Jakobskreuzkraut: hochgiftig für Pferde

Jakobskreuzkraut

Hübsch anzusehen, aber hochgiftig für Pferde: Jakobskreuzkraut. (© Privat)

Es sieht hübsch aus, blüht in üppigen Sonnengelb, bevorzugt naturnah bewirtschaftete Flächen und breitet sich immer weiter aus. Umweltschützer feiern es als Beitrag zur Vielfalt unserer Flora. Pferdehalter hassen das Jakobskreuzkraut, denn es kann Pferde töten. Auch im Heu.

Die Friesenstute Mara sah erbärmlich aus: Ödeme an den Beinen und der Brust entstellten ihren Körper, das Pferd war abgemagert bis auf die Knochen und völlig teilnahmslos. Einige Tage später rannte es immer wieder mit dem Kopf vor die Wand, wanderte ruhelos hin und her. Schließlich musste Mara eingeschläfert werden. Die Autopsie bestätigte, was die Tierärztin nach der Analyse der Leberwerte bereits vermutet hatte. Die Ursache für Maras Tod war eine Vergiftung mit PA (Pyrrolizidin-Alkaloide). Die Stute hatte eine tödliche Menge von Jakobskreuzkraut (JKK) aufgenommen. Eine Heilung gibt es nicht.

Jakobskreuzkraut erkennen

Auch vor der Blüte ist das Jakobskreuzkraut giftig.

Das Jakobskreuzkraut wird seit mehreren hundert Jahren in unseren Breiten nachgewiesen. Es gehört zur Familie der Korbblütler – an der Spitze des Stengels wachsen korb­artig mehrere Blüten. Wurzeln, Stengel, Blätter und Blüten sind giftig. Die zweijährige Pflanze siedelt sich bevorzugt auf sonnigen, hellen Standplätzen, mageren Böden mit „offener“ Grasnarbe und auf Wegrändern an. Auch am Rand von Autobahnen hat es jeder schon gesehen.

Der Grund: Eine Zeitlang wurde den Grasmischungen für die Bepflanzung von Straßenrandstreifen auch Samen des Jakobskrauts beigemischt. Es mag keine „nassen Füße“ und ist deswegen in Marschgegenden seltener als auf ärmeren Böden. Je ökologischer ein Landwirt arbeitet, desto artenreicher sind die Flächen, desto besser gedeiht das Jakobskreuzkraut. Spät gemähtes Heu ist häufig kontaminiert. Das Jakobskreuzkraut tritt offenbar in großen Wellen auf, jahrzehntelang war es fast verschwunden, um sich dann seit den 1980er-Jahren wieder weiträumig zu verbreiten. So ist es durchaus möglich, dass das Vorkommen in einigen Jahren wieder abebbt. Eine Erklärung hat die Wissenschaft dafür bisher nicht.

Symptome einer Vergiftung

  • Gewichtsverlust
  • Konditionsverlust
  • Häufiges Gähnen
  • „Sonnenbrand“ am Maul und an den weißen Abzeichen
  • Schrunden in der Fesselbeuge (werden leicht mit Mauke verwechselt)
  • Kolik oder Verstopfung
  • Blut im Kot oder Urin
  • Erhöhte Leberwerte im Blutbild
  • Unruhe, Taumeln, Ataxie, zielloses Umherwandern des Pferdes ­(„Hepatoenzphales Syndrom“)

Krankheitsverlauf

Es hatte alles ganz harmlos angefangen. Mara fraß schlecht, verlor sichtlich an Gewicht, ohne dass es eine schlüssige Erklärung gab. Sie bekam eine Wurmkur, ihre Zähne wurden gemacht. Aber der Zustand der Stute verschlimmerte sich über Wochen immer weiter. Als Erika G., die Besitzerin von Mara, beziehungsweise ihre Tierärztin auf die Idee kamen, das Jakobskreuzkraut könne die Ursache für die Erkrankung des Pferdes sein, da war die Leber bereits so stark geschädigt, dass keine Hilfe mehr möglich war. Die Vergiftung kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen, weil das Gift nicht abgebaut wird, sondern sich in der Leber ansammelt, bis es schließlich die tödliche Menge erreicht hat.

Fälle in Deutschland

Eine andere Pferdehalterin im Rheinland verlor zwei ihrer vier Pferde durch JKK. Bei ihnen hatte sich das Gift über Jahre angesammelt. Rund ums Maul bildeten sich Schrunden wie bei einem Sonnenbrand, dieselben Symptome zeigten sich bei den weißen Abzeichen der Pferde. Die Gefährlichkeit des JKK-Giftes belegte ein makabrer Versuch des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxilogie in Zürich aus dem Jahre 1921(!): Zwei Pferden wurde täglich eine Dosis Kreuzkraut unters Futter gemischt. Ein Pferd erhielt 907 Gramm der getrockneten Pflanze, es starb nach 16 Tagen. Das zweite Pferd erhielt 64 Tage lang 113 Gramm. Es starb neun Tage nach Versuchsende. Es hätte nicht dieser grausamen Experimente bedurft, um die Tücken der gelben Schönheit zu beweisen. Dass der Naturschutzbund Deutschland NABU von „irrationaler Panikmache“ spricht, zeugt davon, dass man hier nichts verstanden hat.

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Das können Pferdehalter tun

  • Weide: Kontrollieren Sie die Weide. Gerade junge Pferde fressen oft die Blattrosetten im ersten Jahr, also vor der Blüte, die keine Bitterstoffe enthalten, aber trotzdem giftig sind. Bestehen Sie auf die vollständige Entfernung des Jakobskreuzkrautes oder lassen Sie Ihr Pferd nicht auf die Weide.
  •  Heu oder Silage: Die Bitterstoffe der frischen Pflanze werden in der getrockneten Form abgebaut, aber nicht das Gift. Es hält sich bis zu vier Jahren. Kaufen Sie Raufutter nur von Betrieben, bei denen Sie sicher sind, dass auf den Wiesen kein Jakobskreuzkraut wächst. „Wiesen und Weiden, auf denen Jakobskreuzkraut wächst, sind für die Pferdehaltung wertlos“, gibt der NABU-Beauftragte Fritz Heydermann zu. Lassen Sie sich vom Pensionsstallbetreiber zusichern, dass das Raufutter nur aus nicht-kontaminierten Beständen stammt.
  • Garantie: Es gibt Raufutterhersteller, die schriftlich zu­sichern, dass ihre Ware kein Jakobskreuzkraut enthält. Wenn Sie sicher gehen wollen, bestehen Sie auf diese Garantie.

Das Jakobskreuzkraut bekämpfen

Alles an der Pflanze ist giftig. Nicht nur die gelben Blüten, auch die Stängel!

Man kann einzelne Pflanzen mitsamt der Wurzel herausreißen, aber auch aus kleinen im Boden verbliebenen Wurzelstücken wachsen neue Pflanzen. Die herausgerissenen Pflanzen dürfen nicht neben der Weide liegen bleiben! Sie müssen verbrannt oder anderweitig entsorgt werden, um eine erneute Aussamung zu verhindern. Sonst können pro Pflanze bis zu 150.000 Samen verstreut werden. An der Universität Kiel läuft derzeit ein auf fünf Jahre angelegter Versuch, die Ausbreitung einzudämmen – bisher, nach drei Jahren, ist kein Erfolgsmodell zu erkennen. Kahle Stellen auf der Weide müssen möglichst schnell durch Nachsaat mit Grassamen geschlossen werden.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) begrüßt das Wiedererstarken des Jakobskrauts auf seinen ökologischen Flächen, ist es doch die Lebensgrundlage zahlreicher Insekten, unter anderem eines Schmetterlings namens „Blutbär.“ In anderen europäischen Ländern hat das Jakobskreuzkraut weit weniger Fürsprecher: In England, Irland und der Schweiz wird es als „allgemeingefährlich“ eingestuft, größere Vorkommen müssen gemeldet und gezielt vernichtet werden.

Weitere Infos

Falls Sie sich noch weiter dazu informieren wollen, können Sie zum Beispiel die Broschüre der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen herunterladen. Dazu einfach auf den Button „Download“ klicken. Unter www.ak-kreuzkraut.de werden Sie auch noch detailliert aufgeklärt.

Download (PDF)

 

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