Hydrotherapie fürs Pferd: Von Aquatherapie bis Wasserschlauch

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Wasser wirkt oft im Heilungsprozess unterstützend. (© www.slawik.com)

Die Hydrotherapie am Pferd zählt im weitesten Sinne auch zu den Kältetherapien. Der heilende Effekt der Kälte wird unterstützt durch Wasser. Ein altes Hausmittel neu entdeckt – Wasser am Pferd gilt nicht umsonst beinahe als Allheilmittel. Aber wieso eigentlich?

Die Hydrotherapie für Pferde gibt es schon seit Jahrhunderten. Dabei werden Pferde meistens in fließende Gewässer geführt, damit der Wasserstrom die Beine kühlen und sanft massieren kann. In Deauville, dem Galoppertrainingszentrum in der Normandie, werden die Rennpferde regelmäßig zum Strand geritten. Denn noch besser als kaltes bewegtes Wasser ist kaltes bewegtes Salzwasser.

In der Hydrotherapie muss aber nicht immer Meerwasser sein, auch einheimische fließende Gewässer haben einen wohltuenden Effekt auf Gelenke, Sehnen und Bänder. Zur Not tut es allerdings auch der heimische Wasserschlauch.

Pferde im Wasser – Was die Hydrotherapie bewirkt

Melissa King von der Universität Colorado verrät: „Training im Wasser bietet eine effektive Möglichkeit, die Gelenkmobilität zu verbessern, Bewegungsabläufe zu schulen, den Muskelaufbau zu verbessern und Folgeerkrankungen durch Gelenkprobleme zu vermindern.“ Das Wasser spielt dabei eine so große Rolle, weil das Pferd durch den Auftrieb sein ganzes Gewicht nicht alleine tragen muss.

Gleichzeitig wird das Pferd durch den Wasserwiderstand gezwungen, sich anzustrengen und seine Muskulatur zu gebrauchen. Der Wasserdruck hat dabei zusätzlich einen wohltuenden Massageeffekt.

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Im Training durchs Wasser zu reiten, macht nicht nur Spaß und ist effektiv, es wirkt meist auch positiv auf die Pferdebeine. (© www.toffi-images.de)

Alternative Wasserschlauch

Der Wasserschlauch ist eine Wohltat für die Beine des Pferdes, betont Pferdephysiotherapeutin Helle Kleven. Neben der Kälte wirkt die Kombination von Wasser und Druck auf die Haut. Beides zusammen regt das Herz-­Kreislauf­ und das Lymphsystem an. Das kann besonders effektiv bei angelaufenen Beinen helfen, die auf eine Verletzung oder auch eine Müdigkeit durch zu starke Belastung zurückzuführen sind.

Gezielte Bewegungen des Wasserschlauchs leiten dadurch die Lymphe nach oben gewissermaßen aus. Das Wasser sollte dabei nicht mit Druck aus dem Schlauch kommen, sondern das Pferdebein sanft umfließen.

Aquatherapie fürs Pferd – Regelmäßiges Schwimmen

Das Schwimmen stärkt das Herz­-Kreislauf­-System, unterstützt die Heilung von Verletzungen des Bewegungsapparates und fördert den Konditionsaufbau des Pferdes, da es die Bildung der sogenannten „Hoch­-oxidativen Fast­-twitch“­ Muskelfasern anregt. Man findet diese Muskelfasern besonders bei Pferden, die über eine längere Distanz maximale Leistung bringen müssen.

Die Hydrotherapie für Pferde bietet also durchs schwimmen zusätzlich viele Vorteile, ist aber nicht die Sache eines jeden Pferdes. Besonders ängstlichen Naturen, die leicht zur Panik neigen, sollte man das eher nicht zumuten.

Weiter sollte man die Pferde nicht ins Wasser schicken, wenn sie unzureichend verheilte Operationswunden haben oder solche, die offen und/ oder infiziert sind und nässen. Bei Verletzungen des Bewegungsapparates kann die Hydrotherapie am Pferd enorm helfen.

Wie genau die aussehen soll, muss von Fall zu Fall entschieden und mit dem jeweiligen Tierarzt besprochen werden.

Aquatrainer fürs Pferd – Das Pferdelaufband unter Wasser

Ein sogenannter Aquatrainer, also ein Wasserlaufband, findet sich mittlerweile in vielen Rehabilitationszentren für Pferde. Denn darin können die Pferde Kraft und Kondition aufbauen, ohne die gesunden oder auch verletzten Gliedmaßen zu überlasten. Je nach Wasserhöhe kann man den Wasserwiderstand verändern und das Winkeln der Gelenke beeinflussen, so kann der Besuch im „Equine Spa“ zur Behandlung von Krankheit und auch zum Training für Sportpferde sinnvoll sein.

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Eine alternative zum Aquatrainer ist die Wasserführmaschine. Der Wasserstand ist variabel und kann so unterschiedliche Gelenke ansprechen. (© www.slawik.com)

Verletzte Pferde – Ab zur Reha!

An der Universität Sydney hat man 2001 Versuche mit einer Art Whirlpool gemacht. Der Pool wurde mit 5 bis 9 Grad Celsius kaltem Salzwasser gefüllt und mittels Luftzufuhr bewegt. Die Probanden waren 15 Pferde mit Problemen an der oberflächlichen Beugesehne und vier Pferde mit Fesselträgerschaden. Die Hydrotherapie für die Pferde wurde dreimal pro Woche für zehn Minuten in einem Becken durchgeführt.

Das Ergebnis: Die Pferde wiesen hinterher bemerkenswert verbesserte Ultraschallbilder auf. Die Fasern in dem verletzten Gewebe hatten sich funktional neu ausgerichtet. Zwei weitere Pferde mit traumatischen Prellungen wurden zweimal täglich behandelt und konnten 72 Stunden nach ihrem Unfall wieder sportlich eingesetzt werden. Sechs weitere Pferde mit anderen Problemen an den Beinen haben ebenfalls schneller als erwartet auf die Hydrotherapie angesprochen.

Inzwischen werden derartige Geräte aber nicht mehr nur allein zur Therapie eingesetzt. Die Hydrotherapie am Pferd unterstützt allgemein die Prophylaxe und Regeneration der Gesundheit.

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