Gefährliche Blutsauger: Zecken am Pferd

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Zecken sind beim Pferd meist schwer zu finden. Deshalb sollte man sein Pferd regelmäßig nach Zecken absuchen. (© www.slawik.com)

Zecken können für das Pferd genauso gefährlich werden wie für den Menschen. Jeden Frühling kommen sie wieder und mit den Parasiten die Angst vor Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME).

Endlich Sommer, endlich wieder lange Ausritte ins Gelände – für Reiter und Pferd beginnt jetzt die schönste Jahreszeit. Aber: Vom Frühsommer bis in den Herbst hinein tummeln sich auch die Zecken auf Büschen und Gräsern und warten auf Nahrung, die sie zum Überleben und Vermehren benötigen: Das Blut. So kommt ihnen dafür fast jeder gerade recht, der an den Büschen oder Gräsern vorbeikommt. Ob Maus, Pferd oder Mensch, die Zecken lassen sich im Vorbeigehen mit einer kurzen Berührung von den Grashalmen und Büschen abstreifen, sitzen an der Kleidung oder im Fell und suchen sich dann eine geeignete Körperstelle, um sich festzusaugen. Findet man Zecken am Pferd, sollte man sie zügig entfernen, da sie Krankheiten übertragen können.

Die kleine Zecke

Zecken sind zäh und das schon im Anfangsstadium. Die achtbeinigen Spinnentiere durchlaufen in ihrer Entwicklung die Stadien „Zecken Larve“, „Zecken Nymphe“ und entwickeln sich daraus entweder zu einer weiblichen oder männlichen Zecke. Dabei können die Zecken ihre Größe sehr stark verändern und beginnen im kleinsten Stadium mit gerade einmal einem Millimeter Größe. Eine vollgesaugte Zecke kann durchaus bis zu 12 Millimetern groß werden.
Die Gesundheitsgefahr, die von einem Zeckenbiss ausgehen kann, ist vielen Menschen immer noch nicht bewusst. In Europa ist die Schildzecke (Ixodes ridinus) gehört zu den Milbenarten und ist der häufigste Krankheitsüberträger für Mensch und Tier.

In der Farbgebung gibt dabei nicht nur schwarze, sondern auch rote Zecken. Manchmal gibt eine besondere Färbung aber auch Hinweise auf spezielle Zeckenarten. Die Zecke lebt im Durchschnitt meist drei bis fünf Jahre und wird ab dem Frühjahr aktiv, wenn die Temperaturen über sieben Grad Celsius steigen. Herrscht zusätzlich eine hohe Luftfeuchtigkeit ist das die ideale Ausgangsposition.

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Am gefährlichsten ist ein Stich einer Teenager-Zecke, der Nymphe. Sie sticht nicht nur mit Widerhaken zu, sie trägt auch die meisten Erreger mit sich herum. (© St.Georg)

Wann Zecken für Pferde und Menschen zur Gefahr werden

Auf Pferdeweiden findet der Parasit einen geeigneten Lebensraum: „Besonders auf ungepflegten Weiden mit vielen Sträuchern und jeder Menge Unkraut ist das Risiko einer Infektion mit Borreliose sehr hoch“, weiß Tierarzt Dr. Uwe Hörügel von der Sächsischen Tierseuchenkasse. Hier fühlen sich neben der Zecke auch Mäuse sehr wohl, die zusammen mit Vögeln zu den Reservoiren der Bakterien „Borrelia burgdorferi“, die die Lyme-Borreliose auslösen, zählen.
Nutzt eine Zecke eine Maus als Wirt, nimmt sie das Bakterium zusammen mit dem Blut auf und trägt es anschließend auch nach der Entwicklung zum nächsten Stadium in sich. Jetzt ist die Zecke für Pferde und Menschen  höchst gefährlich, denn vor dem eigentlichen Saugakt sondert die Zecke ein Lokalanästhetikum ab, welches die gebissene Stelle betäubt. Dadurch wird der Biss meist nicht bemerkt und die Zecke kann sich in Ruhe vollsaugen, was etwa zwei bis neun Tagen dauert. Im Anschluss lässt sie sich die vollgesogene Zecke vom Pferd wieder auf den Boden fallen.

Durch den Biss gibt die Zecke jedoch nicht nur ein Lokalanästhetikum ab, sondern injiziert gleichzeitig durch Ihren Speichel auch das gefährliche Bakterium in den Körper des Wirts. Deshalb ist solch eine infizierte Zecke für Pferd und Mensch eine Gefahr.

Hartnäckige Bakterien – Der Zeckenbiss und seine Folgen

Etwa ein Viertel der Zecken, sowohl Nymphen als auch ausgewachsene Zecken, tragen das Bakterium „Borrelia burgdorferi“ in sich und sind so Überträger von Borreliose. Das gefährliche Bakterium zählt zur Bakterienfamilie der Spirochäten. Die Spirochäten sind spiralförmige, außergewöhnlich große Bakterien, die in der Medizin als besonders hartnäckig bekannt sind. Sie befinden sich im Mitteldarm der hungrigen Zecke und werden erst bei Nahrungsaufnahme aktiv. Die Bakterien verteilen sich dann im Zeckenkörper und werden mit ihrem Speichel übertragen.

Im Organismus des Wirts können sich diese gefährlichen Bakterien in der Haut, den Gelenken und im Herzen ausbreiten und sogar das Gehirn befallen. Dort vermehren sie sich, es kommt zu Entzündungen und die Krankheit nimmt ihren Lauf. Reicht die Abwehrkraft des Immunsystems nicht aus, um die Bakterien zu eliminieren, schrauben sich die Spiralen in Gewebe, Organe und Zellen und sind an diesen Orten sowohl für Antibiotika als auch für die körpereigene Abwehr nur schwer zu erreichen.

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Starke Abmagerung ist immer ein Zeichen dafür das etwas beim Pferd nicht stimmt. Auch ein Zeckenbiss und die damit verbundenen Krankheiten können dieses Symptom beim Pferd auslösen. (© www.slawik.com)

Die Zecke in der Haut – Symptome für FSME und Borreliose bei Pferden

Wenn das Pferd mit mattem Gesichtsausdruck in der Box steht, jede Bewegung steif ist und zu schmerzen scheint – An Reiten gar nicht zu denken ist, kann es sein, dass der gemeine Holzbock (wie die Zecke oft auch genannt wird) zugeschlagen hat.
Abgeschlagenheit und ein steifer Gang, Schwellungen an Gelenken oder auch zentralnervöse Störungen, können Anzeichen einer Borreliose oder FSME Erkrankung sein. „Die Symptome einer Lyme-Borreliose sind sehr allgemein, dementsprechend schwierig ist die Diagnose. Gerade Fieber und angeschwollene Gelenke können neben einer möglichen Borreliose-Infektion viele andere Ursachen haben“, so Tierarzt Dr. Uwe Hörügel.

Ob der Zeckenbiss zu Borreliose geführt hat, ist beim Pferd schwer zu erkennen und zeigt sich manchmal erst nach Monaten oder Jahren. Da die Symptome nicht immer eindeutig sind, ist diese Erkrankung meist nicht die Erstdiagnose. Die Zeit ist jedoch ein entscheidender Faktor, denn je früher sie erkannt wird, desto größer ist die Chance, die Krankheit mit einem Antibiotikum auskurieren zu können.

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Die Borrelien-Bakterien können folgende Symptome hervorrufen: Hautverfärbung an der Einstichstelle, Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörung, Schwindel, Lymphknotenschwellungen. (© www.slawik.com)

Der Zeckenbiss juckt … Angst vor dem FSME Virus!

Menschen kennen Zecken nicht nur als Auslöser von Borreliose, sondern insbesonders auch wegen der Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME), gegen die sich viele Menschen impfen lassen. Mittlerweile weiß die Tiermedizin: Zecken können auch auf Pferde FSME-Viren übertragen.

Die Symptome sind, ähnlich denen der Borreliose, sehr allgemein: Das Wohlbefinden ist gestört, die Pferde haben Fieber und fressen nicht richtig. Auch Zittern, Muskelkrämpfe, Zähneknirschen und undefinierbare Schreckhaftigkeit können auf FSME hindeuten, genauso wie Schwanken (ataktischer Gang) und Krämpfe (epileptische Anfälle).

Fälle von FSME beim Pferd sind bislang eher Zufallsbefunde gewesen, erklärt Dr. Uwe Hörügel. Allerdings sind keine Fälle bekannt, bei denen FSME bewiesenermaßen zum Tod eines Pferdes geführt hat. „Wir haben eine Untersuchung durchgeführt, bei der wir 130 Pferde aus 13 Betrieben aus Thüringen auf FSME untersucht haben. Dabei haben wir ein Pferd gefunden, das einen hohen Antikörperspiegel aufwies“, berichtet Uwe Hörügel. Dieses Pferd stammte aus Bayern, war schreckhaft und etwas abgemagert. In FSME-gefährdeten Gebieten wie Bayern, Baden-Württemberg und Teilen von Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen ist man anders als in anderen Gebieten auch schon bei einem Larven- oder Nymphenbiss gefährdet. Die Flaviviren, die FSME auslösen, können von den weiblichen Zecken an ihre Eier weitergegeben werden. Auch hier vermutet man Nagetiere als ursprüngliche Träger der Viren.

Ortstreue FSME-Viren

Ein Gutes hat FSME: Die Verbreitung ist sehr ortsgebunden. „Gehen wir davon aus, dass auf einem Gebiet so groß wie ein Fußballfeld, FSME übertragen wird, werden Sie außerhalb des Spielfeldes keine FSME Erreger mehr finden“, beschreibt Biologin Dr. Dania Richter von der Technischen Universität Braunschweig. So punktuell seien die Übertragungsherde. Woran das liegt, sei aber noch nicht erforscht.

Da es sich bei FSME um eine Viruserkrankung handelt, kann sie nicht mit Antibiotika kuriert werden. Lediglich die Behandlung der Symptome ist möglich. Doch sind beide Krankheiten – Borreliose und FSME – nicht unbedingt chronisch: „Werden nach einer Borreliose- oder einer FSME-Infektion im Blut keine Antikörper mehr gefunden, wurden die Bakterien beziehungsweise die Viren im Körper abgetötet“, erklärt Tiermediziner Hörügel aus Sachsen.

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Die Antikörperbestimmung kann bei einem FSME-Verdacht hilfreich sein. (© www.slawik.com)

Babesiose – Angst vor Pirosplasmose beim Pferd?

In warmen Ländern sind Zecken für Pferde auch wegen der sogenannten Babesien gefürchtet. Das sind intrazelluläre Parasiten die die „Equine Piroplasmose“ ( Piroplasmose beim Pferd) auslösen. Bei dieser Infektion werden die roten Blutkörperchen angegriffen und zerstört. Dr. Pamela Beelitz von der Ludwig-Maximilians-Universität München gibt für Deutschland jedoch Entwarnung: „Hier ist Babesiose bis jetzt nicht heimisch.“

Infektion vorbeugen – Bevor der Zeckenbiss sich entzündet

Um eine Infektion zu verhindern, sollte man zügig handeln und auch eine Impfung gegen Borrelien für Pferde gibt es mittlerweile. Allerdings ist die sicherste Art einer Borreliose- oder FSME-Infektion vorzubeugen, einen Zeckenbiss zu vermeiden.

Hierfür rät Dr. Hörügel zur Weidepflege: „Häufig findet man Zecken gerade in feuchten Umgebungen. Beim Abschleppen der Weide werden Boden und Gras durchlüftet, feuchten Stellen wird so vorgebeugt.“ Ebenso sollten auf der Weide bzw. am Weideland stehende Büsche entfernt werden, da die Krabbeltiere sich hier bevorzugt aufhalten. Insektenabwehrmittel kann zusätzlich helfen Zecken bei Pferden abzuschrecken. So kann mit der richtigen Pflege der Pferdeweide die Zeckenpopulation auf der Weide reduziert werden.

Kaum gebissen, schon infiziert?

So schnell geht es nicht. „Das wichtigste ist, die Zecke innerhalb der ersten 24 Stunden zu entfernen. In dieser Zeit kann man davon ausgehen, dass das Bakterium von der Zecke noch nicht auf das Pferd übertragen wurde“, beruhigt Uwe Hörügel.

Zecken sitzen in hoher Anzahl auf Gräsern und krautigen Pflanzen. Eine gute Weidepflege kann die Anzahl der Spinnentiere verringern. (© www.slawik.com)

Pferdebesitzer, die eine Schwellung nach einem Zeckenbiss entdecken und eine Borreliose-Erkrankung befürchten, sollten einen Tierarzt rufen. Denn im frühen Stadium stehen die Chancen auf Heilung gut. Der Tierarzt kann über das Blut oder die Gelenkflüssigkeit die Antikörper bestimmen.

Ein Zeckenbiss zu erkennen auch ohne Zecke am Pferd, gestaltet sich schwierig. Doch bei Verdacht sollte auch hier Ihr Tierarzt zur Rate gezogen werden, falls beim Pferd ungewöhnliche Symptome auftreten. Bei häufigen Zeckenbissen ist es ratsam, regelmäßig die Temperatur des Pferdes zu überprüfen. Möchte man ganz sicher gehen, kann man eine Zecke einschicken und in einem Labor auf Borreliose untersuchen lassen. So kann man auch bei einem schon entzündeten Zeckenbiss schneller handeln.

Zeckenentfernung – Was ist zu tun bei einem Zeckenbiss?

Den Zecken rückt man am besten mit Zeckenzangen, -karten, -haken oder -schlingen zu Leibe. „Beim Entfernen mit der Zeckenzange ist es egal, ob man rechts- oder links herum dreht“, so Dr. Uwe Hörügel. Dabei sollte man die Zecke am Pferd so dicht wie möglich an der Hautoberfläche entfernen und den Körper nicht quetschen, da dies Infektionen fördert. Wer die Zecke schon kurz nach dem „Andocken“ entfernt, kann so Borreliose verhindern. Laut Bundestierärztekammer werden die Erreger von FSME und Borreliose erst einige Stunden nach dem Einstich übertragen: Bei Borreliose bis zu 12 – 24 Stunden später, bei FSME deutlich früher.
Doch was passiert, wenn das Mundwerkzeug in der Haut stecken bleibt? Ein unaufhaltsamer Infektionsherd? Hörügel beruhigt: „Normalerweise bildet sich in so einem Fall ein kleiner Pickel. Der Kopf wird mit der Zeit aus der Haut heraustransportiert.“

Aufpassen sollte man allerdings bei Hausmittelchen. „Man sollte aus der Zecke keinen Salat machen“, schmunzelt Dr. Dania Richter. Die Zecke am Pferd nicht mit Essig, Öl oder Klebstoff reizen, das regt den Speichelfluss an und begünstigt somit eine Infektion. Außerdem empfiehlt sie: „Nach dem Entfernen der Zecke sollte man die Bissstelle gründlich desinfizieren.“

 

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