Longieren: sinnvoll eingesetzt hilft es Pferd und Reiter!

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Longieren schult das Gleichgewicht und ermöglicht die Erarbeitung von Punkten der Ausbildungsskala. (© www.paulinevonhardenberg.com)

Gehetzt kommt man aus dem Büro und muss das Pferd noch bewegen. Gerne wird dann schnell zu Longe und Peitsche gegriffen. Hastig wird das Pferd ausgebunden, die Longe verschnallt und los gehts.

So werden allerdings die eigentlichen Ziele des Longierens – das Pferd soll seine eigene Balance finden, sich an das Gebiss heran dehnen, in jeder Gangart Dehnungsbereitschaft zeigen und den Rücken aufwölben – verfehlt. Auch wenn man nicht im Sattel sitzt, muss man mit Zeit und Konzentration an die Sache herangehen. Erst dann wird es für das Pferd zu einer willkommenen Abwechslung.


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 Was Richtig Longieren bewirken kann

Richtig Longieren ist durchaus sinnvoll, denn: „An der Longe kann man sich die ersten fünf Punkte der Ausbildungsskala erarbeiten“, erklärt Wolfgang Egbers aus dem niedersächsischen Haftenkamp. Ein Ersatz für die Arbeit unter dem Sattel sei es aber dennoch nicht, findet der Pferdewirtschaftsmeister. „Longieren ist ein Mittel zum Zweck“, sagt er. Es sei bei jungen Pferden beispielsweise ein Hilfsmittel, um sie spannungsfrei auf das Reiten vorzubereiten.

So sieht es auch Pferdewirtschaftsmeister Jan Hendrik Biß: „Longieren ergänzt das Reiten, ersetzt es aber nicht.“ Das Longieren ist für ihn Teil der klassischen Ausbildung. Es dient dazu, das Pferd ohne Reitergewicht zu gymnastizieren, Probleme, die unter dem Sattel auftreten zu bearbeiten, ein rekonvaleszentes Pferd anzutrainieren oder ein junges Pferd an Sattelzeug und Kommandos zu gewöhnen. „Longieren ist anspruchsvoll, vorausgesetzt ich mache es mit Verstand. Dann kann ich ein Pferd im Sinne der Ausbildungsskala gymnastizieren und trainieren“, so der Ausbilder.

Das Longieren bietet den Pferden also Abwechslung und dem Reiter die Möglichkeit vom Boden aus bestimmte Schwerpunkte zu trainieren, wie beispielsweise die Losgelassenheit oder Durchlässigkeit. Bei dem Training mit Cavaletti werden auch vermehrt die Aufmerksamkeit und das kraftvollere Abfußen des Pferdes, sowie die gesamte Koordination gefördert.

„Die versammelte Arbeit an der Longe ist nicht positiv“, erklärt Wolfgang Egbers. Sobald sie ins Spiel kommt, steigt man entweder in den Sattel oder arbeitet an der Hand, mit der Doppellonge oder dem langen Zügel.

Die Ausrüstung zum Longieren

Zum Longieren braucht man die richtige Grundausrüstung. Wichtig dabei sind einige grundsätzliche Punkte, die sicherheitsrelevant sind und die es darum zu beachten gilt:

So sind Handschuhe und festes Schuhwerk während des Longierens Pflicht! Dadurch wird die Verletzungsgefahr reduziert, falls das Pferd losstürmt und die Longe durch die Hand zieht. Dabei sollte man bereits bei der Auswahl der Handschuhe auf geeignetes, strapazierfähiges Material achten. Wichtig ist in solchen Situationen ist auch festen Halt zu haben. „Sporen sollte man niemals beim Longieren anlassen“, sagt Egbers. Sehr schnell kann man daran hängen bleiben und über die eigenen Füße stolpern!

Die Longierpeitsche

Man sollte immer mit Peitsche longieren, auch wenn das Pferd gehfreudig ist. Die Peitsche wird gebraucht, um Hilfen zu geben. Wolfgang Egbers hat die Erfahrung gemacht, dass handelsübliche Longierpeitschen oft ein zu kurzes Lederband haben. „Ich will das Pferd erreichen und formen“, erklärt der Pferdewirtschaftsmeister. Daher rät er zu einem Trick: Die Peitsche durch ein weiteres Lederband verlängern.

Longieren mit Longiergurt

Im Ausbildungsstall von Wolfgang Egbers werden alle Pferde mit einem speziellen Gurt an der Longe gearbeitet. Dieser wird nie direkt auf den Pferderücken oder auf ein Kissen aufgelegt, sondern über den Sattel geschnallt. „Der Gurt liegt dann besser“, erklärt er. Wenn sich das Pferd gegen die Ausbinder wehrt oder sich aus der Anlehnung heraushebt, kann der Gurt ohne Sattel auf den Widerrist rutschen und unangenehmen Druck verursachen. Weitere Vorteile des speziellen Longiergurts: Er hat bewegliche Koppfeile, so dass er sich gut an den Sattel anpasst. Außerdem ist er rundum mit Ringen für Ausbindezügel ausgestattet, so dass diese an verschiedenen Stellen befestigt werden können.

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Stirn-Nasenlinie beachten, Longe über dem Ausbinder einhaken und Zügel eingedreht am Kehlriemen befestigen. (© www.paulinevonhardenberg.com)

Zum Longieren das Pferd ausbinden

Ausbinden an der Longe – das machen die meisten. Aber wie, ist die große Frage, denn es gibt dafür über ein Dutzend Möglichkeiten. Um das Pferd an der Longe zu gymnastizieren, setzen die meisten jedoch auf die Ausbinder. Auf dem Markt kann man die verschiedensten Modelle – vom Gogue über das Chambon bis zum Tokero-Zügel – erwerben. Jedes hat seine Vor- und Nachteile.

Manche unterstützen das Pferd dabei, den Hals fallen zu lassen, andere zwängen es in eine Haltung oder drücken auf das Genick. Grundsätzlich gilt: Jeder Ausbinder ist nur so gut, wie damit longiert wird. Von alleine entfalten sie nicht ihre volle Wirkung.

Die Hilfszügel richtig verschnallen

Für jeden Ausbinder gilt, dass er so verschnallt sein muss, dass die Stirn-Nasenlinie des Pferdes vor der Senkrechten ist. Bei einem jungen Pferd kann er auch etwas länger verschnallt werden, damit es sich besser ausbalancieren kann. Um die Länge des Ausbinders zu kontrollieren, rät Wolfgang Egbers dazu, sich vor das Pferd zu stellen. „Wenn Nüsternrand und Buggelenk auf einer Höhe sind, ist das Pferd nicht zu tief eingestellt und auch nicht überstellt“, erklärt er.

Wichtig ist auch, dass man nicht benötigte Zügel „eindreht“, um sie zu verkürzen, so dass sie am Pferdehals leicht anliegen und mit dem Kehlriemen fixiert. Dieser Aspekt ist sicherheitsrelevant, da das Pferd in einen lang herunterhängenden Zügel hineintreten kann.

Longieren mit Ausbinder und Zügel

Manchmal werden Pferde beim Longieren auch direkt mit dem Zügel ausgebunden, anstatt einen Hilfszügel zu verwenden. Sie werden dazu an der linken und rechten Seite am Ring des Longiergurtes verknotet. Diese Variante ist unter Ausbildern umstritten. Ein Kritikpunkt der dabei angeführt wird ist, dass es schwierig sei, das Pferd gleichmäßig lang auf beiden Seiten auszubinden. Egbers ist da anderer Meinung: „Alles, was der Ausbinder kann, kann der Zügel auch.“ Natürlich gilt hierbei auch wieder, dass nicht zu kurz ausgebunden werden soll und die Höhenlinie Nüsternrand-Buggelenk mit der Stirn-Nasenlinie vor der Senkrechten als Richtmaß.

Bei jungen Pferden, die gerade angeritten werden, greift Wolfgang Egbers zu einem Gummi-Ausbinder, „damit das Pferd Spiel hat“. Durch diesen variablen Ausbinder hat das Pferd mehr Bewegungsfreiheit, lernt so an das Gebiss heranzutreten und sich abzustoßen. Wenn das Pferd erschrickt oder sich aus der Anlehnung heraushebt, gibt der Ausbinder nach, so dass es keine schlechten Erfahrungen macht.

Longieren mit Dreieckszügel

Beim Dreieckszügel wird ein Ende am Bauchgurt befestigt. Ein Lederriemen führt dann zwischen den Vorderbeinen des Pferdes durch und gabelt sich über einen Ring in zwei separate Lederriemen. Diese laufen dann rechts und links durch die Trensenringe und werden am Longiergurt eingeschnallt. Wenn man die Dreieckszügel richtig anlegen will, sollte man dabei beachten, dass sie seitlich und waagerecht auf etwa Buggelenkshöhe verschnallt werden.

Da die Dreieckszügel das Pferd seitlich begrenzen, ermöglichen sie die Vorwärts-Abwärts-Bewegung und das Herantreten an das Gebiss. „Dieser Ausbinder kommt bei uns zum Einsatz, wenn die Pferde sich schwer tun, über den Rücken zu gehen oder für leichte Arbeit“, erklärt Egbers.

Der Laufferzügel im Einsatz

Der Laufferzügel besteht aus zwei einzelne Lederriemen, die als seitliches Dreieck (Gurt–Gebiss–Gurt) verschnallt werden. Je höher das obere Ende befestigt ist, d.h. je größer der Winkel des Dreiecks ist, umso mehr kann man das Pferd in die Aufrichtung bringen. Die Vorteile: Der Laufferzügel bietet eine gute seitliche Begrenzung und ist durch die verschiedenen Verschnallmöglichkeiten variabel einsetzbar.

Das Longieren mit Kappzaum

„Ein Kappzaum ist ein Multitalent“, betont Jan Biß. „Man kann zum Beispiel Longe und Ausbinder im Kappzaum verschnallen. So bleibt das Pferdemaul völlig unangetastet. Also geeignet für junge Pferde oder für Pferde, die empfindlich im Maul sind, die Angst vor der Reiterhand oder dem Ausbinder haben. Ich kann die Longe auch am Kappzaum und die Ausbinder in den Trensenringen verschnallen oder umgekehrt. Je nachdem ob ich dem Pferd durch die Ausbinder eine konstante Anlehnung geben, mit der Longe aber nicht auf das Maul einwirken möchte oder ob ich lieber nur mit der Longe den direkten Draht zum Pferd habe und die Ausbinder über den Nasenriemen einen Rahmen vorgeben.“

Voraussetzung ist dabei aber immer: Der Kappzaum passt! Durch einen Metallbügel im weich gepolsterten Nasenriemen sitzt er stabil am Pferdekopf und rutscht außen auch nicht ins Auge, wenn richtig und fest verschnallt ist.

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Ein Kappzaum kann ohne oder mit Gebiss eingesetzt werden und bietet in der Ausbildung verschiedene Möglichkeiten. (© www.slawik.com)

Longieren auf dem Longierzirkel

In der Zirkelmitte wird das Pferd ausgebunden. Wenn es dabei unruhig wird und von einem Huf auf den anderen trippelt, sind Ruhe und Konsequenz die obersten Gebote. In diesem Zusammenhang sind eine vernünftige Erziehung bzw. Handarbeit wichtige Stichworte. Wenn sich das Pferd beim Ausbinden mit einem starren Hilfszügel wehrt, den Kopf hochschlägt, nach hinten rennt oder sogar steigt, rät Wolfgang Egbers, den Gummi-Ausbinder zu benutzen, der bei Druck nachgibt, bis das Pferd Vertrauen in die Situation gewonnen hat.

An der Longe anführen

Der Longenführer stellt sich in Gehrichtung neben das Pferd und führt es an. Erfahrene Pferde lässt der Pferdewirtschaftsmeister Runde für Runde im Schritt weiter aus dem kleinen Kreis um ihn herum auf die große Zirkellinie herausgehen. Dabei wird die Longe Schlaufe für Schlaufe über den Daumen abgelassen.

Junge und unerfahrene Pferde sollten zunächst auf der großen Zirkellinie geführt werden. Wichtig ist, das Pferd bei richtigem Verhalten zu loben, um dieses zu verstärken. Erst wenn es sich entspannt, nimmt man selber die Position in der Zirkelmitte ein.

Die Einwirkung beim Longieren

Der Longenführer hat vier Möglichkeiten, auf sein Pferd einzuwirken: Longe, Peitsche, Stimme und die eigene Position. Der Longenführer, die Longe, die Peitsche, die ständig mitgeführt und auf Höhe des Sprunggelenks gehalten wird, und der Pferdekörper bilden ein Dreieck, das es grundsätzlich einzuhalten gilt.

Die Peitsche schwingt der Longenführer aus dem Unterarm heraus von hinten nach vorne. Jeder Tritt wird mit einem leichten Peitschenschwung begleitet und verstärkt, wenn das Pferd in die nächsthöhere Gangart wechseln soll. Ist das Pferd faul und reagiert nicht angemessen auf die Peitsche, sollte der Longenführer das Dreieck seitlich in Richtung Hinterhand verlagern. Auf der rechten Hand würde man sich nach links bewegen. So wird das Pferd animiert, sich vermehrt zu bewegen.

Ist es zu eifrig, bewegt man sich in die andere Richtung zum Kopf des Pferdes aus dem Dreieck heraus, um es so zu bremsen. Die Peitsche wird auch bei gehfreudigen Pferden mitgeführt, das Ende zeigt aber in Richtung Boden.

Longieren mit Verbindung zum Pferdemaul

„Man sollte immer eine leichte Verbindung zum Pferdemaul haben“, sagt Wolfgang Egbers. Der Kontakt wird durch kleine Paraden hergestellt. Über die Longe kann der Longenführer durch Ein- und Ausdrehen des Handgelenks annehmende, nachgebende und durchhaltende Longenhilfen geben. Durch Paraden animiert man das Pferd, an die Hand heranzutreten und hat eine gewisse Kontrolle.

Beim Kontakt von Pferdemaul, Longe und Hand ist es wie bei der Zügelführung: Der Impuls des Longenführers sollte nicht zu stark sein. Auf Druck erfolgt Gegendruck. Das Pferd wird sich sehr wahrscheinlich gegen die Longe auflehnen und nach außen drängen. Auf der anderen Seite sollte die Verbindung zwischen Pferdemaul und Longe auch nicht zu lose sein. Wenn die Longe durchhängt, hat man weniger Kontrolle über das Pferd.

Die Stimmhilfe

Auch mit Stimme sollte man auf das Pferd einwirken, allerdings in Maßen. Wichtig ist es, auf die Tonlage zu achten. „Spreche ich mit tiefer Stimme, kann ich das Pferd zurückholen. Die Ansprache mit höherer Stimme veranlasst das Pferd dazu, mehr aufzupassen“, erklärt Egbers. Auch ein beruhigendes „Brrr“ und ein dynamisches „Halt“ können eingesetzt werden.

Grundstein der Arbeit an der Longe

Vor allem das Durchparieren, das Anhalten und der Handwechsel sind eine Erziehungsfrage bzw. eine Frage des Gehorsams.

Wenn das Pferd aus dem Trab über Schritt zum Halten durchparieren soll, werden Paraden und das eindeutige Signal „Schee-ritt“ gegeben. Genügt das nicht, wird das Dreieck in Richtung Pferdekopf verlagert, um die Hilfe zu verstärken. Geht das Pferd gelassen Schritt, wird es zum Halten aufgefordert. Dies geschieht über den Einsatz von Paraden und Stimme.

Zudem wird die Peitsche quer über oder unter der Longe vor den Vierbeiner gehalten. Für das Pferd ein weiteres Zeichen, durchzuparieren. Das eigentliche Ziel ist es, dass das Pferd auf der Zirkellinie anhält. Reagiert es nicht, können die Paraden verstärkt und die Longe etwas verkürzt werden, so dass das Pferd die Linie verkleinert.

Zum Handwechsel die Longe aufnehmen

Hat das Pferd zum Halten durchpariert, klemmt man sich die Peitsche nach hinten zeigend unter den Oberarm und geht ruhig auf das Pferd zu. Die Longe nimmt man Schlaufe für Schlaufe auf. Dabei sollte man darauf achten, dass sie nicht den Boden berührt.

Beim Handwechsel legt der Longenführer schon beim Aufnehmen die Longe in die Hand, auf der er nach dem Richtungswechsel longieren will. So läuft die Longe ohne zu verdrehen wieder aus der Hand heraus.

Dann geht er um das Pferd herum und hakt die Longe in den äußeren Trensenring. Der Handwechsel kann bei erfahrenen Pferden über eine Vorhandwendung geschehen. Auch hier kommt die Handarbeit ins Spiel. Der Longenführer bleibt am Kopf des Pferdes stehen und animiert es durch Zeigen mit der Peitsche auf die Hinterhand dazu, sich umzudrehen. Zeigt das Pferd keine Reaktion, kann es auch durch leichtes Anticken mit der Peitsche animiert werden.

Junge, unerfahrene Pferde sollte man mit so einer Aufgabe allerdings nicht überfordern, sondern sie zunächst besser auf die andere Hand führen.

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Beim vorwärts-abwärts Longieren nimmt das Pferd die gewünschte Dehnungshaltung an. (© www.slawik.com)

Das vorwärts abwärts Longieren

„Bei der leichten Arbeit lernt das Pferd taktmäßig zu gehen, sich vorwärts-abwärts zu dehnen und den Rücken aufzuwölben. Automatisch verbessert sich dann die Anlehnung. Diese Arbeit ist besonders für junge Pferde geeignet und für Pferde, denen es unter dem Reiter schwer fällt, locker zu werden“, erklärt Jan Biß. Das Pferd wird im Schritt ohne Ausbinder etwa zehn Minuten aufgewärmt und dann in den drei Grundgangarten ausgebunden longiert. „Wichtig ist, dass das Pferd fleißig vorwärts geht, ohne zu eilen. Viele Schritt-Trab- und Trab-Galopp-Übergänge fördern die Losgelassenheit.“ Zum Abschluss sollte das Pferd zehn Minuten unausgebunden im Schritt entspannen können. Insgesamt sollte die Longiereinheit maximal 30 bis 40 Minuten dauern und viele Handwechsel beinhalten.

Longieren für Fortgeschrittene

Wenn sich das Pferd locker ausbalanciert mit losgelassener Oberlinie an der Longe bewegt, kann man ihm mehr abverlangen. Ein wichtiges Zeichen ist ein schwingender Rücken. Das Pferd sollte in einem frischen Arbeitstempo mit ruhiger Frequenz traben. „Wenn das Überschäumende weg ist und das Pferd kontrolliert an der Longe arbeitet, kann man gezielt Übergänge fordern“, erklärt Wolfgang Egbers.

Losgelassenheit durch Übergänge

Die Wechsel zwischen den Gangarten sollte man zunächst nicht zu schnell abfragen. Erst wenn das Pferd in einer Gangart ausbalanciert, entspannt und im Takt arbeitet, kann der Wechsel in die andere erfolgen. Wenn das funktioniert, kann man die Frequenz erhöhen, zum Beispiel nach zehn Trabtritten zum Schritt durchparieren und nach zehn Schritten wieder antraben. Damit arbeitet man an der Losgelassenheit des Pferdes.

„Mit Galopp-Trab-Übergängen erreiche ich die größte Verbesserung“, erklärt Wolfgang Egbers. Mit dem Wechsel zwischen Drei- und Zweitakt erlange man den besten Schwingungsgrad. „So erreiche ich die Lende, das Pferd wird losgelassener in der Oberlinie.“ Ist der Übergang zwischen den Gangarten stockend, vor allem der in den Schritt, ist das oft ein Zeichen dafür, dass das Pferd zu eng ausgebunden ist.

Durchlässigkeit durch Tempounterschiede

Das Tempo innerhalb der Gangart zu variieren, ist eine Übung um an der Durchlässigkeit zu arbeiten und zeitgleich die Hinterhand zu aktivieren. Wenn das Tempo erhöht werden soll, treibt man die Pferde aus dem Zirkel heraus, der Longenführer verlagert das Dreieck nach hinten. Neigt das Pferd dazu, schief zu werden, kann man das Pferd beim Zulegen ein paar Meter an der Bande geradeaus longieren, dann fängt man es wieder ein. Dazu führt man das Pferd mehr in den Zirkel und verändert das Dreieck entsprechend Richtung Pferdekopf.

Eine Fehlerquelle: Der Longenführer darf nicht zu sehr mit dem Pferd mitlaufen, wenn er seine Position im Dreieck verändert. Wenn es daran geht, das Pferd übertreten zu lassen oder den Zirkel zu verkleinern oder zu vergrößern, rät Egbers dazu, entweder in den Sattel zu steigen oder die Doppellonge bzw. den langen Zügel einzusetzen.

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Cavaletti Arbeit an der Longe bietet Abwechslung und fördert Koordination und kraftvolles Abfußen. (© www.toffi-images.de)

Cavaletti-Arbeit an der Longe

Wer das Longieren abwechslungsreicher gestalten will, kann Cavaletti einsetzen. „Das ist eine wertvolle Arbeit“, sagt Wolfgang Egbers. „Durch den zusätzlichen Reiz wird das Aufwölben des Rückens unterstützt.“ Außerdem bietet es dem Pferd mehr Abwechslung. Der Pferdewirtschaftsmeister rät, die Cavaletti nicht einfach nur auf den Boden zu legen, sondern leicht aufzustellen. Außerdem sollte man sie in der Reithalle an der kurzen Seite positionieren. So kann man zunächst davor daran vorbei longieren und wenn das Pferd bereit ist, darüber longieren ohne die Arbeit für den Aufbau extra zu unterbrechen.

Die Abstände zwischen den Caveletti betragen im Schritt ca. 0,80, im Trab ca. 1,30 und im Galopp ca. 3 Meter. Sie sollten aber an jedes Pferd individuell angepasst werden.

Mit Cavaletti sollte man auf keinen Fall arbeiten, um ein „heißes“ Pferd zu bremsen. Die Verletzungsgefahr ist dabei groß. Den größten Effekt erzielt man, wenn man die Cavaletti hintereinander aufbaut, zum Beispiel als Fächer. Das Pferd muss den Takt halten, braucht genügend Schwung und muss kraftvoll abfußen. Bei dieser Übung werden auch Konzentration und Aufmerksamkeit gefordert. Grundsätzlich gilt: Je enger die Cavaletti aufgestellt sind, desto mehr muss das Pferd abfußen.

Wenn man die Galopparbeit hinzu nimmt, kann man die Cavaletti auch hintereinander aufstellen oder sie an den Zirkelpunkten positionieren und das Pferd über jedes einzeln springen lassen.


© FN Verlag

Die Richtlinien Band 6 der FN gelten als Standardwerk zum richtigen Longieren.

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© Info zur Verwendung von Texten der Autoren Laura Becker und Leah Laven

 

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