Tipps für den winterfesten Reithallenboden

reithallenboden-winter

Damit der Reithallenboden im Wintertraining hält muss er gut gepflegt werden. (© www.toffi-images.de)

Die Gesichter sind lang: Auf Seiten der Reiter, weil der Boden im Winter nicht bereitbar ist, auf Seiten des Stallbetreibers, weil er Ärger mit Boden und Einstellern hat. St.GEORG-Experte Georg W. Fink erklärt, wie man den Boden winterfest macht.

Wer sich erst im Winter bei Frost und Minusgraden Gedanken um den Boden in der Reithalle oder dem Außenplatz macht, ist eindeutig zu spät dran. Georg W. Fink, Experte für Reitanlagenplanung, rät: „Bereits im Herbst vor der Hallensaison sollte man den Boden von einer Fachfirma warten lassen.“

Reitboden im Herbst pflegen und vorbereiten

Dies geht über eine normale Pflege weit hinaus. Der Fachbetrieb überprüft die Zusammensetzung der Tretschicht und klärt Fragen, wie zum Beispiel: Wie hoch ist der Anteil der Organik im Boden? Unter diesen Begriff fallen der Pferdekot und bei Außenplätzen Laub und Blütenstaub.

Selbst wenn sorgfältig abgeäppelt wird, bleiben Rückstände in der Tretschicht. Zu der Organik

 

gehören aber auch Zuschlagstoffe aus der Tretschicht, zum Beispiel Holzschnitzel, die zerrieben werden bzw. zerbröseln und auch Haare: „Im Winter wird die Halle öfter zum Freilaufen der Pferde genutzt, die sich wälzen und gerade im Fellwechsel viele Haare auf der Tretschicht hinterlassen.“

Je höher der Organikanteil im Boden ist, desto schlechter ist die Qualität des Bodens. „Es gibt Böden, bei denen beträgt der Organik-Anteil über 50 Prozent, die sind so gut wie tot“, sagt Georg W. Fink. Der Boden klebt, ist nicht mehr elastisch und wird rutschig. Ein hoher Organikanteil kann vor allem im Winter zur Gefahr werden: „Organik speichert die Feuchtigkeit. Je höher die ist, desto eher wird der Boden einfrieren.

Hallenboden: Staubgefahr im Winter

Ein weiteres Problem im Winter sieht Georg W. Fink im Staub: „In den meisten Hallen sind die Böden im Winter zu trocken.“ Viele Stallbetreiber würden aus Angst vor einem gefrierenden Boden nicht ausreichend wässern, dabei sollte der Staubanteil auch in der kalten Jahreszeit auf ein Minimum reduziert werden.

„Der Staub wird vielfach unterschätzt. Die Pferde werden in vorwärts-abwärts-Haltung geritten. Sie halten ihre Nase genau dort, wo die aufgewirbelten Feinteile in der Lu stehen und saugen sie wie ein Staubsauger auf. Und dann wundern sich die Reiter, wenn ihre Pferde husten.“

Gerade in der Frostzeit sollte der Boden mindestens einmal, besser öfters täglich gepflegt werden. Wenn es zum Beispiel in der Nacht friert, sollte man vorher den Boden begradigen. Ansonsten frieren die Löcher mit ein und werden zu einer Buckelpiste für Reiter und Pferd.

Diese unebene Tretschicht am nächsten Morgen mit einem Gerät aufzubrechen und zu planieren, ist schwierig. Einfacher ist es hingegen, wenn man den Boden am Abend vor dem Frost begradigt hat. Das gilt vor allem für Außenplätze und offene Hallen, aber auch für geschlossene Reithallen.

Ein Mittel, das Einfrieren zu verhindern und auch den Organikanteil zu senken, ist die Zugabe von Zuschlagsstoffen, z.B. Textilhäcksel oder Fasern. „Sie sorgen für eine etwas lo­ckerere Tretschicht, die weniger schnell einfriert“, sagt Fink. Selbst beginnender Bodenfrost macht solchen Plätzen wenig aus.

www.toffi-images.de

Gerade in der täglichen Winterarbeit darf der Hallenboden nicht staubig werden. (© www.toffi-images.de)

Magnesiumchlorid für den Reitplatz

Wenn man nur auf Sand setzt, kann der Boden bei Frost sehr hart werden. Je älter und abgenutzter der Sand ist, desto mehr Körner sind zerrieben. Der Sand verdichtet sich, wird hart, bei Frost noch härter. Das Einfrieren kann man auch vermindern durch Mag­enesiumchlorid und andere Salze.

„Dieser Einsatz ist aber unter Umständen nicht kon­form mit dem Wasserhaushalts­gesetz.“ Bewährt haben sich 400 bis 600 Gramm pro Qua­dratmeter je nach Kältegrad auf zwei Gaben. Zwei Drittel davon im November, den Rest im Januar. Die Salze kommen auch mit der empfindlichen Pferdehaut in Kontakt. Daher sollten die Pferdebeine immer nach dem Reiten abgespritzt und abgetrocknet werden, um die Maukegefahr zu verringern.

„Auf Außenreitplätzen haben Teppichschnitzel eine hohe Frostunempfindlichkeit und besitzen daher eine relativ gute Wintereignung“, sagt Fink. Die Schnitzel bilden eine in sich verzahnte Matratze, die Wasser hindurch lässt. „Bei langen Frostperioden kann es aber auch schwierig werden und bei Schnee sinkt die Bereitbarkeit von Außenplätzen generell schnell gegen Null“, sagt Fink.

Er macht auch nochmals deutlich: „Teppichschnitzel eignen sich in erster Linie für das Bewegen von Pferden. Eine anspruchsvolle Sportnut­zung ist eher nicht möglich, auch in Hallen sind sie wegen der Staubbildung kritisch zu sehen.“ Zuschlagsstoffe wie Gele und Wachse können auch das Einfrieren verhindern, in den meisten Fällen sind sie aber nicht zulässig.

Fazit: Rechtzeitig den Boden vorbereiten

Stallbesitzer müssen sich recht­ zeitig auf den Winter einstellen und die Böden entsprechend vorbereiten. Der Pflegeaufwand bei Frost kann höher sein und muss den Temperaturen ange­passt werden. Reiter können im Winter nicht immer optimale Bodenverhältnisse erwarten. Da­her immer mit Köpfchen reiten und lieber einmal etwas zurück­ stecken. Eine Winterphase mit reduzierter Trainingsintensität tut nicht nur den Böden gut, sondern auch oft Pferden und Reitern.