Kryptopyrrolurie (KPU) beim Pferd – Keine Krankheit?

KPU-Pferd

Müde, schwach, anfällig – eine Vielzahl an Symptomen soll auf KPU hinweisen. (© www.slawik.com)

Bei Kryptopyrrolurie (KPU) soll es sich um eine Stoffwechselerkrankung beim Pferd handeln, wissenschaftliche Belege darüber gibt es aber nicht.

Kaum eine Krankheit ist in der Veterinärmedizin so umstritten wie die Kryptopyrrolurie (KPU) bzw. Hämpyrrollaktamurie (HPU) beim Pferd. Befürworter von HPU/KPU sprechen von einer Stoffwechselstörung, bei der eine genetisch bedingte Entgiftungsschwäche (Störung der Hämoglobin-Synthese), aufgrund von Nährstoffmängeln, vorliegt. Allerdings erkennt die Human- sowie Veterinärmedizin das Krankheitsbild einer KPU nicht an und verweisen darauf, dass es keine wissenschaftlich fundierten Studien der Stoffwechselerkrankung KPU beim Pferd gibt. Aber was steckt dann hinter der angeblichen Erkrankung KPU/HPU?

Die (unbewiesene) Theorie zu KPU

Die Theorie hinter der Annahme, dass KPU eine Krankheit ist folgende: Der Pferdekörper muss immer wieder giftige Substanzen ausscheiden, die zum Beispiel durch Medikamente oder schimmeliges Futter im Körper sind. Mithilfe von Mangan, Vitamin B6 und Zink ist die Leber in der Lage, diese Gifte wieder auszuscheiden. Es besteht also ein erhöhter Bedarf an diesen Substanzen, wenn der Körper entgiftet wird.

Pyrrole sind Bausteine des roten Blutfarbstoffes, dem Hämoglobin, und fallen als Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels an. In geringer Anzahl bereiten Pyrrole keine Probleme, da sie aber giftig sind, müssen sie nach Verwendung über die Galle ausgeschieden werden. Sind zu viele Pyrrole vorhanden, schafft die Galle diesen Abbau nicht. Der Körper bindet die Pyrrole dann an Vitamin B6 und Zink, um sie über die Niere abzubauen und im Urin auszuscheiden. Diese Störung des Stoffwechsels wirkt sich negativ auf den gesamten Organismus des Pferdes aus. Nur wie erkennt man eine angebliche KPU und wie wirkt sich die Störung des Stoffwechsels auf den Pferdekörper aus?

KPU Symptome und Beschwerden

Wenn von KPU beim Pferd gesprochen wird, werden oft folgende Symptome mit der Krankheit in Verbindung gebracht:

•  Nährstoffmangel (An Vitamin B6-, Zink, Mangan und anderen Spurenelemente)
 Schwaches Immunsystem
•  Müdigkeit (mangelnde oder wenig Leistungsbereitschaft)
•  Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Durchfall, Kotwasser bis hin zur Kolik)
•  Hautprobleme (Ekzem oder Mauke)

Oft wird auch von einem Zusammenhang zwischen KPU und anderen Erkrankungen wie EMS (Equines Metabolisches Syndrom), Hufrehe, Sommerekzeme, Headshaking bis hin zu Störungen des gesamten Bewegungsapparates gesprochen.

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Nicht selten wirkt sich Nährstoffmangel auf den Gesundheitszustand des Pferdes aus. (© www.slawik.com)

KPU Test: Diagnose der Scheinkrankheit

Nachweisen lässt sich die scheinbare Erkrankung KPU durch zwei Tests. Durch einen Urintest kann der Kryptopyrrolgehalt im Körper des Pferdes festgestellt werden. Befindet sich zu viel Pyrrol im Urin des Pferdes, ist der Stoffwechsel des Pferdes im Ungleichgewicht. Des Weiteren kann mit einem Bluttest festgestellt werden, ob das Pferd unter Nährstoffmängel von Zink, Selen oder Mangan leidet.

KPU beim Pferd: die richtige Behandlung

Um den Mineralstoffmangel auszugleichen, sollte die Menge der Spurenelemente über ein spezielles Zusatzfutter erhöht werden. Vitamin B6, welches im Darm hergestellt wird, wird vermehrt benötigt. Betroffene Pferdebesitzer berichten in Pferdeforen von einer erfolgreichen Behandlung mit der metabolisch aktiven Coenzym-Form des Vitamins B6, dem P-5-P (Pyridoxal-5-Phosphat), das vom Körper nicht mehr umgewandelt werden muss und direkt in den Stoffwechsel eingreift. Ein gesundes Pferd kann diese Vitaminvorstufe selber im Darm herstellen. Daher ist auch Ziel der Therapie, den Darm zu unterstützen und wieder fit zu bekommen.

Auch Kräuter oder Probiotika (Hefe) können helfen und natürlich sollte das Pferd viel bewegt werden. Manche Futterberater empfehlen auch eine Darmsanierung und greifen dafür z.B. zu Süßholzextrakt. Das soll entzündungshemmend wirken und die Darmschleimhaut erneuern. Bitterkräuter fördern die Produktion von Gallensaft und regen die Darmmuskulatur an.

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Der Stoffwechsel kann durch Zusatzfutter gezielt unterstütz werden. (© www.slawik.com)

Warum KPU keine Krankheit ist

Stoffwechselexpertin Prof. Heidrun Gehlen und die Ernährungsexpertin Dr. Ingrid Vervuert lehnen es ab, bei KPU von einer Krankheit zu sprechen, auch wenn Pferdebesitzer sie immer wieder darauf ansprechen. Die Ernährungsexpertin aus Leipzig hat dazu bereits einen Beitrag für einen Tierärztekongress verfasst. Darin schreibt sie, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass es sich um eine genetisch bedingte Entgiftungsschwäche handelt. Auch die Vermutung, dass die vermehrte Ausscheidung von Pyrrolen und Indikan im Urin auf Probleme im Darm hinweisen, entbehrt ihrer Ansicht nach wissenschaftlichen Grundlagen.

Was steckt dann dahinter?

Hinter der angeblichen Krankheit KPU steckt also eher ein Nährstoffmangel in Kombination mit einer folglichen Störung des Entgiftungssystem, als eine genetisch vererbare Krankheit. KPU ist demnach eher ein Zeichen dafür, dass ein überlasteter Pferdkörper, Schwierigkeiten bei der Verarbeitung und Ausscheidung von Abbauprodukten hat.

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Oft führen schon die ausgebeuteten, mineralstoffarmen Böden zu Mangelerscheinungen beim Pferd. (© www.slawik.com)

Wenn das Pferd keine KPU hat,
was hat es dann?

Krankheit hin oder her, wenn das Pferd Symptome einer KPU Erkrankung aufweist, ist es wichtig die Symptomatik richtig zu deuten. Oft ist ein Zinkmangel, eine unzureichende Vitamine B6 Versorgung oder der Einfluss der Umwelt die Ursache für die Symptome des Pferdes. Also Vorsicht vor teuren KPU Medikamenten oder Therapieverfahren, um Mangelerscheinungen des Pferdes zu behandeln.

Stoffwechselstörungen vorbeugen

Um Mangelerscheinung wie die einer angeblichen KPU vorzubeugen, sollte die Artgerechte Haltung und Fütterung des Pferdes stets gewährleistet sein. Sollten trotzdem Symptome einer Mangelerscheinung auftreten, empfiehlt es sich diese Bedingungen noch einmal zu überprüfen.