsgrad des Fohlens selbst (Kotuntersuchung!). Ab der 8. Lebenswoche des Fohlens kann auch Pyrantel, -emboat eingesetzt werden (Dosis im Beipackzettel beachten!).

Fütterung/ Zusatzpräparate (1.Tag bis 3./4. Lebensmonat)

In den ersten drei Lebensmonaten benötigt ein gesundes Fohlen keine zusätzliche Fütterung. Wird die Mutter ausreichend mit Zuchtfutter, gutem Heu und ggf. je nach Geburtszeitpunkt mit frischem Gras versorgt, erhält das Fohlen alle wesentlichen Nährstoffe in ausreichendem Maß über die Muttermilch.

Fohlenhalfter/ Hufe aufheben/ Putzen (1.Tag bis 3./4. Lebensmonat)

Ein Fohlenhalfter sollten über mindestens zwei, besser drei Verschnallungen verfügen, damit es individuell mitwachsen kann, aber nie so locker sitzt um ins Auge, oder auf die weichen Nüstern zu rutschen. Das Anlegen erfolgt seitlich neben den Fohlen stehend mit geöffneter Genickschnalle, so dass man nur die Nase in das Halfter schieben muss und das Halfter dann hinter den Ohren schließen kann. Man sollte nie versuchen, von Beginn an das Halfter über die Ohren ziehen zu wollen. Halfter anziehen und die Beine anfassen sollte bereits in den ersten Lebenstagen geübt werden und sollte bald für das Fohlen zur normalen Routine gehören.

Hebt das Fohlen dabei spielerisch den einen oder anderen Huf, wieder absetzen und loben. Fohlen haben noch Probleme, ausbalanciert auf drei Beinen zu stehen. Doch regelmäßiges Üben in aller Ruhe löst das Problem schnell – vorausgesetzt man hat früh genug damit angefangen.

Auch das Fohlen in den ersten Tagen/ Wochen mit Halfter und Strick hinter/ vor der Mutter zur und von der Weide weg zu führen erleichtert allen das gesamte restliche Pferdeleben. Ein kleiner Plastikstriegel spielerisch dort eingesetzt, wo es juckt (z. B. Ansatz Schweifrübe) hilft dem Fohlen, die anfängliche Berührungsempfindlichkeit zu verlieren und das „Rubbeln“ kann bald überall am Körper ausgedehnt werden. Pferde vergessen nichts. Das gilt allerdings auch für negative Erfahrungen – daher konsequentes, ruhiges Handeln und viel Loben.